Noch vier Wochen bist zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt – stärkste Kraft ist nach neuesten Umfragen die AfD. Laut den Zahlen des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap kletterte die Partei auf einen Rekordwert von 41 Prozent der Stimmen, was noch einmal zwei Prozentpunkte mehr bedeutet als bei der letzten Umfrage im September. Ärztevertreter haben sich für die Zuwanderung von ausländischen Fachkräften ausgesprochen und sich damit gegen die Pläne der AfD gestellt. „In vielen Regionen des Landes – insbesondere auch im ländlichen Raum – wäre eine flächendeckende Versorgung ohne ausländische Kolleginnen und Kollegen nicht mehr sicherzustellen“, teilten die Ärztekammer und die Kassenärztliche Vereinigung mit.
Man nehme Aussagen, die sich gegen eine Tätigkeit ausländischer Fachkräfte richteten, „mit großer Sorge zur Kenntnis“, hieß es. Die medizinische Versorgung dürfe nicht durch restriktive oder abschreckende Maßnahmen gefährdet werden.
In ihrem Wahlprogramm hat die AfD angekündigt, eine aus ihrer Sicht herrschende „Willkommenspropaganda“ beenden zu wollen. „Die Anwerbung kulturfremder Fachkräfte zur Lösung von Engpässen auf dem Arbeitsmarkt führt zu unerwünschten Folgeproblemen“, heißt es dort. Die Menschen würden häufig kein ausreichendes Deutsch sprechen. „Ihre Ausbildung entspricht oftmals nicht den deutschen Standards. In Branchen wie dem Gesundheits- und Pflegesektor wird dadurch das Wohl der Patienten gefährdet.“
Die Ärztevertreter weisen darauf hin, dass die medizinische Versorgung in Sachsen-Anhalt schon jetzt in hohem Maße von qualifizierten Ärztinnen, Ärzten und anderen Gesundheitsfachkräften aus dem Ausland abhängt. Der Anteil ausländischer Ärztinnen und Ärzte liege bei 18,55 Prozent. „Sie tragen maßgeblich dazu bei, Praxen offenzuhalten, Klinikstandorte zu stabilisieren und Wartezeiten für Patientinnen und Patienten zu begrenzen.“
„Aussagen, die die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte pauschal infrage stellen oder erheblich einschränken wollen, stehen im klaren Widerspruch zur Realität der Versorgungssituation in Sachsen-Anhalt“, so die Ärztevertreter. Die Sicherstellung der Versorgung sei ohne internationale Fachkräfte nicht erfüllbar. Man spreche sich klar für ein Arbeitsumfeld aus, das qualifizierte Fachkräfte – unabhängig von Herkunft oder Nationalität – willkommen heiße. „Dazu gehören transparente Anerkennungsverfahren, integrationsfreundliche Rahmenbedingungen und ein gesellschaftliches Klima, das Respekt und Wertschätzung vermittelt.“
Auch in der Pflege würden ohne Zuwanderung große Lücken entstehen: Fast jede fünfte der zwei Millionen Pflegekräfte in Deutschland kommt inzwischen aus dem Ausland, so die Bundesagentur für Arbeit. Die Pflege ist seit längerer Zeit einer der Bereiche, in denen es in Deutschland noch Beschäftigungswachstum gibt. Dieses kommt jedoch fast ausschließlich über ausländische Kräfte zustande.
In den vergangenen zehn Jahren sei die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Pflegeberufen um 22 Prozent auf 1,76 Millionen gestiegen. Rund die Hälfte arbeitet in Teilzeit, der Frauenanteil ist mit 81 Prozent besonders hoch. Der Anteil von Ausländern liege inzwischen bei rund 20 Prozent – vor zehn Jahren war er bei 7 Prozent. Allein 9300 Männer und Frauen aus Syrien arbeiten in Deutschland in Pflegeberufen.
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