Nachdem die Apotheken lange für eine Honorarerhöhung gekämpft haben, kam diese nun endlich in diesem Jahr. Doch im vergangenen Jahr drückten die ungewissen Aussichten die Apothekengründungen und Übernahmepreise. Das zeigen die Zahlen der Apotheker- und Ärztebank (Apobank).
Laut Analyse seien die Kaufpreise für Apotheken im Schnitt um etwa ein Fünftel und damit spürbar gesunken. Unter den Neu-Inhaber:innen wurden 2025 durchschnittlich 461.000 Euro für eine Apotheke gezahlt – der niedrigste Wert seit vielen Jahren. 2024 lag er noch bei 584.000 Euro.
Als Gesamtinvestition, einschließlich Übernahmepreis, Warenlager, Investitionen und Betriebsmitteln, fielen bei den Existenzgründer:innen durchschnittlich 673.000 Euro an.
Zudem verweist die Apobank auf die erhebliche Spanne der Kaufpreise: „Während jede achte Apotheke für höchstens 50.000 Euro den Eigentümer wechselte, zahlte jeder zehnte Existenzgründer eine Million Euro oder mehr“, so die Analyse.
Ebenso beachtlich sei der Rückgang des Frauenanteils: Obwohl 82 Prozent der angestellten Approbierten in öffentlichen Apotheken Frauen sind, war die Selbstständigkeit 2025 recht unattraktiv: Der Frauenanteil unter den Existenzgründenden sank auf 41 Prozent. 2024 waren es noch 48 Prozent, 2019 sogar 59 Prozent.
„Aus den Gesprächen mit unseren Kundinnen und Kunden wissen wir, dass die wirtschaftlichen und gesundheitspolitischen Unsicherheiten der vergangenen Jahre die Gründungsbereitschaft deutlich belastet haben“, so Nicole Wortmann, Leiterin des Bereichs Gesundheitsmarkt bei der Apobank.
„Nach unserer Beobachtung sind Frauen häufig vorsichtiger, wenn es um den Schritt in die Selbstständigkeit geht. Entsprechend waren durch fehlende Planungssicherheit und die Ungewissheit über die wirtschaftliche Zukunft vor allem Apothekerinnen zurückhaltender bei der Existenzgründung“, so die Expertin.
Nahezu ausschließlich wurden Existenzen über den Kauf eines bestehenden Betriebs gegründet: In 61 Prozent der Fälle wurde 2025 eine bestehende Apotheke übernommen; 31 Prozent kauften eine Apotheke als Filiale. Komplette Neugründungen blieben mit 2 Prozent die absolute Ausnahme.
Jede fünfte übernommene Apotheke ging in einen Verbund über. „Vier von fünf dieser Verbundübernahmen bestehen aus zwei Apotheken – dafür wurde ein durchschnittlicher Kaufpreis von knapp 1,1 Millionen Euro gezahlt. Einschließlich Warenlager, Investitionen und Betriebsmitteln lag die Gesamtsumme bei gut 1,4 Millionen Euro“, schreibt die Apobank. Auch hier seien die Frauen zurückhaltender gewesen und Verbünde bestehend aus drei Apotheken, wurden ausschließlich von Männern übernommen.
„Nach Jahren wirtschaftlicher und gesundheitspolitischer Unsicherheit gibt es allerdings Anlass für Zuversicht, denn die jüngsten Reformen haben das Potenzial, die wirtschaftlichen Perspektiven von Apotheken zu verbessern“, resümiert Wortmann. „Erstmals seit langer Zeit sehen wir wieder ein Umfeld, das von mehr Planungssicherheit und einer spürbar positiveren Grundstimmung geprägt ist. Die politischen Signale der vergangenen Monate zeigen, dass die Bedeutung der Vor-Ort-Apotheken für die Gesundheitsversorgung wieder stärker in den Fokus rückt. Das sorgt für neue unternehmerische Perspektiven und positive Impulse für zukünftige Existenzgründungen.“
Die Apobank-Analyse basiert auf einer Stichprobe von etwa 340 Apothekengründungen, die die Apobank begleitet hat.
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