Deutsche Herzstiftung

Statine oder Omega-3: Was wirkt besser?

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Berlin -

Statine sind Mittel der Wahl bei erhöhten Cholesterinwerten. Doch aufgrund von Nebenwirkungen wie beispielsweise Muskelschmerzen wollen Patient:innen mitunter keine Statine einnehmen und suchen Alternativen. Neben Haferkuren und rotem Reis wird auf Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren gesetzt. Ob die Nahrungsergänzungsmittel genauso wirksam wie Statine sind, beantwortet die Deutsche Herzstiftung. 

Anlass für die Einordnung der Deutschen Herzstiftung war eine Sprechstundenfrage von einem Patienten, der aufgrund erhöhter LDL-Werte mit der Kombination Atorvastatin/Ezetimib behandelt werden sollte. Aufgrund von Schmerzen der Oberschenkelmuskulatur und Informationen, dass Statine das Risiko für Demenz und Diabetes erhöhen können, hoffte der Betroffene auf die Einnahme verzichten zu können und stattdessen auf Präparate mit Omega-3- und 6-Fettsäuren ausweichen zu können.

Mythen und Fakten

Statine können in seltenen Fällen Muskelschmerzen verursachen. So weit, so bekannt. Allerdings zeigen aktuelle Studien, dass Statine in neun von zehn berichteten Fällen nicht die Ursache für die Beschwerden sind. Zudem sind viele Nebenwirkungen nicht belegt.

Zudem räumen die Expert:innen mit dem Mythos der Demenz durch Statine auf. In einer aktuellen Studie konnte erneut bestätigt werden, dass die Einnahme von Statinen nicht mit einem kognitiven Abbau oder einer späteren Demenz verbunden ist. Im Gegenteil: Die Cholesterinsenkung mit Statinen halte die Gefäße gesund.

Entzündungshemmung

Statine besitzen entzündungshemmende Eigenschaften. Die Wirkstoffe hemmen die HMG-CoA-Reduktase, ein Enzym, das als Zwischenprodukt bei der Cholesterinneusynthese eine Rolle spielt. Die Arzneistoffe unterdrücken die Cholesterinbildung, was mit einer verstärkten Aufnahme aus dem Blutplasma kompensiert wird. Der Low-densitity-Lipoprotein-(LDL)-Cholesterinspiegel im Blut sinkt. LDL ist hauptverantwortlich für den Großteil der cholesterinbedingten Schädigungen. Doch Statine senken nicht nur das Cholesterin im Blut, sondern reduzieren auch chronische Entzündungsaktivitäten in den Arterien. „Unter Statintherapie sinken zum Beispiel oft die Entzündungswerte im Blut (CRP-Wert). Zudem wurde nachgewiesen, dass Statine die entzündungsfördernde Wirkung bestimmter Proteine verringern“, so die Deutsche Herzstiftung. Damit leisten Statine Beitrag zum Schutz vor Herzinfarkt und Schlaganfall.

Omega 3 und 6: belastbare Studien fehlen

Omega-3-Fettsäuren sind mehrfach ungesättigte Fettsäuren und essenziell. Sie wichtig für Herz, Gehirn, Augen und entzündungshemmende Prozesse im Körper, so die Deutsche Herzstiftung. „Eine wirklich belastbare Studie, die einen entzündungshemmenden Effekt und Nutzen für Herz und Gefäße belegt, gibt es derzeit nicht.“ Aus Beobachtungsstudien gebe es zwar Hinweise, dass Menschen, die regelmäßig omega-3-reiche Lebensmittel essen, seltener Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. Das könne aber auch auf eine insgesamt gesunde Ernährungsweise zurückgeführt werden.

Während Omega-3-Fettsäuren in fettem Fisch (Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA)) oder in Lein- und Rapsöl (Alpha-Linolensäure (ALA)) enthalten ist, sind Omega-6-Fettsäuren in Sonnenblumen- oder Maiskeimöl (Linolsäure) enthalten. Doch die Öle sollten nur in Maßen konsumiert werden, denn Omega-6-Fettsäuren können laut Deutscher Herzstiftung im Überschuss proentzündliche Signalstoffe produzieren.

Supplemente: Einnahme kritisch

„Die Einnahme von Supplementen mit Omega-3-Fettsäuren (ebenso Omega-6-Fettsäuren) ist hingegen kritisch zu sehen“, so die Deutsche Herzstiftung. „Der häufig in der Werbung propagierte Schutz vor Herzinfarkt und Schlaganfall ist wissenschaftlich nicht belegt, die Wirkung auf LDL-Cholesterin ist marginal.“ In einer Studie konnte gezeigt werden, dass mit Fischöl-Kapseln mit Omega-3-Fettsäuren der LDL-Wert nur um etwas mehr als 3 Prozent reduziert werden konnte. Dabei wurde der cholesterinsenkende Effekt von sechs Nahrungsergänzungsmitteln untersucht. Zum Vergleich: Mit 5 mg Rosuvastatin kann eine Absenkung um fast 38 Prozent erreicht werden.

Das Fazit

„Bei den Statinen handelt es sich um zugelassene Arzneimittel, für die es viele gut geprüfte Daten gibt – auch zu den Effekten je nach Dosierung. Bei Präparaten mit den genannten Fettsäuren handelt es sich um Nahrungsergänzungsmittel, für die es keine entsprechenden Daten gibt und die daher nicht zu empfehlen sind. Und gerade bei im Internet beworbenen Produkten ist doppelt Vorsicht angeraten, weil Qualität und Zusammensetzung oft nicht nachprüfbar sind.“

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