Apotheker Jens Landwehr hat genug. Der Inhaber der Rathaus-Apotheke in Bayreuth kritisiert die erhöhte Zuzahlung scharf. Alle zusätzlichen Dienstleistungen in der Vor-Ort-Apotheke könnten den Verlust nicht ausgleichen, den die Abwanderung der Kundschaft zu ausländischen Versandkonzernen erzeugt. „Man will uns gemütlich in den Tod streicheln“, sagt er.
Landwehr betreibt gemeinsam mit seiner Frau Dr. Simone Landwehr sechs Apotheken in Bayreuth. Er räumt ein, dass im deutschen Gesundheitssystem Sparbedarf herrsche. „Aber weiß das Bundesgesundheitsministerium, was es den Apotheken gerade antut?“ Natürlich müsse gespart werden, aber die vorhandenen Institutionen wie Apotheken und Arztpraxen auszuquetschen, obwohl diese noch funktionierten, sei nicht die Lösung. Stattdessen sollte auf andere Bereiche wie Biosimilars geschaut werden, die im Ausland viel günstiger seien.
Gerade die erhöhte Zuzahlung wird den Apotheken zu schaffen machen, warnt er. „Wir können gar nicht so viel impfen und Blut abzapfen, dass der Verlust der Abwanderung der Menschen ins Internet ausgeglichen werden kann. Das von den Kassen applaudierend geduldete Erlassen der Zuzahlung durch die ausländischen Versender wird uns töten.“
Zudem würden die Heilberufler mit den neuen Telemedizinangeboten oder dem Impfen noch gegenseitig ausgespielt. „Dieses Gewäsch, dass Apotheken in Zukunft Gesundheitszentren sind und zentrale Anlaufstelle für alle Wehwehchen, weil wir ja Blut abnehmen und impfen dürfen, soll uns wohl gemütlich in den Tod streicheln.“
Die Belastung für die Patientinnen und Patienten sei zu groß: „Man kann keinem chronisch kranken Menschen zumuten, ab Januar bis zu 15 Euro für ein Medikament in einer deutschen Apotheke zu zahlen, wenn die ausländischen Versender diese Zuzahlung illegalerweise erlassen. Ja, es ist illegal, aber die Krankenkassen dulden es und aktuell habe ich den Eindruck, dass auch unsere Verbände und das BMG unseren Tod aussitzen.“
Es müsse jetzt etwas passieren. „Ich habe kein Problem mit Online-Apotheken, solange die gleichen Gesetze und Regeln auch für diese gelten. Ich möchte gerne als guter Apotheker mit unseren guten Apotheken weiter für die Bayreuther Bevölkerung da sein. Unter diesen Rahmenbedingungen wird das aber nicht passieren und das macht mich sehr traurig“, sagt er.
Vor einem Jahr sah die Situation noch anders aus. Damals hätten die Schließungen in der Region die Verluste durch die Online-Konkurrenz etwas ausgeglichen. In Oberfranken schlossen in den vergangenen Jahren weit mehr Betriebe als im Landesdurchschnitt. Doch bereits damals sei absehbar gewesen, dass dies nur eine Entwicklung von kurzer Dauer sein würde. „Man muss schauen, wie lange es noch Spaß macht“, hatte seine Frau damals noch gesagt.