Kampfansage an Versender

„Wir haben nichts gegen den Versandhandel, aber ...“

, Uhr
München -

Abda-Präsident Thomas Preis will die Apotheken mit neuen Dienstleistungen voranbringen. Parallel sagt er den Versendern den Kampf an. „Der Versandhandel ist ein Störfaktor für die Versorgung, den man eindämmen muss.“

Man müsse die Realitäten anerkennen: Der Versandhandel gehöre einfach zum Leben dazu, „und wir Apotheken haben auch gar nichts dagegen“. Aber im Gesundheitswesen müsse man sich an Regeln halten, und man beobachte mit Sorge, dass dies bei den Versendern überhaupt nicht der Fall sei.

Preis verwies auf den Erlass der Zuzahlung, die im kommenden Jahr um 50 Prozent angehoben werde. Solch einen Sprung gebe es sonst nirgends, auch die Finanzkommission habe sich intensiv mit dieser zusätzlichen Belastung für die Versicherten auseinandergesetzt. Am Ende sei ein Argument entscheidend gewesen, nämlich die Steuerungswirkung. Und genau die werde im Versandhandel systematisch unterlaufen.

Auch Regeln zur Temperaturkontrolle würden von den Versendern nicht beachtet, wie Testkäufe zeigten.

„Hier ist ganz klar der Gesetzgeber aufgefordert jetzt zu handeln“, so Preis. Ansonsten wirke die Zuzahlungserhöhung nicht als Sparinstrument, sondern als Konjunkturprogramm für den Versandhandel.

Die Abda schlägt vor, in § 43c Absatz 2 Sozialgesetzbuch (SGB V) einen Passus aufzunehmen, der nicht nur den Erlass der Zuzahlung verbietet, sondern auch die Werbung dafür.

Dass der Deutsche Apothekerverband (DAV) nicht über die Paritätische Stelle aktiv werde, habe mit der Haftung zu tun: Bislang hätten die Mitglieder persönlich belangt werden können, jetzt seien es die Verbände – und damit alle Apothekerinnen und Apotheker. Dass der Gesetzgeber den Ball ins Feld der Apotheken gespielt hat, lässt Preis nicht gelten: Die Paritätische Stelle sei ein Tiger ohne Zähne, man sei ganz klar auf die Unterstützung der Politik angewiesen. Man werde dazu noch einmal ein Gutachten in Auftrag geben.

Für ihn ist aber klar: „Die Politik muss aus ihrer Komfortzone kommen und darf die Verantwortung nicht mehr bei denen abladen, die von den Missständen betroffen sind.“

Fünf Forderungen zum DAT

Insgesamt geht die Abda mit fünf Positionen in den Deutschen Apothekertag (DAT). So brauche es eine nachhaltige wirtschaftliche Stärkung; die Anhebung des Fixums habe viel zu lange gedauert und werde durch den Kassenabschlag wieder zu einem Viertel aufgezehrt. Darüber werde man mit Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) sprechen. Essenziell sei auch, dass die Verhandlungen ab dem kommenden Jahr „fair und verlässlich“ geführt würden.

Langfristig wolle man auch zu neuen Vergütungsformen kommen. Denn dass vom höheren Fixum vor allem größere Betriebe und auch der Versandhandel profitieren, war laut Preis ein Nebeneffekt, den man im Gesetzgebungsverfahren nicht habe verhindern können: „Die wirtschaftliche Situation war so bedenklich, dass wir den Rettungsring dringend brauchten.“ Jetzt sei die Zeit, über eine Weiterentwicklung der Honorierung zu sprechen, die ganz klar die Versorgung vor Ort stärke.

Zweite Forderung: Die Apotheken müssten verbindlich und dauerhaft in die Primärversorgung eingebunden werden. Pharmazeutische Dienstleistungen (pDL), Impfungen, Blutabnahmen und Tests müssten weiter ausgebaut werden, das Positionspapier der Abda sei dabei nur ein Angebot: Die konkreten Angebote wolle man gemeinsam mit den anderen Gesundheitsprofessionen definieren. Hier hatte es massive Kritik aus der Ärzteschaft gegeben, die Preis am liebsten ausräumen will: „Wir wollen keine Light-Praxen werden, sondern 5-Sterne-Apotheken.“ Und: „Medizinische Ersteinschätzung machen wir nicht!“

„Mehr Versorgung statt mehr Bürokratie“, lautet die dritte Forderung. Dokumentations-, Nachweis- und Abrechnungspflichten müssten gesenkt werden, die Digitalisierung müsse mehr Nutzen haben als Aufwand erzeugen. Preis verwies auf die TI-Ausfälle der vergangenen Woche. „Digitalisierung muss funktionieren!“

Und schließlich fordert die Abda, dass die Apotheken als tragende Säule im Bereich der Krisenresilienz eingebunden werden. Nur ein flächendeckendes Apothekennetz könne im Krisenfall die Versorgung sichern.

Jetzt kostenlos weiterlesen!
Einfach anmelden bei APOTHEKE ADHOC plus – komplett kostenfrei.
Weil guter Journalismus unbezahlbar ist.
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Lesen Sie auch