Trotz immer neuer Hitzerekorde dürfen die Versender weiter unkontrolliert Medikamente verschicken – das Bundesgesundheitsministerium (BMG) ist vor dem Druck der Lobby in Brüssel eingeknickt. Ein weiterer aktueller Testkauf zeigt, wie dramatisch die Sache enden kann: Aus Zäpfchen war in einem Paket von Shop Apotheke nur noch Flüssigkeit geworden.
Ende Juni hatte Dr. Peter Vorstheim, Inhaber der Flora Apotheke in Idstein, Zäpfchen bei Shop Apotheke bestellt. „Ich hatte das schon lange vor, aber irgendwie blieb nie so richtig Zeit.“ Als dann die Hitzewelle über Deutschland rollte, löste er an einem Mittwochnachmittag kurzerhand den Auftrag aus.
Nachdem zunächst keine Rückmeldung kam, wurde ihm schließlich eine Zustellung für Donnerstag bis Samstag angekündigt. Doch wieder gab es keine Benachrichtigung; erst am Sonntag entdeckte er die Mail, die am Samstagnachmittag, als er noch arbeitete, eingetroffen war: Die Sendung liege zur Abholung in einer Packstation bereit.
Vorstheim war überrascht, denn eigentlich hatte er bei Shop Apotheke die Lieferung nach Hause beauftragt. Dann fiel ihm jedoch ein, dass er bei DHL eine Sendungsumleitung zur Packstation hinterlegt hatte. So machte er sich gemeinsam mit seiner Frau am frühen Nachmittag auf den Weg, um die Sendung – vier Tage nach Aufgabe der Bestellung – abzuholen.
Als er die Packung öffnete, traute er seinen Augen kaum. Aus den Blistern, in denen eigentlich die Zäpfchen sein sollten, quoll nur noch eine undefinierbare Flüssigkeit. Kein Wunder: Das Päckchen hatte fast 24 Stunden bei größter Hitze im Packfach gelegen, noch dazu direkt unter dem Dach der Station. Vorstheim und seine Frau legten noch ein Thermometer ins Fach, das schon nach kurzer Zeit 39 °C anzeigte. „Wenn wir länger gewartet hätten, wäre der Wert vermutlich noch weiter gestiegen.“
Schon dass die Sendung überhaupt in der Packstation landen konnte, ist für den Apotheker eine Unmöglichkeit. Schließlich habe er dies gegenüber Shop Apotheke explizit ausgeschlossen. „Eigentlich hätte die Sendung mit einem Sperrvermerk an den Logistiker übergeben werden müssen, aber das ist offensichtlich nicht passiert.“
Nur wenn er selbst als Kunde die Weiterleitung bei DHL herausgenommen hätte, wäre die Sache womöglich anders ausgegangen.
Hitze und Arzneimittel – dieses und weitere Themen finden Sie in der neu erscheinenden Ausgabe der Apotheken Umschau. Für weitere Beiträge besuchen Sie gern die APOTHEKE ADHOC-Rubrik „Apotheken Umschau“.
Fast schon „niedlich“ findet er, dass Shop Apotheke die Packung in Thermofolie eingewickelt und mit einem Kühlakku versehen hatte. „Das funktioniert vielleicht kurzfristig im Botendienst, aber das ist komplett sinnlos bei der Zustellung aus den Niederlanden.“ Abgesehen davon sei es mit Blick auf den Umweltschutz nicht zu verantworten, derart viel Packmaterial für eine kleine Faltschachtel zu verschwenden.
Auslöser für den Testkauf war auch das Veto der EU-Kommission gegen die ursprünglichen Pläne des Bundesgesundheitsministeriums (BMG), die Versender in Sachen Temperaturkontrolle enger an die Leine zu nehmen. „Die Versender behaupten, dass sie Apotheker beschäftigen, die sich Gedanken über die Stabilität des Produkts machen und einen geeigneten Dienstleister auswählen. Aber dass hier bei Zäpfchen und der größten Hitze trotzdem DHL zum Zuge gekommen ist, zeigt doch, dass das nicht der Fall ist. Bei uns in der Apotheke wüsste jeder im Team, dass das nicht funktionieren kann.“
Vorstheim hat das Video vom Vorgang in den sozialen Medien geteilt. „Mir ging es darum nachzuweisen, dass da zwar viel behauptet wird, aber dass die Realität ganz anders aussieht“, sagt Vorstheim. Er hat seine Unterlagen an den Hessischen Apothekerverband (HAV) weitergegeben, der wiederum die Kammer eingebunden hat. Eine Kollegin aus dem Apothekenteam will auch eine bekannte Politikerin über die skandalösen Zustände informieren.
Dass zumindest die Lieferung an Packstationen jetzt verboten werden soll, ist laut Vorstheim nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Denn solange die Logistiker sich darüber hinwegsetzen könnten, werde diese Regelung keine Wirkung entfalten. Auch im Paketshop vor Ort würden die Sendungen übrigens im Schaufenster unter Sonneneinstrahlung gelagert. „Das ist gehopst wie gesprungen.“
Der Apotheker ärgert sich aber auch über den „Schrott“, der ihm bei seiner allerersten Bestellung überhaupt angeboten wurde: „Ständig gab es Hinweise, die im Grunde zu einem unkontrollierten Mehrkonsum animieren sollten.“ Immer wieder habe er den Hinweis bekommen, noch mehr Umsatz zu machen, um seine Lieferung kostenfrei zu erhalten. Auch Mengenrabatte und Zusatzverkäufe seien ihm immer wieder angezeigt worden. Selbst an der Kasse seien noch entsprechende Hinweise gekommen. Und seit er die Bestellung ausgelöst habe, bekomme er Redpoints und Gutscheine angeboten. „Man wird regelrecht bombardiert mit Aufforderungen, zusätzliche Dinge zu bestellen. Dabei handelt es sich um Arzneimittel.“
Hitze und Arzneimittel – dieses und weitere Themen finden Sie in der neu erscheinenden Ausgabe der Apotheken Umschau. Für weitere Beiträge besuchen Sie gern die APOTHEKE ADHOC-Rubrik „Apotheken Umschau“.
Groß angelegte Studien zeigen faszinierende Paradoxien: Dass das radikale Meiden der Sonne ein ähnliches Sterblichkeitsrisiko bergen kann wie das Rauchen, und dass Patienten mit hellem Hautkrebs im Schnitt sogar eine höhere Lebenserwartung haben. Wie am HV dieser Spagat zwischen zellulärem Hautschutz und den lebenswichtigen, systemischen Lichteffekten gelingen kann, zeigt dieses APOTHEKE ADHOC Webinar powered by Apotheken Umschau. Jetzt streamen!