Plötzliches Herzrasen, das Gefühl, die Brust zerspringe, gepaart mit einem stotternden Puls: Ein erster Anfall von Vorhofflimmern löst bei Betroffenen nicht selten akute Todesangst aus. Zwar ist die einzelne Attacke in diesem Moment meist nicht unmittelbar lebensbedrohlich, doch das subjektive Empfinden der Patientinnen und Patienten ist dramatisch.
Dabei ist das Krankheitsbild längst eine Volkskrankheit: Etwa ein Drittel aller Menschen in Deutschland erhält im Laufe des Lebens die Diagnose Vorhofflimmern. Die eigentliche Tücke liegt jedoch in den Langzeitfolgen. Mit der Diagnose steigt das Risiko für einen ischämischen Schlaganfall (Apoplex) um das Vier- bis Fünffache. Etwa 25 bis 30 Prozent aller Schlaganfälle haben ihre Ursache direkt im Vorhofflimmern.
Während die eine Gruppe unter dem klassischen Herzflattern leidet, merkt ein weiteres Drittel der Betroffenen schlichtweg gar nichts vom unruhig schlagenden Herzen. Anfallartige Episoden verlaufen bei ihnen ohne spürbares Herzrasen. Stattdessen klagen sie über:
Für das Apothekenpersonal gilt hier: Wenn Kundinnen und Kunden über unklare Leistungseinbußen, schnelle Ermüdung oder Schwindel klagen, sollte diffuses Vorhofflimmern als mögliche Ursache im Hinterkopf behalten und ein Arztbesuch nahegelegt werden.
In der modernen Diagnostik und Verlaufskontrolle spielen Wearables und Smartwatches eine immer größere Rolle. Sie können wertvolle Daten liefern, um anfallsartiges Vorhofflimmern überhaupt erst zu dokumentieren oder auch den Therapieerfolg zu begleiten. Auch können sie Beschwerden bestätigen.
Wichtig für das Beratungsgespräch: Wenn Kundinnen oder Kunden berichten, dass ihre Smartwatch einen Alarm bezüglich Vorhofflimmern oder Herzrhythmusstörungen ausgegeben hat, gilt: Eine Smartwatch stellt keine finale Diagnose dar, liefert aber ein wichtiges Signal. Es sollte unbedingt eine ärztliche Abklärung empfohlen werden – erst recht, wenn zusätzlich Beschwerden wie verringerte Leistungsfähigkeit, Atemnot oder Schwindel auftreten.
Vorsicht bei ängstlichen Patiententypen: Die ständige Selbstüberwachung verleitet oft zum pausenlosen Kontrollieren. Der dadurch erzeugte chronische Stress kann wiederum als Trigger wirken und das Vorhofflimmern verschlimmern. Hier ist sensible Aufklärung gefragt.
Die einzige echte kausale Heilung stellt die Katheterablation dar (mit einer Erfolgsquote von ca. 80 %). Doch ein Großteil des Managements liegt in der Beeinflussung der veränderbaren Faktoren. Zu den bekannten Risikofaktoren für Vorhofflimmern gehören:
Laut der aktuellen S3-Leitlinie zum Vorhofflimmern zeigen Lebensstilinterventionen erstaunliche Effekte: Die gezielte Adressierung dieser Risikofaktoren kann die Anfallshäufigkeit und -schwere in einem Ausmaß reduzieren, das teilweise mit antiarrhythmischen Pharmakotherapien vergleichbar ist.
Da Verhaltensänderungen jedoch oft als Einschränkung der Lebensqualität empfunden werden und auf Widerstand stoßen, nutzt die Leitlinie das Prinzip der wiederholten Ansprache. Die Apotheke eignet sich durch die hohen Kontaktraten ideal als Beratungsanker – frei nach dem Motto: Steter Tropfen höhlt den Stein.
Vorhofflimmern – das Titelthema der aktuellen Apotheken Umschau. Dieses und weitere Themen finden Sie hier.
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