Linke fragt nach Pharma-Mall

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Berlin -

Seit Jahren sind Lieferengpässe bei Arzneimitteln ein Thema für Apotheker und Großhandel. Immer wieder fehlen wichtige Arzneimittel für die Patientenversorgung oder sind nur schwer zu beschaffen. Jetzt will Die Linke mehr über die Gründe der Lieferschwierigkeiten erfahren. In einer Kleinen Anfrage an die Bundesregierung verweist die Fraktion auf die Gesetzeslage: Hersteller müssten „im Rahmen ihrer Verantwortlichkeit eine bedarfsgerechte und kontinuierliche Belieferung vollversorgender Arzneimittelgroßhandlungen gewährleisten“. Seit einiger Zeit mache allerdings der Begriff des „Kontingent-Arzneimittels“ die Runde.

Hersteller lieferten „absichtsvoll in limitierter Zahl“ an den pharmazeutischen Großhandel, so die Linke. Wenn die Zahl der vom Hersteller gelieferten Packungen trotz Lieferfähigkeit nicht bedarfsdeckend sei, werde es dem Großhandel schwer oder unmöglich gemacht wird, seinen Teil des Sicherstellungsauftrags zu erfüllen. Die Linke: „Es stellt sich die Frage nach einem Gesetzesverstoß.“

Die Direktlieferung an Apotheken habe hingegen für die Pharmahersteller mehrere Vorteile: Erstens umgehe man ausgehandelte Rabatte an den Großhandel, die Großhandelsmarge könne der Hersteller selbst einstecken, der außerdem den Weiterverkauf der Arzneimitteln ins Ausland kontrolliere. Damit hätten die Hersteller zudem größeren Einfluss auf die (Wieder-)Einfuhr von Parallelimporten.

An den Pranger stellt die Links-Fraktion die von Bayer, Boehringer, GlaxoSmithKline, Merck, Novartis und PharmLog gegründete Internetplattform Pharma Mall. Diese diene ausweislich der Selbstdarstellung „zur Optimierung der Transaktionsprozesse zwischen Hersteller und Kunden“. Inzwischen beteiligten sich über 30 Pharmaunternehmen am Vertrieb über Pharma Mall.

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