Seit vielen Jahren bietet Apotheker Michael Raber aus Trier in seinen beiden Apotheken Abholfächer an. Der Service wird vor allem seit der Einführung der App vermehrt genutzt. Die Stammkundschaft muss jetzt jedoch auf die Automaten verzichten. Wegen der aktuellen Hitze sind die Abholfächer nicht nutzbar.
Raber installierte in seiner St. Barbara-Apotheke in Trier bereits vor 15 Jahren Abholfächer. Dort können Kundinnen und Kunden rund um die Uhr ihre Bestellungen entgegennehmen – auch abseits der Öffnungszeiten der Apotheke. Mit dem Kauf seiner Filiale, der Mosel Apotheke Ehrang, ließ er beim Umbau ebenfalls die Fächer installieren. „Es ist ein gutes Angebot, gerade für Kunden, die während unserer Öffnungszeiten arbeiten. Für solche Fälle ist es gedacht.“
Der Inhaber setzt bei den Fächern auf ein integriertes Kühlsystem, um auch dort die vorgeschriebene Lagertemperatur für Arzneimittel nicht zu überschreiten. Allerdings gebe es im Sommer bei hohen Temperaturen und äußerer direkter Sonneneinstrahlung die Gefahr, dass es im Inneren heißer als 25 Grad Celsius werde. „Wir müssen sicherstellen, dass Arzneimittel ordnungsgemäß gelagert werden.“
Deshalb entschied sich der 54-Jährige, die Abholfächer in beiden Betrieben nicht mehr zu nutzen. „Im Sommer reicht das Kühlsystem unter Umständen nicht mehr. Wir haben jetzt die spezielle Situation, dass es sehr heiß ist. Deshalb haben wir sie stillgelegt.“ Die Kundschaft muss also in die Offizin kommen, um die bestellte Ware zu erhalten, oder sie erhält die Bestellung per Botenfahrzeug. Zweimal fahren seine Lieferanten am Tag, auch um über die App bestellte Medikamente auszuliefern.
Bereits in zurückliegenden, besonders heißen Sommern setzte er den Service zwischenzeitlich aus. Jetzt haben die Fächer jedoch eine größere Bedeutung: „Früher haben es nur wenige Kunden nachgefragt. Die meisten kommen gerne persönlich, für sie ist es einfacher, als den Code einzugeben. Doch seit wir die App-Vorbestellung anbieten, werden die Fächer stärker nachgefragt.“
Das ordnungsgemäße Angebot von Arzneimitteln auch bei sommerlich heißen Temperaturen ist für den Apotheker eine Selbstverständlichkeit. Dass große Versandkonzerne auch bei hohen Temperaturen auf nicht temperierte Zustellfahrzeuge setzen, kritisiert er. „Ich habe einmal vor einer DHL-Abholstation erlebt, dass eine junge Frau für ihre Oma nicht an das Paket in einem Fach gekommen ist und das bei großer Hitze.“
Die Temperaturkontrolle sei auch beim Versand wichtig, betont er. „Das Problem ist mir schon lange bewusst und ich bin froh, dass es in der Politik angekommen ist.“ Der Apotheker warnt jedoch bei der Umsetzung vor unrealistischen Grenzen. „Wenn ich dem Arzt, der zehn Meter weiter seine Praxis hat, ein Arzneimittel bringe, darf das nicht gelten. Ich sorge mich darum, dass ein Gesetz käme, das am Ende nicht für Versender gilt und nur wir vor Ort kontrolliert werden.“
Die geplanten Vorgaben zur Temperaturkontrolle durch DHL & Co. wurden durch Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) aus dem Entwurf zur Apothekenreform gestrichen. Letztlich dürfe eine gesetzliche Regelung die Betroffenen nicht in überbordender Bürokratie ersticken, sagt er. Für geringfügige Transporte wie etwa unter einer halben Stunde sollte dies nicht gelten. „So schnell kriegt man keine Kühlbox kühl.“
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