Nur zwei Anbieter bestehen Testkauf

Weiche Zäpfchen: Umschau überführt Versandapotheken

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München -

Mehrere Testkäufe zeigen: Wenn Versender an heißen Tagen ihre Pakete verschicken, werden Arzneimittel mitunter extremen Temperaturen ausgesetzt. Auch die Apotheken Umschau hat im Rahmen einer Investigativrecherche gezeigt, dass die Probleme keine Einzelfälle sind.

Ende Juni machte die Apotheken Umschau den Test: Bei neun in- und ausländischen Versandapotheken wurden Paracetamol- oder Vomex-Zäpfchen bestellt; beide Präparate sollen nicht über 25 °C gelagert und transportiert werden. Und einmal aufgeschmolzene Zäpfchen sollen wegen der unklaren Freisetzung aufgrund einer möglichen Wirkstoffsedimentation nicht mehr verwendet werden.

Wo möglich, wurden zusätzlich Badethermometer geordert. Diese sollten eine sofortige Temperaturangabe beim Auspacken liefern, wie Investigativreporter Hristio Boytchev erklärt. Um zusätzlich den Temperaturverlauf während des Transports zu protokollieren, wurden parallel eigene Päckchen aufgegeben – und zwar so, dass diese in denselben Lieferfahrzeugen ausgeliefert wurden. Anhand von Thermologgern und Trackern konnten so die Standorte und Temperaturen aufgezeichnet werden.

„Wir wollten gründlich und systematisch testen“, so Boytchev.

Insgesamt 50 Pakete wurden auf diese Weise bestellt oder selbst versendet. Am Freitag, den 26. Juni, kamen die ersten Päckchen an: Hermes lieferte Ware von Medikamente per Klick (MPK) und Shop Apotheke aus, DHL brachte Sendungen von Aponeo und Mycare.

Bei Außentemperaturen von bis zu 35 °C wurden beim Auspacken immerhin 30 °C angezeigt, anhand der Logger wurden ebenfalls Spitzenwerte von 30 °C bei Hermes und 33 °C bei DHL gemessen. Besondere Vorkehrungen gab es in der Regel nicht, laut Boytchev waren die Zäpfchen deutlich erweicht.

46 °C im Logistikzentrum

Am Samstag wurden dann in Berlin sogar Werte von 39,9 °C gemessen. Doch die Pakete, die an diesem Tag kommen sollten, wurden laut Boytchev weder von DHL noch von Hermes ausgeliefert. Stattdessen blieben sie über das Wochenende in den jeweiligen Logistikzentren. Und für den DHL-Standort in Ludwigsfelde protokollierten die in den eigenen Päckchen verschickten Logger nun sogar Spitzenwerte von mehr als 46 °C.

Nach Auswertung der Sendungsinformationen seien auch Pakete von Mycare, dm-med, Apodiscounter, Sanicare und Shop Apotheke im selben Lager gewesen, so Boytchev. Auch diese Päckchen kamen am Montag in weichem Zustand an.

Während manche Versender gänzlich ohne Schutzvorkehrungen verschickten, verwendeten andere immerhin Isoliermaterial oder Kühlpads. Dadurch schien die am Freitag gelieferte Sendung von Shop Apotheke in Ordnung zu sein, während die über das Wochenende eingelagerten Zäpfchen ebenfalls weich waren. Im Grunde überzeugten aber nur zwei Anbieter: Besamex versendete isoliert und gekühlt und mit DHL Express, bei DocMorris wurde Ware entweder als nicht lieferbar angezeigt oder abweichend über den Speziallogistiker Trans-o-flex verschickt. Allerdings lief auch hier nicht alles glatt: Ein Paket wurde beim Nachbarn abgegeben und später an der Haustür abgelegt.

Auf die Probleme angesprochen, reagierten die Versender laut Boytchev ganz unterschiedlich: MPK, Apodiscounter und Shop Apotheke zogen die Methodik in Zweifel, Aponeo und Sanicare antworteten auf Nachfragen der Umschau nicht. Mycare und dm-med dagegen entschuldigten sich, genauso wie Trans-o-flex.

Behörden ahnungslos

Auch bei den zuständigen Behörden hakte Boytchev nach. Die niederländische Aufsicht erklärte, nicht über genügend Kapazitäten für regelmäßige Kontrollen zu verfügen. Daher verfolge man einen risikobasierten Ansatz: „Diese Philosophie, die auf jahrzehntelanger Erfahrung in diesem Bereich basiert, geht davon aus, dass das Gesundheitspersonal von sich aus motiviert ist, seinen Patienten eine gute Versorgung […] zu bieten.“ Daher konzentriere man sich auf die „faulen Äpfel (in einem Korb mit gesunden Früchten)“.

Eine bundesweite Umfrage bei den deutschen Behörden ergab, dass bislang keine einzige Sanktion verhängt wurde. Kontrollen würden alle zwei bis drei Jahre durchgeführt oder in Berlin nur beim Eingang von Beschwerden von Verbraucherinnen und Verbrauchern, die es aber 2025 nicht gegeben habe. Wann Aponeo zuletzt kontrolliert wurde, wollte das Landesamt „aus Datenschutzgründen“ nicht verraten.

„Wir haben es mit einem riesigen Problem an Arzneimittelsicherheit zu tun“, kommentiert Chefredakteurin Anne-Bärbel Löhle die Ergebnisse der Recherche.

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