Tropfen täglich verabreicht

Säugling: Schwere Nierenschäden durch Vitamin-D-Vergiftung

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Berlin -

Erneut sorgt die Vergiftung eines Säuglings mit Vitamin D für Schlagzeilen. Was über den Fall bekannt ist.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hatte am Freitag auf den aktuellen Fall aufmerksam gemacht. Demnach trat im Juli eine lebensbedrohliche Vitamin D-Intoxikation bei einem Säugling auf, die nach ärztlicher Einschätzung höchstwahrscheinlich durch eine Fehlverabreichung eines Nahrungsergänzungsmittels in flüssiger Darreichungsform zustande kam. Das Produkt wurde laut BfR täglich verabreicht, sollte aber gemäß den Verzehrempfehlungen nur als Depotpräparat für Erwachsene in größeren Zeitabständen eingenommen werden.

Einige Tage vor stationärer Aufnahme entwickelten sich beim Säugling eine Trinkschwäche sowie eine Bewusstseinsstörung. Bei der Aufnahme zeigten sich eine schwere Hypercalcämie, eine massive Erhöhung des 25-OH-Vitamin D-Spiegels sowie ein stark unterdrückter Parathormonspiegel im Blut. Es folgte die Entwicklung einer klinisch schweren muskulären Hypotonie, eine Verkalkung des Nierengewebes (Nephrokalzinose) mit beginnender Niereninsuffizienz sowie neben einer respiratorischen Insuffizienz auch eine Gedeihstörung.

Weitere Informationen sind nicht verfügar, denn gemäß den gesetzlichen Vorgaben des Chemikaliengesetzes darf das Deutsche Vergiftungsregister (DVR) keine personenbezogenen Daten aufnehmen. Zusätzliche dem DVR vorliegende Daten dürfen im Hinblick auf den Datenschutz sowie dem Schutz besonders sensibler Gesundheitsdaten nicht geteilt werden.

Überdosierung mit Risiken

Vitamin D reguliert den Calcium- und Phosphatstoffwechsel, fördert die Knochenstabilität und trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. Doch eine zu hohe Aufnahme kann gesundheitliche Risiken mit sich bringen und zu einer Vergiftung (Hypervitaminose D) führen. Diese zeigt sich durch einen stark erhöhten Calciumspiegel im Blut (Hypercalcämie). Symptome hierfür können bei Säuglingen zum Beispiel Müdigkeit, Muskelschwäche, Erbrechen, Gewichtsverlust und Gedeihstörungen sein. Besteht eine Hypercalcämie über einen längeren Zeitraum, kann es zu gravierenden gesundheitlichen Auswirkungen kommen, insbesondere in Bezug auf die Nierenfunktion.

Säuglinge zählen zu den Risikogruppen für eine Unterversorgung, zum einen aufgrund des niedrigen Vitamin-D-Gehalts in Frauenmilch, aber auch, weil sie keiner direkten Sonnenbestrahlung ausgesetzt sein sollen, da sich ihr hauteigener Schutzmechanismus erst noch entwickeln muss. Daher wird in Deutschland für alle Säuglinge bis zum zweiten erlebten Frühsommer die tägliche Gabe von Vitamin-D-Präparaten in einer Tagesdosis von 400 bis 500 Internationale Einheiten (I. E.), entsprechend 10 bis 12,5 µg, empfohlen.

Schwerwiegende Symptome

In Deutschland wurden in den letzten Jahren mehrere Fälle von Vergiftungen bei Kindern und Erwachsenen berichtet. Bei Säuglingen wurden unter anderem folgende Symptome beschrieben: Trinkschwäche, Erbrechen, Schläfrigkeit, Muskelschwäche, Gewichtsverlust, Gedeihstörung, Verstopfung, vermehrte Urinausscheidung und Dehydration sowie Elektrolytentgleisung (Natrium erniedrigt, Calcium und Kalium erhöht). Bei einer über längere Zeit bestehenden Hypercalcämie kann es zu Nierensteinen und einer Nierenverkalkung bis hin zu einer gegebenenfalls irreversiblen Abnahme der Nierenfunktion kommen.

Für die in Deutschland standardmäßig ärztlich empfohlene Rachitisprophylaxe bei Säuglingen sollten nur Präparate verwendet werden, die Vitamin D in der empfohlenen Menge von 400 bis 500 I. E. beziehungsweise 10 bis 12,5 µg pro Tagesdosis enthalten. Präparate, die höher dosiert sind und/oder mit Verzehrempfehlungen zur wöchentlichen oder monatlichen Gabe versehen sind, bergen laut BfR ein erhöhtes Risiko für versehentliche Überdosierungen.

Vorsicht im Internet

Eltern und Erziehungsberechtigte sollten beim Kauf von Vitamin-D-Präparaten für Säuglinge – vor allem beim Erwerb aus dem Internet – darauf achten, dass diese für Säuglinge zur Rachitisprophylaxe geeignet sind. Die für Säuglinge ärztlich empfohlene Tagesdosis und die Gebrauchsinformation der Produkte sollten unbedingt befolgt werden, um eine Fehl- beziehungsweise Überdosierung zu vermeiden. Insbesondere sollten keine hochkonzentrierten flüssigen Präparate verwendet werden, da es hierbei schnell zu versehentlichen Überdosierungen kommen kann. Im Zweifel sollte kinderärztlicher Rat eingeholt werden.

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