Das nun in Kraft getretene Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) bringt die größte Transformation für das Dienstleistungsportfolio der Vor-Ort-Apotheken seit Jahren. Aus dem saisonalen „Nischengeschäft" für Grippe und Corona wird ein Ganzjahresgeschäft, denn von nun an dürfen Apothekenteams auch Totimpfstoffe verimpfen. Wie sieht das konkret für Pneumokokken, RSV & Co. aus?
Die wichtigste Neuerung: Das Impfangebot in den Apotheken wurde massiv ausgeweitet. Geschulte Apothekerinnen und Apotheker sowie PTA unter Aufsicht, dürfen nun nahezu alle gängigen Totimpfstoffe bei Personen ab 18 Jahren verabreichen. Einzige Ausnahme bleiben Lebendimpfstoffe wie MMR oder Gelbfieber, die weiterhin dem Arztvorbehalt unterliegen.
Der Markt für respiratorische Impfstoffe hat sich in der Vergangenheit rasant entwickelt. Besonders im Fokus stehen für die kommende Herbst- Winter-Saison drei Erregerklassen:
Im Markt etabliert sind Proteinkonjugat-Impfstoffe wie Arexvy und Abrysvo. Aber auch mRNA-basierte Optionen drängen nach. Alle Impfstoffe bieten einen hocheffektiven Schutz vor schweren Erkrankungen der unteren Atemwege.
Hier hat die Ständige Impfkommission (Stiko) die Empfehlungen grundlegend modernisiert, um Lücken älterer Impfstoffe zu schließen.
Die Grippeschutzimpfung wird von der Stiko alljährlich vor allem für Personen ab 60 Jahren, chronisch Kranke, Schwangere sowie medizinisches Personal empfohlen. Der optimale Impfzeitraum liegt im Spätherbst zwischen Oktober und Mitte Dezember, da der Körper etwa 10 bis 14 Tage für den Aufbau des Impfschutzes benötigt. Für Senioren ab 60 Jahren bleibt der Hochdosis-Impfstoff Efluelda gegen die Influenza der Standard.
Gegen Covid-19 kommen die jeweils aktuellsten, an die zirkulierenden Varianten angepassten mRNA-Vakzinen zum Einsatz.
Pneumokokken:
RSV:
Influenza / Corona:
Um den herbstlichen Ansturm unter den neuen Bedingungen des ApoVWG reibungslos zu meistern, sollten klare Checklisten abgearbeitet werden. Dazu gehören Punkte, wie:
Team-Qualifikation und Delegation klären
Welche Teammitglieder können erweiterte Nachschulungen für die neuen Totimpfstoffe und das Notfallmanagement absolvieren, oder haben dies bereits getan? Hilfreich sind auch feste Zuständigkeiten für Aufklärung und Injektion innerhalb des Teams.
Raumstruktur und Notfall-Kit optimieren
Der Impfbereich muss diskret, sauber und gut zugänglich sein. Das Notfall-Management sollte dazu aktualisiert werden. Dazu gehören beispielsweise die Handhabung des Adrenalin-Pens und die korrekte Lagerung bei anaphylaktischem Schock.
Impfstoff-Beschaffung und Warenlager
Das Apothekenteam sollte an die rechtzeitige Bestellung der Impfstoffe denken und sich mit der Nutzung von Dokumentations- und Abrechnungswegen vertraut machen.
Sichtbarkeit und Marketing starten
Die gesetzlichen Erweiterungen sollten aktiv für die Präventionswerbung genutzt werden. Aufsteller im Schaufenster, Handzettel am HV und Hinweise auf der Website oder via App zeigen die Möglichkeiten für die Kundschaft auf. Für das Terminmanagement lassen sich verschiedene Tools wie Onlineportale nutzen.
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