„Testkauf ging schief“

Versand schickt geschmolzene Gummibärchen

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Berlin -

Bei Temperaturen über 35 Grad verlieren Arzneimittel schlimmstenfalls an Wirksamkeit. Insbesondere kühlpflichtige Medikamente, aber auch Zäpfchen und Salben sind nicht hitzestabil. Dass der Versand nicht für eine konstante Kühlkette sorgen kann, zeigt ein Testkauf von Ina Leischner, Inhaberin der Neuen Apotheke in Hohenmölsen.

Eine Bestellung bei einem Versender ging gründlich schief. „Wir haben uns einen Testkauf bei einer der führenden Versandapotheken erlaubt“, so Leischner. Sie bestellte bei Temperaturen von über 35 Grad eine Tüte Gummibärchen. „Es kam ein einziger zusammengeschmolzener Klumpen an“, erklärt sie.

Paket im Abholfach mit Thermometer
In der Abholstation herrschten Temperaturen über 35 Grad Celsius.Foto: Neue Apotheke in Hohenmölsen

Es sei unglaublich, dass der Gesetzgeber oder der Verbraucherschutz nicht einschreite, ärgert sich Leischner. „Die Vor-Ort-Apotheken werden streng überwacht, die Versandapotheken unter Berufung auf europäisches Recht aber nicht.“ Man stelle sich nur vor, wie beispielsweise Zäpfchen oder Salben ankämen, macht sie deutlich.

Rx-Versandverbot

Mit dem Postboten kam Leischner bei der Lieferung ins Gespräch: „Er erzählte mir, dass er mehrere Anfragen von Menschen hatte, die Insulin benötigten, und ob er einen Rat hätte, was sie tun sollen“, schildert sie. Die Personen hätten Bestellungen aufgegeben, die in Abholstationen geliefert wurden. „Ein Rx-Versandverbot ist das Mindeste, was her muss“, fordert Leischner deshalb. „Es ist doch unglaublich, dass trotz der Hitze Arzneimittel ausgeliefert werden.“

Über 35 Grad

Auch sie ließ ihren Testkauf in eine Abholstation liefern. Beim Öffnen des Faches stellte sie ein Thermometer hinein und las dann die Werte ab. „Es wurden 35,2 Grad Celsius angezeigt“, so Leischner. Eine andere DHL-Fahrerin habe ebenfalls bestätigt, dass es keine gute Idee sei, bei den hohen Temperaturen Medikamente zu bestellen. „In den Fahrzeugen gibt es keine Klimatisierung, erklärte sie mir“, so Leischner.

Gefühlt 60 Grad

Auch Christine Zentgraf, Inhaberin der Genius-Apotheke in Hilders, erfuhr Ähnliches. „Ich habe mich heute früh mit einer DHL-Fahrerin unterhalten. Es ging um das feuchtschwüle Wetter und die Hitze in der letzten Woche“, berichtet sie. „Sie erzählte von sich aus, dass die Fahrzeuge nicht klimatisiert sind und im Innenraum sehr hohe Temperaturen herrschen; sie sprach von gefühlten 60 Grad Celsius und mehr“, so die Inhaberin.

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