Nach dem Verkauf der Nahrungsergänzungsmittelsparte an Stada will sich Orifarm auf den Pharmabereich fokussieren. Der dänische Parallelimporteur will mit Nischen-Generika in den kommenden fünf Jahren seinen derzeitigen Gesamtumsatz von 2 auf 3 Milliarden Euro steigern und das Ergebnis verdoppeln.
Orifarm ist nach eigenen Angaben die Nummer 1 unter den europäischen Parallelimporteuren. Diese Position will das Unternehmen, das nach wie vor in Familienbesitz ist, für Vorstöße in neue Geschäftsbereiche nutzen. So soll vor allem in den Generika-Bereich investiert werden, wie CEO Mads Fink Eriksen im Gespräch mit APOTHEKE ADHOC erklärt: „Wir planen eine spürbare Vergrößerung unserer Generikasparte.“
Konkret soll der Generika-Umsatz bis 2036 massiv ausgebaut werden – von zuletzt knapp 190 Millionen Euro auf eine Milliarde Euro. Zum Vergleich: Sandoz kommt in Europa auf Erlöse von rund 5,4 Milliarden Euro, gefolgt von Teva/Ratiopharm und Viatris mit jeweils rund 4,8 Milliarden Euro sowie Stada mit 1,7 Milliarden Euro.
Die Grundlage der Sparte bildet das Portfolio, das Orifarm im März 2020 für 615 Millionen Euro von Takeda gekauft hatte. Die Hälfte der Präparate seien verschreibungspflichtige Medikamente gewesen; vor allem in den nordischen Ländern habe man hier eine Führungsrolle, so Eriksen. Die Erfahrung wolle man nun für das internationale Wachstum nutzen. In den kommenden fünf Jahren soll die Anzahl der Neueinführungen verdoppelt werden.
Vor allem Nischen-Generika etwa sollen vermehrt und schneller auf den Markt kommen. „Wir werden ganz sicher nicht mit den Blockbustern aus Indien konkurrieren“, sagt Jutta Schnirring-Mayer; die frühere Ratiopharm-Geschäftsführerin ist seit Januar als Chief Business Development & Portfolio Strategy Officer (CBDO) für die Geschäftsentwicklung und Generikastrategie verantwortlich.
Stattdessen sollen ausgewählte Segmente im Bereich der Generika länderübergreifend aufgebaut werden; im Fokus stehen verschiedene Therapiebereiche wie die Onkologie oder Antiinfektiva, wo mit interessanten Patentabläufen zu rechnen ist. Entsprechende Bedeutung hat laut Schnirring-Mayer neben dem Apotheken- auch das Klinikgeschäft. Erste Einführungen habe es bereits gegeben, das seien aber noch nicht die Präparate, auf die es ankomme. Zukünftig sollen mehr Produkte rechtzeitig zum Patentablauf den Patientinnen und Patienten zur Verfügung gestellt werden.
Nischen-Generika definiert sie als Präparate mit einem europaweiten Umsatz von 20 bis 50 Millionen Euro und wenig Wettbewerb. Ziel sei es, Produkte abzudecken, die oft übersehen würden, weil die einzelnen Märkte zu klein seien, um größere Anbieter anzuziehen. Auch die Lieferketten wolle man im Blick behalten, um es gar nicht erst mit Engpässen zu tun zu haben.
Ein Alleinstellungsmerkmal soll laut Schnirring-Mayer auch die frühzeitige Markteinführung sein. „Wir wollen an Tag 1 nach Patentablauf liefern.“ Hier soll die Gruppe von einer starken Zentrale profitieren; die Bearbeitung in den einzelnen Märkten soll aber weiterhin vor Ort passieren. „Es gibt lokale Eigenheiten, die nur die Menschen vor Ort verstehen und berücksichtigen können.“ Hierzulande hat Orifarm rund 250 Mitarbeitende.
Die Sorge, dass wegen der Rabattverträge in diesem Segment nichts zu holen ist, hat man im dänischen Odense nicht. „Wir haben in Skandinavien bereits Erfahrungen mit Ausschreibungen und können sie häufig gewinnen und auch die Ware liefern“, sagt Eriksen. Außerdem setze man darauf, dass die europäische Produktion zunehmend berücksichtigt werde: Nicht alles, aber ein großer Teil der Ware soll aus den beiden Werken in Polen und Dänemark kommen, die Orifarm ebenfalls von Takeda übernommen hatte.
Auch im Parallelimport – heute mit 1,6 Milliarden Euro für den Löwenanteil des Umsatzes von 2 Milliarden Euro verantwortlich – sieht Eriksen nach wie vor großes Potenzial. „Wir sorgen nach wie vor für substanzielle Einsparungen in einem freien Markt – und wir sehen nach wie vor ein Wachstum. Insofern ist die Zukunft hier unverändert positiv.“
Dritte Säule soll der OTC-Bereich werden, der zuletzt ebenfalls mit 170 Millionen Euro von untergeordneter Bedeutung war. Hier hat Orifarm gerade ein Portfolio an Vitaminen und Nahrungsergänzungsmitteln an Stada verkauft, darunter Top-Marken, die in Skandinavien Nummer 1 oder Nummer 2 sind. Dennoch sei man nicht der richtige Eigentümer gewesen, sagt Eriksen. Denn hier gebe es keine allzu hohen Marktzugangsbarrieren; viele Produkte seien bereits in den Mass Market abgewandert. „Wir wollen uns komplett auf den Arzneimittelbereich fokussieren.“
Neben dem organischen Wachstum soll es auch Zukäufe geben – allerdings eher in überschaubarer Größe und nicht im dreistelligen Millionenbereich. Orifarm ist nach wie vor hoch verschuldet; zuletzt standen Bankverbindlichkeiten in Höhe von 670 Millionen Euro in der Bilanz. Vor zwei Jahren wurden die Kredite teilweise durch private Darlehen des Investors Carlyle abgelöst.
„Wir stehen heute viel besser da als noch vor einem Jahr“, sagt Eriksen. „Wir haben hinter den Kulissen die Herausforderungen der damaligen Übernahme abgearbeitet und haben unsere Kosten und unseren Cashflow im Griff. Wir können jetzt aus einer Position der finanziellen Stärke heraus operieren.“ Hinzu komme, dass das Generikageschäft deutlich profitabler sei als der Parallelimport: Schon heute steuerten Generika- und OTC-Bereich trotz des deutlich geringeren Umsatzes die Hälfte des Ertrags bei.
Orifarm soll daher auch weiterhin in Familienbesitz bleiben; es gebe keinerlei Pläne für einen Verkauf, einen Börsengang oder einen Minderheitsinvestor. Das Unternehmen wurde 1994 von Hans und Brigitte Bøgh-Sørensen gegründet; 2005 folgte hierzulande die Übernahme von Pharma Westen. Die Gruppe beschäftigt insgesamt 2300 Angestellte in 16 Märkten und hat ihren Deutschlandsitz in Leverkusen.