NEM für Erwachsende verabreicht

Wieder Vitamin-D-Vergiftung bei Säugling

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Berlin -

Erneut wurde im Juli eine schwere Vitamin-D-Vergiftung bei einem Säugling in Deutschland gemeldet. Grund hierfür war eine Fehlverabreichung eines hochdosierten Nahrungsergänzungsmittels (NEM) für Erwachsene, das über das Internet verkauft wurde. Dieses wurde anstelle der üblichen ärztlich empfohlenen Vitamin-D-Präparate für Säuglinge verwendet. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt.

Vitamin D reguliert den Calcium- und Phosphatstoffwechsel und fördert die Knochenstabilität und es trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. Doch eine zu hohe Aufnahme kann gesundheitliche Risiken mit sich bringen und zu einer Vergiftung (Hypervitaminose D) führen. Diese zeigt sich durch einen stark erhöhten Calciumspiegel im Blut (Hypercalcämie). Symptome hierfür können bei Säuglingen zum Beispiel Müdigkeit, Muskelschwäche, Erbrechen, Gewichtsverlust und Gedeihstörungen sein. Besteht eine Hypercalcämie über einen längeren Zeitraum, kann es zu gravierenden gesundheitlichen Auswirkungen kommen, insbesondere in Bezug auf die Nierenfunktion.

Säuglinge zählen zu den Risikogruppen für eine Unterversorgung, zum einen aufgrund des niedrigen Vitamin-D-Gehalts in Frauenmilch, aber auch, weil sie keiner direkten Sonnenbestrahlung ausgesetzt sein sollen, da sich ihr hauteigener Schutzmechanismus erst noch entwickeln muss. Daher wird in Deutschland für alle Säuglinge bis zum zweiten erlebten Frühsommer die tägliche Gabe von Vitamin-D-Präparaten in einer Tagesdosis von 400 bis 500 Internationale Einheiten (I. E.), entsprechend 10 bis 12,5 µg, empfohlen.

Schwerwiegende Symptome

In Deutschland wurden in den letzten Jahren mehrere Fälle von Vergiftungen bei Kindern und Erwachsenen berichtet. Bei Säuglingen wurden unter anderem folgende Symptome beschrieben: Trinkschwäche, Erbrechen, Schläfrigkeit, Muskelschwäche, Gewichtsverlust, Gedeihstörung, Verstopfung, vermehrte Urinausscheidung und Dehydration sowie Elektrolytentgleisung (Natrium erniedrigt, Calcium und Kalium erhöht). Bei einer über längere Zeit bestehenden Hypercalcämie kann es zu Nierensteinen und einer Nierenverkalkung bis hin zu einer gegebenenfalls irreversiblen Abnahme der Nierenfunktion kommen.

Für die in Deutschland standardmäßig ärztlich empfohlene Rachitisprophylaxe bei Säuglingen sollten nur Präparate verwendet werden, die Vitamin D in der empfohlenen Menge von 400 bis 500 I. E. beziehungsweise 10 bis 12,5 µg pro Tagesdosis enthalten. Präparate, die höher dosiert sind und/oder mit Verzehrempfehlungen zur wöchentlichen oder monatlichen Gabe versehen sind, bergen laut BfR ein erhöhtes Risiko für versehentliche Überdosierungen.

Vorsicht im Internet

Eltern und Erziehungsberechtigte sollten beim Kauf von Vitamin-D-Präparaten für Säuglinge – vor allem beim Erwerb aus dem Internet – darauf achten, dass diese für Säuglinge zur Rachitisprophylaxe geeignet sind. Die für Säuglinge ärztlich empfohlene Tagesdosis und die Gebrauchsinformation der Produkte sollten unbedingt befolgt werden, um eine Fehl- beziehungsweise Überdosierung zu vermeiden. Insbesondere sollten keine hochkonzentrierten flüssigen Präparate verwendet werden, da es hierbei schnell zu versehentlichen Überdosierungen kommen kann. Im Zweifel sollte kinderärztlicher Rat eingeholt werden.

Ende des Jahres 2021 wurde dem BfR erstmals ein ähnlicher Fall gemeldet. Damals musste ein sieben Monate alter Säugling auf der Intensivstation behandelt werden, nachdem ihm seine Eltern etwa fünf Monate lang ein hochkonzentriertes Vitamin-D-haltiges Nahrungsergänzungsmittel in Tropfenform gegeben hatten. Anstelle der ursprünglichen ärztlich verordneten Vitamin-D-Prophylaxe mit 500 I.E. pro Tag (12,5 µg/d) hatte der Säugling täglich etwa 40.000 I.E. erhalten, entsprechend 1000 µg. Die Konzentration von 25-Hydroxycholecalciferol im Serum war mit über 600 µg/l extrem erhöht, der Referenzbereich liegt bei 20 bis 70 µg/l. Parathormon (intakt) war dagegen mit 4,4 ng/l deutlich supprimiert (Referenz 15 bis 65 ng/l). Daher stellten die Ärzte die Diagnose einer ausgeprägten chronischen Vitamin-D-Intoxikation mit Hypercalcämie und Nephrocalcinose.

Im März wies das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf den Tod eines Säuglings im zeitlichen Zusammenhang mit der Anwendung eines Vitamin-D-Arzneimittels zur Rachitis- und Kariesprophylaxe hin. Allerdings ging es hier um den Verdacht einer Fremdkörperaspiration im Kontext einer nicht aufgelösten Tablette.

Sonne reicht oft

Vitamin D wird beim Menschen vor allem unter dem Einfluss von Sonnenlicht in der Haut gebildet. Das Vitamin ist an zahlreichen Stoffwechselvorgängen im Körper beteiligt. Hierzu zählen unter anderem die Regulierung des Calcium- und Phosphatstoffwechsels, die Förderung der Knochendichte sowie die Unterstützung der normalen Funktion des Immunsystems.

Unabhängig von den speziellen Empfehlungen zur Vitamin-D-Supplementierung bei Säuglingen gilt daher für ältere Kinder und Erwachsene: Bei ausreichendem Aufenthalt im Freien und genügender Sonnenbestrahlung der Haut sowie ausgewogener Ernährung kann eine gute Versorgung ohne die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten erreicht werden. Jugendliche und Erwachsene, die Vitamin D über Nahrungsergänzungsmittel ergänzen möchten, sollten auf Produkte mit bis zu etwa 20 μg Vitamin D (800 I. E.) pro Tag zurückgreifen, da diese Dosis auch bei einer langfristigen Einnahme und unter Berücksichtigung weiterer Vitamin D-Quellen (zum Beispiel angereicherte Lebensmittel) nicht mit gesundheitlich bedenklichen Effekten verbunden ist.

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