CALOR-Liste

Sommerhitze: Vorsicht bei diesen Arzneimitteln

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Berlin -

An heißen Tagen besteht nicht nur die Gefahr von Hitzeschlag, Sonnenstich oder Sonnenbrand. Vor allem unter einer Arzneimitteltherapie bestehen Gefahren, denn Hitze kann die Wirkung und Verträglichkeit von Medikamenten beeinflussen und unter Umständen eine Anpassung der Behandlung erforderlich machen. Die Uniklinik Köln hat im Projekt ADAPT-HEAT die sogenannte CALOR-Liste mit hitzerelevanten Arzneimitteln entwickelt. 

CALOR (Hitze) wurde entwickelt, um die Arzneimittelsicherheit an heißen Tagen zu erhöhen und richtet sich an Ärzt:innen, Apotheker:innen, Medizinische Fachangestellte (MFA), PTA sowie Pflegekräfte. Sie liefert Hintergründe und Empfehlungen.

Antidiabetika

Insuline

Das Problem: Weil die Hitze die Hautdurchblutung verstärkt, kann kurzwirksames Insulin schneller anfluten und Nebenwirkungen wie beispielsweise eine Hypoglykämie begünstigen. Außerdem kann durch das Insulin die Thermoregulation durch eine mögliche Vasodilatation und vermehrtes Schwitzen beeinflusst werden.

Tipps: Patient:innen sollten regelmäßig den Blutzucker messen und gegebenenfalls die Insulindosis anpassen. Zudem sollte das Insulin in einer kühleren Umgebung – bei Raumtemperatur – appliziert werden. Außerdem sollten Diabetiker:innen darauf hingewiesen werden, dass das Risiko eines verminderten Hungergefühls mit geringerem Insulinbedarf besteht, kurzwirksame Insuline verstärkt wirken können und ein insgesamt höheres Hypoglykämierisiko bestehen kann.

Metformin

Das Problem: Metformin kann insbesondere durch die gastrointestinalen Nebenwirkungen wie beispielsweise Durchfall das Dehydratationsrisiko erhöhen – vor allem zu Behandlungsbeginn.

Tipps: Therapie mit geringer Dosierung starten und generell auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten.

Schmerzmittel

Das Problem: Ob ärztlich verordnet oder im Rahmen der Selbstmedikation – unter Schmerzmitteln wie beispielsweise Ibuprofen oder Diclofenac ist Vorsicht geboten. Die Wirkstoffe können die Nieren belasten und die renale Funktion beeinträchtigen. Hyperthermie und Nierenversagen können die Folgen sein.

Tipps: Betroffene sollten auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr – Mineralwasser, Brühe, Elektrolytlösungen – achten und bei Anzeichen wie plötzlich auftretenden Ödemen und deutlich geringerer Urinmenge ärztlichen Rat einholen.

Levothyroxin

Das Problem: Das Schilddrüsenmedikament kann eine Hyperthermie verursachen. Diese beruht auf einer Steigerung der Stoffwechselrate und der Aktivierung von braunem Fettgewebe. Symptome können Tachykardien und Tachyarrhythmien sowie Gewichtsverlust sein.

Tipps: Auf Warnsignale achten und Arztrücksprache halten. Gegebenenfalls muss die Dosis angepasst werden.

Antikoagulantien

Das Problem: Unter Antikoagulantien sind Dehydratation oder hitzebedingte Gesundheitsschäden möglich.

Tipps: Auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Blutungszeichen achten. Treten Letztere auf, ist Arztrücksprache nötig.

Blutdrucksenker

Das Problem: Es besteht ein saisonaler Zusammenhang zwischen Sommermonaten und niedrigerem Blutdruck. Blutdrucksenkende Medikamente können den Effekt verstärken und es kann ein Ohnmachts- und Sturzrisiko bestehen. Betablocker scheinen hitzebedingte Gesundheitsschäden, wie ein erhöhtes Herzinfarktrisiko, zu begünstigen. Die Stoffgruppe kann die Hautdurchblutung durch periphere Vasokonstriktion reduzieren. In der Folge kann weniger Hitze über die Haut abgegeben werden. Unter Calciumkanalblockern ist eine Dehydratation möglich.

Tipps: Patient:innen sollten den Blutdruck regelmäßig kontrollieren und dokumentieren. Außerdem sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden. Unter Candesartan sollten Elektrolytlösungen aufgrund des Kaliumgehalts mit Vorsicht getrunken werden.

Diuretika

Das Problem: Diuretika entwässern den Körper, und das, obwohl der Körper durch Schwitzen bereits Flüssigkeit verliert. Die Folgen können Dehydratation und Elektrolytstörungen sein. Es besteht vor allem die Gefahr für Hyponatriämien, wobei diese unter Thiaziden und kaliumsparenden Diuretika häufiger auftreten können als unter Schleifendiuretika.

Tipps: Patient:innen sollten ausreichend trinken sowie den Blutdruck und das Körpergewicht kontrollieren. Bei Symptomen wie deutlich geringerer Urinausscheidung, plötzlich auftretenden Ödemen, unklarer Müdigkeit und sehr niedrigem Blutdruck sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.

Antidepressiva

Das Problem: Einige Antidepressiva sowie Anticholinerga, Antihistaminika und Schlafmittel können die Schweißproduktion hemmen. Es besteht das seltene serotonerge Syndrom mit Hyperthermie. SSRI können das Risiko einer Hyponatriämie erhöhen.

Tipps: Patient:innen sollten ausreichend trinken und Hitzeschutzmaßnahmen ergreifen. Bei Symptomen wie unbekanntem Kopfschmerz, Schwindel oder Verwirrtheit ist ärztlicher Rat einzuholen und gegebenenfalls die Elektrolytwerte aufgrund eines Hyponatriämierisikos zu kontrollieren.

Antiepileptika

Das Problem: Antiepileptika sind ein Risikofaktor für Hyperthermie an heißen Tagen. Je nach Wirkstoff können reduziertes Schwitzen und Elektrolytstörungen – insbesondere Hyponatriämien – auftreten.

Tipps: Unter Carbamazepin, Oxcarbazepin, Clonazepam, Valproinsäure, Topiramat und Zonisamid sollten Ärzt:innen bei Hitzewarnungen die Dosis so gering wie patientenindividuell möglich wählen und möglichst wenig verschiedene anticholinerge Substanzen verabreichen. Patient:innen, die Topiramat und Zonisamid einnehmen, sollten auf Warnsymptome einer Hyperthermie achten und bei Bedarf die Körpertemperatur messen.

Opioide

Das Problem: Hitze kann die Toxizität von Opioiden verstärken. Ursache können Dehydratation, verstärktes Schwitzen und eine verstärkte Aufnahme durch erhöhten Blutfluss in der Haut bei transkutaner Verabreichung sein.

Weil bei Hitze die Hautdurchblutung erhöht ist, ist bei transdermalen-therapeutischen Systemen ein schnelleres/verstärktes Anfluten des Wirkstoffes möglich.

Tipps: Patient:innen sollten auf Symptome wie Vigilanz und Anzeichen von Verwirrtheit achten. Zudem sollte ausreichend Flüssigkeit zugeführt werden.

 

Hitze und Arzneimittel – dieses und weitere Themen finden Sie in der aktuellen Ausgabe der Apotheken Umschau. Für weitere Beiträge besuchen Sie gern die APOTHEKE ADHOC-Rubrik „Apotheken Umschau“.

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