Interview Erik Tenberken (DAH²KA)

HIV-Versorgung vor dem Kollaps

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Berlin -

Weil die Hersteller auf ganzer Linie sparen, kommt es immer wieder zu Lieferengpässen. Besonders dramatisch ist die Lage derzeit im Bereich der HIV-Medikamente. Erik Tenberken ist Inhaber der Kölner Birken-Apotheke und – neben Frau Magdalene Linz und Dr. Gregor Müller – Vorstandsmitglied der Deutschen Arbeitsgemeinschaft HIV- und Hepatitis-kompetenter Apotheken (DAH²KA). Seiner Meinung nach muss die Politik die Unternehmen zu einer angemessenen Lagerhaltung verpflichten. Ansonsten sei die Versorgung von Aids-Patienten über kurz oder lang in Gefahr.

ADHOC: Welche HIV-Päparate sind derzeit defekt?
TENBERKEN: Derzeit sind Kaletra, Triumeq und Stribild in bestimmten Packungsgrößen nicht oder nur eingeschränkt lieferbar. Gefehlt haben in diesem Jahr aber schon Präparate wie Norvir, Celsentri, Retrovir, Tivicay und Isentress.

ADHOC: Wie neu ist das Phänomen?
TENBERKEN: Lieferprobleme in diesem Ausmaß gab es bislang nicht. Früher haben wir Medikamente, die bestellt wurden, auch erhalten. Die aktuelle Situation ist untragbar. Wenn es so weitergeht, wird die Versorgung irgendwann zusammenbrechen.

ADHOC: Woher kommen die Probleme?
TENBERKEN: Wir Apotheker laufen Gefahr, im Spannungsfeld zwischen Krankenkassen, Großhandel, Pharmaindustrie und unserer Pflicht gegenüber unseren Patienten zerrieben zu werden. Vereinfacht kann man sagen: Weil die Produkte teuer sind, wird die Lagerhaltung auf uns Apotheker abgewälzt. Das ist mit den heutigen Fixzuschlägen aber nicht finanzierbar.

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