Für den Calciumantagonisten Diltiazem sind beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) Lieferengpässe gemeldet. Diese dauern voraussichtlich bis Mitte Januar 2027 an. Betroffen sind verschiedene Wirkstärken und Galeniken.
Beim BfArM liegen derzeit folgende Lieferengpassmeldungen vor:
In allen Fällen handelt es sich um Erstmeldungen.
„Der Lieferengpass bei Diltiazem ist auf laufende regulatorische Anpassungen beim Wirkstoff zurückzuführen“, teilt eine Ratiopharm-Sprecherin mit. „Nach aktuellem Stand gehen wir von einer Wiederverfügbarkeit Anfang 2027 aus.“
Bereits 2020 gab es bei Diltiazem Probleme. Aliud hatte Ditiazem-haltige Arzneimittel zurückgerufen. Ursache waren regulatorische Abweichungen bei der Herstellung der Wirkstoffchargen. Diese wurden erst nach dem Inverkehrbringen festgestellt.
Diltiazem ist ein Calciumantagonist. Calciumantagonisten werden in drei Gruppen unterteilt:
Zu den Vertretern der Dihydropyridine gehören unter anderem Amlodipin, Felodipin, Lercanidipin, Nifedipin und Nitrendipin. Die Arzneistoffe beeinflussen selektiv die Blutgefäße und haben auf die Erregungsleitung am Herzen und die Kontraktilität keinen Einfluss. Den Wirkstoffen werden gefäßerweiternde, blutdrucksenkende und antianginöse (gegen Angina pectoris wirksam) Eigenschaften zugesprochen. Die Substanzen senken die Nachlast und fördern die Sauerstoffversorgung des Herzmuskels.
… werden zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen, der koronaren Herzkrankheit und Bluthochdruck eingesetzt. Diese Vertreter der Calciumantagonisten senken den Blutdruck und verlangsamen den Herzschlag.
… werden zur Behandlung von Bluthochdruck, Angina pectoris oder Herzrhythmusstörungen sowie Vorhofflimmern angewendet.
Calcium spielt bei der Kontraktion des Herzens eine wichtige Rolle. Der Botenstoff führt zu einer Gefäßverengung und zu einem Blutdruckanstieg. Strömt Calcium in die Zellen des Herzmuskels ein, kommt es zur Kontraktion. Je schneller der Mineralstoff in die Zellen einströmt, desto schneller schlägt auch das Herz.
Wie der Name schon sagt, beeinflussen Calciumantagonisten den Einstrom von Calcium in die Zellen. Die Wirkstoffe blockieren den Calciumkanal und verhindern so den Calciumeinstrom. In der Folge bleiben die Arterien weitgestellt und der Blutdruck sinkt. Außerdem nimmt die Erregungsleitung ab.
Calciumkanalblocker werden auch zur Migräneprophylaxe eingesetzt. Als Vertreter der Wirkstoffklasse kommt Flunarizin zum Einsatz.
Zu den unerwünschten Arzneimittelwirkungen der Calciumantagonisten gehören Blutdruckabfall, Kopfschmerzen, Flush oder Herzklopfen.
Calciumantagonisten dürfen nicht bei Herzinsuffizienz oder nach einem akuten Herzinfarkt angewendet werden. Außerdem ist die Stoffgruppe bei Leber- und Nierenfunktionsstörungen nur eingeschränkt und nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt geeignet.
Ritonavir, Erythromycin und Clarithromycin können die Wirkung der Calciumantagonisten verstärken. Es kann also zu einem stärkeren Blutdruckabfall kommen. Werden die Arzneistoffe kombiniert, sollte der Blutdruck kontrolliert werden. Phenytoin oder Carbamazepin hingegen können zu einer Wirkminderung führen.
Patienten, die mit Simvastatin in Kombination mit Amlodipin, Verapamil oder Diltiazem behandelt werden, sollten täglich nur maximal 20 mg Simvastatin einnehmen. Der Grund ist ein erhöhtes Myopathierisiko.
APOTHEKE ADHOC Debatte