Versandapotheke schickt Pflegedienst | APOTHEKE ADHOC
Versorgungskonzepte

Versandapotheke schickt Pflegedienst

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Berlin -

Im OTC-Bereich haben Versandapotheken inzwischen einen festen Stand. Schwierig sind allerdings nach wie vor verschreibungspflichtige Arzneimittel. Verschiedene Versender bieten Zusatzleistungen an oder spezialisieren sich auf bestimmte Patientengruppen, um an Rezepte zu kommen. Dazu gehört auch die Schloss-Apotheke von Markus Kerckhoff in Bergisch Gladbach. Sein Bruder Dr. Thomas Kerckhoff bietet mit Outpatient-Services Arzneimittellieferung, Telefonberatung und mobilen Schwestern-Service aus einer Hand an.

Die Idee, teure Medikamente zu verschicken statt über die Vor-Ort-Apotheken zu liefern, stammt aus den USA. Aber auch in der Schweiz gibt es schon ein Vorbild: Hier konzentriert sich die Versandapotheke MediService, die heute zu Galenica gehört, seit 2004 komplett auf den Bereich „Pharma Care“ – teure Arzneimittel für seltene Krankheiten. Ein kostenloser Zusatzservice sind 13 Pflegekräfte, die sich beim Patienten zu Hause um die Applikation der Arzneimittel kümmern.

Kerckhoff kennt das Konzept gut, denn bis 2005 saß er in der Geschäftsleitung der Versandapotheke. In Deutschland sind Homecare-Angebote vor allem im Hilfsmittelbereich verbreitet; bekannte Anbieter sind Mediq oder GHD.

Bei Outpatient-Services arbeiten drei unabhängige Unternehmen zusammen: Die Schloss-Apotheke, der Homecare-Anbieter PubliCare mit Sitz in Köln und die telefonische Patientenbetreuung Vitartis aus Göttingen. Alle drei Unternehmen sind laut Kerckhoff schon lange erfolgreich am Markt: Vitartis hat demnach schon mit Bayer in der MS-Therapie und Pfizer im Bereich Rheuma/Psoriasis zusammengearbeitet. Die Schloss-Apotheke hat 2011 die Ärzte in Sachsen-Anhalt mit Grippeimpfstoffen versorgt und 2012 die Markteinführung des nasalen Grippeimpfstoffs Fluenz von AstraZeneca begleitet. Die PubliCare-Gruppe betreut mit ihren 350 Krankenschwestern bereits deutschlandweit Patienten.

Angesprochen werden Pharmaunternehmen, die erklärungsbedürftige Präparate vertreiben. „Jemand muss zum Patienten gehen und ihnen die Anwendung erläutern“, sagt Kerckhoff. Das mache in der Regel nicht der Arzt. Diese Lücke soll Outpatient-Services füllen.

Die Krankenkassen sind aus Kerckhoffs Sicht nicht bereit, für solche Leistungen zu zahlen. Es gebe – anders als in den Niederlanden oder England – keine gesetzlichen Grundlagen für Homecare-Dienstleistungen. Aus diesem Grund sieht er sein Angebot auch nicht als Modell für integrierte Versorgung.

Die Hersteller hätten aber ein Interesse, meint Kerckhoff: Denn die Arzneimittelakzeptanz fördere Absatz und Umsatz. Denn: „Je komplexer ein Produkt ist, desto größer sind die Schwierigkeiten beim Patienten.“ Outpatient-Services bietet beispielsweise Schulungen an: „Die Schwester kommt ins Haus und trainiert mit dem Patienten die Arzneimittelapplikation, bis er es beherrscht“, so Kerckhoff.

Das Spektrum reiche vom Asthma-Inhalator bis zu Infusionen. Je nach Präparat können die Hersteller verschiedene Leistungen bei Outpatient-Services einkaufen. Dazu gehören etwa Compliance-Coaches, ambulante Infusionstherapien, Begleitanrufe oder der Versand über die Schloss-Apotheke. Für jedes Therapiefeld kann so eine passende Dienstleistung entwickelt werden.

Da zahlreiche Akteure involviert sind, muss Kerckhoff an vielen Stellen überzeugen: die Hersteller, die die Zusatzleistungen bezahlen sollen, die Ärzte, die sie den Patienten empfehlen sollen, und schließlich auch die Patienten selbst – denn ohne deren Einwilligung geht nichts.

Anders als bei MediService ist bei Outpatient-Services nicht die Apotheke Dreh- und Angelpunkt. „Die Prozesse zwingend über die Versandapotheke laufen zu lassen, würde nicht funktionieren“, meint Kerckhoff. Schon allein, weil Deutschland ein viel größerer Markt als die Schweiz sei.

Eine Absatzgarantie für die Apotheke gibt es deshalb nicht. „Exklusivität gibt es nie, der Patient hat immer die Wahl“, so Kerckhoff. Jede Apotheke könne diese Dienstleistung anbieten – aber die Schloss-Apotheke sei bereits bundesweit tätig. Das ist aus Kerckhoffs Sicht ihr Vorteil, genauso wie die jahrelange Erfahrung in diesem Bereich.

Kerckhoff hatte bei MediService auch den Einstieg in den deutschen Markt sondiert und war sogar Gründungsmitglied und Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Versandapotheken (BVDVA). Später wechselte er zur Apothekenkooperation Avie. Mit Kollegen aus dieser Zeit arbeitet er noch heute zusammen: Thomas Reimringer, ehemals Geschäftsführer bei der Avie-Schwesterfirma Assist, leitet heute bei PubliCare den Bereich der pharmazeutischen Produkte und Ernährungslösungen.

2009 verließ Kerckhoff Avie und machte sich als Unternehmensberater mit KC Development selbstständig. Kunden sind neben Versandapotheken auch Lebensmitteleinzelhändler und Hersteller, die in das deutsche Gesundheitswesen einsteigen wollen.

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