Ursachen, Therapie, Prävention

Cluster-Kopfschmerz: Glühendes Messer im Auge

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Berlin -

Der Cluster-Kopfschmerz wird wegen seiner vernichtenden Intensität auch als „Suizid-Kopfschmerz“ bezeichnet. Allein in Deutschland sind rund 120.000 Menschen von dieser neurologischen Erkrankung betroffen und die Zahl der Diagnosen steigt seit Jahren an. Ein Überblick zu Symptomen, Therapie und Prävention.

Die genauen Ursachen für Cluster-Kopfschmerzen sind noch nicht abschließend geklärt, aber die neurobiologische Forschung zeigt eine Fehlfunktion in bestimmten Hirnarealen. Dass die Attacken oftmals exakt zu den gleichen Uhr- oder Jahreszeiten auftreten, deutet auf eine Funktionsstörung des Hypothalamus hin. Dieser steuert die innere Uhr.

Während einer Attacke kommt es zu einer Aktivierung des Nervus trigeminus – dem Gesichtsnerv – in Kombination mit dem parasympathischen Nervensystem. Dies erklärt die typischen autonomen Begleitsymptome.

Eine familiäre Häufung ist selten, aber vorhanden. Bekannte Trigger, die während einer Cluster-Periode eine Attacke auslösen können, sind Alkohol, Flackerlicht, Histamin oder auch starke Gerüche.

Symptome bei Cluster-Kopfschmerz

Ein Cluster-Kopfschmerz tritt streng einseitig auf. Zudem bleibt der Schmerz während einer Periode fast immer auf derselben Seite. Meist ist der Bereich von Auge, Schläfe oder Stirn betroffen.

Schmerzcharakteristik:

  • unerträglich bohrend, reißend, brennend, als würde ein glühendes Messer ins Auge stechen
  • Attacken dauern ohne Behandlung zwischen 15 und 180 Minuten
  • Frequenz: einmal jeden zweiten Tag bis zu achtmal täglich
  • extreme motorische Unruhe, Vor- und Zurückwippen, Umherlaufen

Begleitsymptome:

  • Rötung und Tränen des Auges
  • Verengung der Pupille und Herabhängen des Augenlids
  • verstopfte oder laufende Nase
  • Schwitzen im Gesichtsbereich

Behandlung und Prävention

Schmerzmittel wie Ibuprofen, Aspirin oder Paracetamol sind bei Cluster-Kopfschmerzen völlig wirkungslos, da die Wirkstoffe viel zu langsam im Blut fluten. Deshalb teilt sich die Therapie in Akutbehandlung und Prophylaxe.

Bei einer Attacke:

  • Über eine Hochkonzentrationsmaske wird für etwa 15 Minuten Sauerstoff eingeatmet. Dies ist hochwirksam und hat kaum Nebenwirkungen.
  • Triptane wie Sumatriptan können subkutan als Autoinjektor eingesetzt werden. Auch die Gabe von Zolmitriptan als Nasenspray hat sich bewährt. Beide Wirkstoffe verengen die erweiterten Blutgefäße im Gehirn.

Als Prophylaxe:

  • Um die Frequenz und Schwere der Attacken während einer Episode zu senken, ist das Mittel der ersten Wahl Verapamil. Die Dosis des Calciumantagonisten muss unter EKG-Kontrolle langsam gesteigert werden.
  • Als Kurzzeitüberbrückung kann Kortison in hoher Dosis über wenige Tage eingesetzt werden, um die Zeit zu überbrücken, bis Verapamil wirkt.
  • Zudem sind monoklonale Antikörper wie Galcanezumab für die Behandlung von episodischem Cluster-Kopfschmerz zugelassen.

Wann zum Arzt?

Wichtige Grundregel vorab: Bei echten Cluster-Kopfschmerzen ist eine Selbstmedikation mit frei verkäuflichen Medikamenten absolut zwecklos und aufgrund von Organschäden durch Überdosierung sogar gefährlich.

Die Selbstmedikation ist in diesem Fall ausschließlich leichten bis mittelschweren Spannungskopfschmerzen oder bekannten, leichten Migräneattacken vorbehalten, sofern diese selten auftreten. Bei echtem Cluster-Kopfschmerz ist die Anwendung von Ibuprofen, Paracetamol & Co. nicht indiziert.

Deshalb: Jeder neu auftretende, extrem heftige Kopfschmerz muss neurologisch – meist mittels MRT – abgeklärt werden, um schwerwiegende sekundäre Ursachen auszuschließen. Sobald die typischen Symptome auftreten, ist ein Neurologe oder Schmerztherapeut aufzusuchen, um die passenden verschreibungspflichtigen Medikamente zu erhalten.

Red Flags

Ein schlagartig einsetzender Schmerz, der sogenannte „Donnerschlagkopfschmerz“, muss sofort ärztlich untersucht werden. Auch wenn der Kopfschmerz von Fieber, Nackensteifigkeit oder Verwirrtheit begleitet wird. Zudem sollten neurologische Ausfälle wie Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen immer abgeklärt werden.

Unterschiede zu anderen Kopfschmerzarten

Zur Abgrenzung des Cluster-Kopfschmerzes von den beiden anderen häufigsten primären Kopfschmerzformen dienen folgende klinische Merkmale:

Migräne

  • meist einseitig, kann aber von Attacke zu Attacke, oder währenddessen die Seite wechseln
  • pulsierend, pochend oder klopfend; verstärkt sich typischerweise bei normaler körperlicher Aktivität
  • Eine Attacke hält deutlich länger an, meist zwischen vier und 72 Stunden.
  • häufig begleitet von ausgeprägter Übelkeit, Erbrechen sowie extremer Licht- und Lärmempfindlichkeit
  • Attacke kann mit einer „Aura“ (Sehstörungen wie Blitze oder Gesichtsfeldausfälle) beginnen.
  • Betroffene suchen Ruhe und Dunkelheit.

Spannungskopfschmerz

  • beidseitig, diffus über den ganzen Kopf verteilt
  • drückend, dumpf, ziehend; verringert sich oft durch Bewegung an der frischen Luft
  • Dauer und Frequenz sehr variabel, von 30 Minuten bis hin zu mehreren Tagen
  • keine typischen autonomen Begleitsymptome
  • Alltag und normale Aktivitäten können trotz der Schmerzen meist – wenn auch eingeschränkt – fortgeführt werden.

Wie Apothekenteams typische Warnzeichen im HV-Gespräch richtig einordnen und bei welchen Red Flags sofort der Notarzt eingeschaltet werden muss, wird im APOTHEKE ADHOC Webinar „Clusterkopfschmerz: Symptome und Gender Pain Gap“ am 19. August um 20 Uhr powered by Apotheken Umschau thematisiert.

 

Cluster-Kopfschmerzen – dieses und weitere Themen finden Sie in der neu erscheinenden Ausgabe der Apotheken Umschau. Für weitere Beiträge besuchen Sie gern die APOTHEKE ADHOC-Rubrik „Apotheken Umschau“.

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