Gesund.de, iA.de und Gedisa

Vereint gegen Versender: Plattformen sollen fusionieren

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München -

Wann wird endlich etwas gegen den Versandhandel unternommen? Über diese Frage wurde zur Eröffnung der Expopharm in München hitzig diskutiert. Neben einer Initiative durch die Politik wurde auch eine Initiative der Branche angedeutet.  

Marcus Freitag, Vorsitzender des Großhandelsverbands Phagro, setzte gleich zu Beginn der Diskussion den Ton der Debatte: Jeder, mit dem er spreche, sei gegen die fehlende Preisbindung und Temperaturkontrolle im Versandhandel. Aber dann passiere einfach nichts. „Es genügt einfach nicht zu sagen, man muss den Versandhandel schärfer kontrollieren. Man muss es dann auch endlich einmal machen.“

Die Politik müsse endlich klare Rahmenbedingungen schaffen, das sei auch Konsens. „Aber sie macht es nicht.“

Für ihn ist die Sache klar: „Wenn es nicht vonnöten ist, sich beim Versand von Holland nach Deutschland um die Bedingungen zu kümmern, dann müssen auch Großhandel und Apotheken das nicht machen.“

Abwandernder OTC-Markt

Dass die Politik nicht aktiv werde, hat aus seiner Sicht einen einfachen Grund: „Der Wähler findet den Versandhandel toll, weil er attraktiv über die Preise ist. Aber wir müssen endlich an das Thema ran.“

Kritisch sieht er insbesondere die Vorstöße von dm und Rossmann, da hier Online und Offline kombiniert würden. „Unsere große Sorge ist, dass weiter OTC und Non-Rx aus der Apotheke rausgehen. Das ist eine Problematik, der wir uns viel intensiver stellen müssen.“

Jörg Wieczorek von Pharma Deutschland pflichtete bei: „Das ist die größte Gefahr für die Apotheken, das nimmt ihnen 20 bis 30 Prozent weg, da hilft auch keine Honorarerhöhung.“

„Totaler Wahnsinn, dass es drei verschiedene Anbieter gibt“

Wie auch Freitag sprach er sich dafür aus, endlich die Apothekenplattformen zusammenzulegen. „Es ist doch totaler Wahnsinn, dass es hier drei verschiedene Anbieter gibt. Warum wird man sich nicht einig?“ Er forderte Gedisa, ihreApotheken.de und Gesund.de auf: „Tut euch zusammen, sonst werden wir scheitern, sonst kommt der Tod auf Raten.“ Beide äußerten sich zuversichtlich, dass die laufenden Gespräche endlich zum Ziel führen.

Dr. Hans-Peter Hubmann vom Deutschen Apothekerverband (DAV) bestätigte, dass man gerade dabei sei, die Kanäle zu vereinen. Dann spielte er den Ball aber zurück ins Feld der Hersteller. Er erwarte ein klares Bekenntnis zur Apotheke vor Ort, derzeit verlinkten zu viele Webauftritte der Unternehmen auf Online-Apotheken und nicht auf die Apotheken vor Ort: „Es mag wirtschaftlich lukrativ sein, wenn einem auf einen Schlag viel Ware abgenommen wird. Aber wir hätten gern mehr Bekenntnis zur Apotheke vor Ort.“

Dass der Versandhandel aus Sicht der Verbraucher attraktiv sei, hänge mit den völlig ungleichen Rahmenbedinungen zusammen. Die Versender hätten eine Halle, geringe Mieten, wenig Personalkosten. Und sie müssten keinen Gewinn erwirtschaften, weil sie von der Wette auf die Zukunft lebten. „Wenn wir kein Geld verdienen müssten, wäre es für uns auch viel einfacher, die Preise zu senken.“ Insofern sei der Versandhandel nur pseudoattraktiv.

Oliver Kirst vom Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) forderte ebenfalls mehr Engagement bei der Temperaturkontrolle. „Eine einheitliche, sehr stringente und klare Regelung ist ein Muss“, sagte er. Laut Han Steutel vom Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) führt Wettbewerb zwar immer zu Fortschritt. „Aber die Rahmenbedingungen müssen gleich sein – wenn nicht, dann muss eingegriffen werden.“ Und Basem Yazgi von Pro Generika sagte: „Egal wie die Konditionen sind: Am Ende muss die Versorgung sicher sein.“

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