GLP-1-Signalweg

Inkretinmimetika: Schutz vor Metastasen?

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Berlin -

Bei Patientinnen und Patienten mit Diabetes liegt das Risiko, an bestimmten Krebsarten zu erkranken, ein- bis zweimal höher als bei Menschen ohne Diabetes. Hohe Insulin- und Blutzuckerwerte sowie chronische Entzündungen begünstigen ein Milieu, in dem Krebs entstehen kann. Doch möglicherweise spielt auch der Signalweg rund um GLP-1 (Glucagon-like Peptide-1) eine Rolle. Jedenfalls ist das Risiko für Metastasierung unter Behandlung mit GLP-1-Rezeptoragonisten reduziert. Das berichteten Forschende auf dem Kongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago.

Beim ASCO 2026 wurden Daten vorgestellt, nach denen die Anwendung von GLP-1-Rezeptoragonisten das Fortschreiten beziehungsweise die Metastasierung bei bestimmten mit Adipositas assoziierten Krebsarten, insbesondere Lungen-, Brust-, Darm- und Leberkrebs, verringern könnte. Darüber hinaus korrelierte die Expression des GLP-1-Rezeptors (GLP-1R) mit dem Gesamtüberleben, was laut den Forschenden darauf hindeutet, dass die GLP-1-Signalübertragung am Fortschreiten dieser Krebsarten beteiligt sein könnte.

Die Studie verglich anhand von Daten aus der klinischen Praxis die Wirkung von GLP-1-Rezeptoragonisten und DPP-4-Hemmern (Gliptinen) auf das Fortschreiten von sieben mit Adipositas assoziierten Krebsarten: Brustkrebs, Prostatakrebs, nicht-kleinzelligem Lungenkrebs, Darmkrebs, Leberzellkarzinom, Nierenzellkarzinom und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Ziel der Forscher war es, herauszufinden, ob Patienten, die GLP-1-Rezeptoragonisten einnahmen, seltener metastasierten als Patienten, die Gliptine einnahmen.

Grundlage bildeten die Daten von rund 12.000 Personen aus der TriNetX-Datenbank, die an einer dieser sieben Krebsarten im Stadium I, II oder III erkrankt waren. Die Hälfte hatte nach ihrer Krebsdiagnose mit der Einnahme eines GLP-1-Medikaments (Liraglutid, Pramlintid, Dulaglutid, Tirzepatid, Lixisenatid oder Semaglutid) begonnen, die andere Hälfte mit der Einnahme eines Gliptins. Die Studie verglich die Anzahl der Personen in beiden Gruppen, bei denen der Krebs in Stadium IV fortschritt.

Bei vier der sieben untersuchten Krebsarten – Lungen-, Brust-, Darm- und Leberkrebs – war das Risiko für Patienten, an Krebs im Stadium IV zu erkranken, bei Patienten, die GLP-1-Rezeptoragonisten einnahmen, um 38 bis 50 Prozent geringer als bei Patienten, die Gliptine einnahmen. Bei diesen vier Krebsarten traten Metastasen in der GLP-1-Gruppe seltener auf als in der Gliptin-Gruppe:

  • Lungenkrebs: 10 vs. 22 Prozent
  • Brustkrebs: 10 vs. 20 Prozent
  • Darmkrebs: 13 vs. 22 Prozent
  • Leberkrebs: 19 vs. 28 Prozent

Bei drei weiteren Krebsarten – Prostata-, Bauchspeicheldrüsen- und Nierenkrebs – traten in der GLP-1-Gruppe zwar weniger Metastasen auf als in der Gliptin-Gruppe, die Unterschiede waren jedoch statistisch nicht signifikant.

Nebenwirkungen traten in beiden Gruppen ähnlich häufig auf. Magen- oder Pankreasentzündungen waren in der GLP-1-Gruppe nicht häufiger als in der Gliptin-Gruppe, obwohl diese Erkrankungen sowohl mit der Anwendung von GLP-1-Rezeptoragonisten als auch mit Krebs in Verbindung gebracht werden.

 

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GLP-1-Signalweg

Die Forschenden wollten außerdem herausfinden, ob das GLP-1-System selbst eine Rolle für das Verhalten dieser Krebsarten spielt. Frühere Studien zeigen, dass die GLP-1R-Expression auf Tumorzellen bei einigen Krebsarten mit einem besseren Gesamtüberleben, bei anderen jedoch mit einem schlechteren Überleben einhergeht. Um diese Frage zu beantworten, analysierten sie Daten des Cancer Genome Atlas und verglichen die GLP-1R-Expression im Tumor mit dem Gesamtüberleben für die sieben untersuchten Krebsarten.

Insgesamt war eine hohe GLP-1R-Expression im Tumor mit einem um 33 Prozent geringeren Sterberisiko im Vergleich zu einer niedrigen Expression assoziiert. Dies galt insbesondere für Brustkrebs, bei dem das Risiko um 45 Prozent reduziert wurde. Der Zusammenhang zwischen hohen GLP-1R-Werten und einem besseren Überleben deutet darauf hin, dass GLP-1 bei diesen Krebsarten protektiv wirken könnte, was wiederum nahelegt, dass GLP-1-Medikamente einen protektiven Effekt haben könnten.

„Unsere Studie ergab, dass die Anwendung von GLP-1-Medikamenten im Vergleich zu DPP-4-Hemmern und anderen Antidiabetika mit einer signifikanten Reduktion des Krebsfortschritts bei vier verschiedenen soliden Tumorarten einherging. Dies liefert erste Hinweise darauf, dass weitere Studien sinnvoll sind“, so Studienleiter Dr. Mark David Orland vom Taussig Cancer Institute.

GLP-1-Rezeptoragonisten und DPP-4-Hemmer behandeln Diabetes, indem sie den Stoffwechsel regulieren, unter anderem durch die Anregung der Insulinausschüttung und die Kontrolle des Blutzuckerspiegels. GLP-1-Rezeptoragonisten sind jedoch wirksamer. Sie haben zudem stärkere entzündungshemmende Wirkungen als Gliptine.

Studien deuten darauf hin, dass GLP-1-Rezeptoragonisten die Entstehung bestimmter Krebsarten, insbesondere Darmkrebs und anderer mit Adipositas assoziierter Krebsarten, verhindern können. Obwohl die Anwendung von GLP-1-Rezeptoragonisten immer häufiger wird und viele Menschen mit Diabetes auch an Krebs erkranken, ist wenig über die Auswirkungen dieser Medikamente auf Krebs bekannt. Einige Studien zeigen, dass sie das Krebsrisiko senken könnten.

 

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