Wenn Hersteller zur Apotheke werden

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Berlin - Gewisse Grundsätze sind unantastbar: Arzneimittel werden ausschließlich in Apotheken abgegeben und kosten überall dasselbe, so zumindest die gut begründete Fundamentalposition der ABDA. Doch bei Hochpreisen wie Sovaldi & Co. bekommen viele Apotheker zunehmend ein Finanzierungsproblem. Immer wieder gibt es Ideen, das System von Grund auf neu zu denken. Begehrlichkeiten gibt es bei vielen Playern; vor allem die Hersteller hätten mehr Spielraum als gemeinhin angenommen wird.

Weitgehend unbemerkt von der Fachöffentlichkeit schloss die US-Apothekenkette Walgreens kurz vor Weihnachten eine Vereinbarung mit dem Pharmakonzern Valeant, die den Markt nachhaltig verändern könnte: In den demnächst rund 12.000 Filialen werden die Produkte von den Walgreens-Mitarbeitern im Namen des Herstellers abgegeben. Die Kette ist bei diesem Direktgeschäft reiner Dienstleister und erhält eine Aufwandspauschale. Das Modell ist keine Eintagsfliege, sondern mit einer Laufzeit von 20 Jahren langfristig angelegt. Auch unabhängige Apotheken sollen sich dem Vertrag anschließen können.

Konzernchef Stefano Pessina hat offen erklärt, die Zukunft von Gesundheitsversorgung, Apotheke und Einzelhandel weltweit neu definieren zu wollen. Während seine Konkurrenten schon aus beruflichem Selbstverständnis heraus gewisse Grenzen nicht überschreiten, kennt der Italiener keine Berührungsängste: In Großbritannien hat sein Vertriebsmodell mit Pfizer dafür gesorgt, dass die vollsortierten Pharmagroßhändler zu Auftragslogistikern mutiert sind. „Direct to patient“ soll in den USA nun die logische Erweiterung von „Direct to pharmacy“ werden.

Zwar folgt der US-Markt anderen Regeln als der deutsche. Doch auch hierzulande wäre ein solches Modell möglich – in seinen Grundsätzen höchstrichterlich sogar schon doppelt abgesegnet. Im Januar 2012 entschied der Bundesgerichtshof (BGH), dass es für die Frage der Arzneimittelsicherheit unerheblich sei, auf wessen Rechnung die Arzneimittel vertrieben würden. Im Februar 2015 erklärte auch das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) das Modell für zulässig.

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