Longevity liegt im Trend. Mit dem Begriff fühlt sich die Berliner Apothekerin Antje Behrendt nicht so richtig wohl. Sie sieht sich selbst eher als Präventions-Apothekerin. Beruflich und privat beschäftigt sich die Ernährungsberaterin seit vielen Jahren damit, wie man möglichst gesund und leistungsfähig bis ins hohe Alter leben kann. „Dabei geht es nicht darum, sehr alt zu werden“, sagt sie.
Behrendt ist seit 20 Jahren für die MediosApotheke in Berlin tätig. Das Thema Prävention spiele in Apotheken schon immer eine Rolle – mit dem Begriff Longevity, der seit einigen Jahren vor allem durch Social Media gehypt wird – nahm das Thema Prävention neue Fahrt auf. „Für uns in der Apotheke ist es ein wichtiges Feld, in dem wir uns aufstellen“, sagt sie. „In der Apotheke haben wir die Strukturen, die Kompetenz und die niederschwellige Erreichbarkeit.“
Die Präventionsmedizin gebe es schon sehr lange, noch bevor Longevity als Begriff in den sozialen Medien aufgetaucht sei, sagt sie. Der Trend bringe Herausforderungen mit sich, etwa vermeintlich hilfreiche Therapien, die nicht evidenzbasiert seien. Zudem gebe es Influencerinnen oder Influencer, die mit generellen Aussagen Patientinnen oder Patienten beeinflussten. „Wir können individuell und personalisiert prüfen, jeder Mensch ist unterschiedlich.“
Die Werkzeuge sind dabei vielfältig. Apotheken können etwa POC-Diagnostik, Gentests oder Kapillarblut-Analysen anbieten. „Dabei handelt es sich um Selbstzahlerleistungen. Wir können es uns in der Apotheke nicht leisten, jemanden ohne Vergütung eine halbe oder eine volle Stunde zu beraten und nur Blutdruckmessen abzurechnen.“ Behrendt hofft, dass die Leistungen perspektivisch von der Kasse anerkannt werden und irgendwann abrechenbar sind.
Behrendt ist in Berlin auch in einem Präventionszentrum tätig. Enea Health habe sich aus dem Präventionsschwerpunkt der MediosApotheke als ein eigenständiges Unternehmen entwickelt, das nun in eigenen Räumlichkeiten agiere. Dort werden auch Body Composition Analysis (BIA) angeboten. „Die Messung der Körperzusammensetzung ist sehr hilfreich im Bereich Langlebigkeit, aber auch für GLP-1-Patientinnen und -Patienten. Man kann analysieren, ob Fett- oder Muskelmasse abgebaut wird. Da macht es richtig Spaß, die Menschen zu betreuen.“
Bei einem Patienten sei etwa aufgefallen, dass die Zwei-Kilogramm-Abnahme nur Muskelmasse betroffen habe. Durch eine Anpassung der Ernährung mit entsprechender Beratung konnte dieser aufgefangen werden. „Wir haben am Tag etwa zehn Messungen.“ Ohne Beratung werden dafür 35 Euro fällig. Komme die Beratung dazu, lohne es sich wirtschaftlich. Die Menschen kämen über Mundpropaganda auf Empfehlung.
Apotheken, die sich in diesem Bereich spezialisieren wollen, rät Behrendt Schritt für Schritt zu beginnen. „Man kann Leistung für Leistung erhöhen“, empfiehlt sie. Sinnvoll sei das Angebot von Aktionswochen zu einem Thema wie Vitamin-D-Messungen. „Wir haben so gut wie nie jemanden, der eine gute Versorgung hat.“ Wichtig sei, dann die entsprechenden Produkte zur direkten Abgabe vorrätig zu haben. „Ich erkläre auch, wie der Nahrungsergänzungsmittelmarkt funktioniert. Selten wird etwas später online bestellt.“
Das Thema Influencer sei bei der Beratung der Kundschaft eher nebensächlich. „So direkt kommt das nicht vor, wenn doch, versuche ich die Luft rauszunehmen, ohne jemanden schlecht zu machen.“ Die Apothekerin verweist auf Studien und wie diese interpretiert werden müssten. „Für Laien ist es schwierig, die Datenlage einzuordnen. Wichtig ist, dass weder Online-Apotheken noch Künstliche Intelligenz diese Messungen anbieten oder einordnen können.“ Mit Prävention oder Longevity könne sich die Apotheke ihr Alleinstellungsmerkmal sichern.
Longevity – eines der Themen der aktuellen Apotheken Umschau.