Mit dem Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) wird das Impfangebot in den Apotheken deutlich ausgeweitet. Mit der Reform dürfen neben der Grippe- und Covid-Impfung nun auch Totimpfstoffe verabreicht werden – auch gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Wer sollte sich wann immunisieren lassen und welche Rolle spielen die Apotheken? Ein Überblick.
In Zukunft spielen Apotheken im Hinblick auf das Impfen eine tragende Rolle. Denn das Angebot wird dort von vielen Menschen als niedrigschwelliger als beim Arzt wahrgenommen. Die Immunisierungen sind oftmals auch außerhalb der üblichen Praxisöffnungszeiten möglich – insbesondere weil neben der saisonal begrenzten Corona- und Grippeimpfung nun unter anderem auch Vakzine gegen FSME verimpft werden dürfen.
Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die Impfung für Personen, die in FSME-Risikogebieten, vor allem in Süd- und Mitteldeutschland, im Freien unterwegs sind und mit Zecken in Kontakt kommen könnten. Dazu gehören:
Zudem gilt für Kinder der Hinweis: Eine Impfung ist ab dem vollendeten ersten Lebensjahr möglich.
Für einen vollständigen, langjährigen Schutz sind insgesamt drei Impfdosen nötig. Man unterscheidet zwischen dem klassischen Schema und dem Schnellschema.
Hinweis: Etwa 14 Tage nach der zweiten Dosis besteht ein guter Kurzzeitschutz für die aktuelle Saison.
Wenn die Zeckensaison schon läuft oder eine Reise ansteht, kann schneller geimpft werden. Je nach Impfstoff erfolgt die zweite Dosis bereits nach sieben bis 14 Tagen und die dritte Dosis nach 21 Tagen bis neun Monaten.
Nach der vollständigen Grundimmunisierung lässt die Wirkung mit der Zeit nach. Um den Schutz lückenlos aufrechtzuerhalten, gelten folgende Intervalle:
Gut zu wissen: Wenn eine Auffrischung komplett verpasst oder um Jahre überzogen wurde, muss die Impfserie in der Regel nicht wieder ganz von vorne beginnen. Denn: Jede Impfung zählt. Meist reicht eine Verabreichung, um den Schutz wieder vollständig zu reaktivieren.
Direkt nach einem Zeckenstich ein Screening anzustoßen, ist nicht sinnvoll. Denn Antikörper können dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge meist erst mit Beginn der zweiten Krankheitsphase nachgewiesen werden. Die diagnostische Methode der Wahl sei der simultane Nachweis von FSME-virusspezifischen IgM- und IgG-Antikörpern im Serum oder im Nervenwasser (Liquor) – oder ein signifikanter Anstieg der IgG-Antikörperkonzentration zwischen zwei Proben im zeitlichen Abstand von zwei bis vier Wochen.
Auch beim Verdacht auf eine Lyme-Borreliose ist die Diagnostik erst verzögert sinnvoll. Denn das menschliche Immunsystem bildet erst nach einer gewissen Zeit Antikörper gegen eine erstmalige Infektion mit Borrelien. Bei beginnenden Erkrankungen nach wenigen Tagen mit grippeähnlichen Symptomen können Untersuchungen auf spezifische Antikörper gegen Borrelien negativ ausfallen. Eine erst kürzlich aufgetretene Wanderröte ist daher im Antikörpertest häufig negativ.
Ein positiver Test sei nicht immer auf eine akute Infektion mit Borrelien zurückzuführen. Hohe Antikörper-Werte können auch nach einer früheren, möglicherweise unbemerkten Infektion über viele Jahre erhalten bleiben. In Deutschland tragen laut RKI knapp 6 Prozent der Frauen und 13 Prozent der Männer Antikörper und haben somit mindestens eine Infektion durchgemacht. Ein positiver Antikörpertest bei einer Patientin oder einem Patienten könne nur unter Berücksichtigung der klinischen Symptome sinnvoll interpretiert werden. Deshalb seien Verlaufskontrollen insbesondere bei Frühformen sinnvoll.
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