Auflagen für Hersteller: „Cannabis ist keine biologische Waffe“

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Berlin - Medizinisches Cannabis kommt nicht aus einer Growbox im Wandschrank, so viel dürfte jedem klar sein. Doch die tatsächlichen Sicherheitsvorkehrungen, unter denen die vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ausgeschriebenen Pflanzen gezüchtet werden, erstaunen selbst Fachleute. Bei Aphria, einer der drei Firmen, die einen Zuschlag für den Anbau in Deutschland erhalten haben, konnten sich kürzlich die grüne Gesundheitspolitikerin Dr. Kirsten Kappert-Gonther und ihr Parteikollege Cem Özdemir einen Eindruck verschaffen – und zeigen sich erstaunt über Beschränkungen, die die Bundesregierung der deutschen Cannabisproduktion auferlegt.

Aphria hat gewissermaßen Unglück im Glück: Unter den drei Firmen, die einen Zuschlag vom BfArM erhalten haben – daneben auch Aurora und Demecan – ist sie die einzige, die Lose für alle drei ausgeschriebenen Sorten erhalten hat. Denn die Anbauscheine zu je 200 kg Cannabis sind gestaffelt: Neun stehen für Sorten mit einem THC-Gehalt von 18 bis 22 Prozent und einem CBD-Gehalt von unter 1 Prozent, drei Lose für 12 bis 16 Prozent THC und unter 1 Prozent CBD und zwei Lose stehen für eine Cannabissorte mit jeweils 5 bis 9 Prozent THC und CBD.

Damit kann Aphria ein größeres Portfolio als seine beiden Konkurrenten anbieten – muss aber auch höhere Auflagen erfüllen. Denn die Sorten müssen strikt getrennt werden, um eine Kreuzkontamination – also die versehentliche Bestäubung der Pflanzen untereinander – zu verhindern. Resultat sind drei sortenreine Anbaukammern und hermetisch voneinander abgeriegelte Produktionsstraßen mit gesonderter Belüftung und Luftschleusen zwischen den Kammern. Und drei Sorten decken noch nicht einmal alle Bedürfnisse ab. Kappert-Gonther, Sprecherin ihrer Partei für Gesundheitsförderung und Drogenpolitik, kritisiert die Zusammensetzung des öffentlichen Auftrags. „Die Bundesregierung hat es verpasst, Sorten mit einem hohen CBD-Anteil und einem sehr geringen THC-Anteil auszuschreiben. Dieser Fehler sollte korrigiert werden“, so die promovierte Psychotherapeutin. „Für die medizinische Anwendung von Cannabis spielt gerade das CBD eine wichtige Rolle.“

Dass das Thema CBD aufkam, nutzte unterdessen Astrid Staffeldt, um wiederum der Politik ins Gewissen zu reden. Staffeldt, Apothekeninhaberin aus Hannover und Gründungsvorstand des Verbands der Cannabis versorgenden Apotheken (VCA), war Teil der Delegation und vertrat die Perspektive der Pharmazeuten. Zu der gehört auch das „CBD-Dilemma“, wie sie es nennt: die rechtlich umstrittene Situation des Wirkstoffs. Eines der Probleme mit dem nicht berauschenden Bestandteil der Pflanze: CBD ist nicht als eigener Wirkstoff im SGB V festgeschrieben und somit nicht generell erstattungsfähig, sondern nur im Rahmen einer individuellen Kostenübernahme. „Dabei wäre es sehr einfach, CBD als Wirkstoff in den Gesetzestext zu übernehmen“, so Staffeldt. „Ich habe Frau Kappert-Gonther nahegelegt, dass ich hoffe, das wird noch nachgebessert.“

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