Nach dem Skonto-Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) rutschte der Ertrag in vielen Apotheken in den Keller. Jetzt bieten die Großhändler wieder Skonti an – doch in der Branche herrscht Ernüchterung. Denn die ersten genannten Prozentsätze reichen lange nicht an Angebote früherer Zeiten heran. Branchenprimus Phoenix bringt im Gegenzug eigene Forderungen in die Verhandlungen mit.
In den Apotheken wird neu gerechnet, denn Skonti auf verschreibungspflichtige Arzneimittel außerhalb der gesetzlichen Spanne sind wieder erlaubt. Dabei geht es jedoch ausschließlich um handelsübliche Skonti, die als Gegenleistung für eine vor Fälligkeit geleistete Zahlung gewährt werden.
Inhaberinnen und Inhaber fragen deshalb aktuell gezielt nach den Möglichkeiten bei ihren Lieferanten. Phoenix biete den Apotheken 0,3 Prozent, sagt ein Inhaber. „Im Gegenzug wollen sie sogar Rx-Packungen fixieren und bei Unterschreitung dafür Gebühren kassieren“, sagt er. Dies solle ab November gelten. „Mögen die Spiele beginnen.“
Erfahrungsgemäß gibt der Marktführer in Mannheim den Richtwert auch für die Mitbewerber vor. Deshalb dürfte derzeit nicht viel mehr bei anderen Großhandlungen zu erwarten sein. Die Sanacorp etwa soll mit 0,45 Prozent in die Gespräche mit den Apotheken gehen.
Bei AEP sind es 0,7 Prozent bei Dekadenzahlung. Der Großhändler aus Alzenau hatte seinen Kundinnen und Kunden bereits vor dem Skonto-Angebot eine neue Rahmenvereinbarung vorgelegt. Darin wurde angekündigt, dass es keinen Nachlass bei Zahlung zum 15. oder zum 10./20. des Folgemonats geben werde.
In der Branche werden die Skonto-Sätze kritisch betrachtet, von Skonto-Fallen ist die Rede. Die Treuhand Hannover wies bereits im Juli darauf hin, dass entsprechende Vereinbarungen zu einem Liquiditätsverlust führten und damit zu Kapitalkosten. Fielen etwa wegen der vorfristigen Zahlung Überziehungszinsen oder Gebühren an, könne es schnell teurer werden. Auch Zinsen, die für anderweitig angelegtes eigenes Kapital verloren gehen, seien zu berücksichtigen.
„Für die meisten Apotheken ist das eigentlich völlig egal“, sagt auch ein Apothekenberater. „Die meisten Inhaber können sich das Skonto nicht leisten.“ Denn sie könnten nicht vorfällig zahlen, weil keine Liquidität vorhanden sei. Dann gingen sie einen höheren Kontokorrentkredit ein und verlören das Geld komplett. Außerdem werde Skonto nicht für den gesamten Rechnungsbetrag, sondern nur für Teilmengen gewährt.
Zudem wurde vorab bereits gewarnt, dass die Großhändler zwar wieder Skonti anbieten, aber gleichzeitig höhere Gebühren fordern würden. AEP etwa verweist auf einen „moderaten“ Anstieg von Gebührenpositionen. Hintergrund seien die gestiegenen Logistik- und Distributionskosten. Phoenix teilte bereits im Frühjahr mit, dass für jede nicht abgegebene Packungen ein Ausgleich kassiert werde.