Kommentar

Biosimilars: Wo bleibt Reiche?

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Berlin -

In der vergangenen Woche erklärte Thomas Müller, Abteilungsleiter im Bundesgesundheitsministerium, klar: Biosimilars sind ein Zukunftsmarkt. Ziel für Deutschland müsse sein, davon einen Anteil abzubekommen. So weit, so richtig. Aber wieso steht hier niemand aus dem Wirtschaftsministerium auf der Bühne? Ein Kommentar von Lilith Teusch.

„Wir werden einen globalen Biosimilar-Markt sehen, weil Biologika in vielen Indikationen Therapiestandard sind“, prophezeite Müller. Länder wie China und Indien würden einen großen Hunger nach günstigen Biosimilars haben. „Die Frage ist eben, kriegen wir das hin, davon auch in Europa und in Deutschland einen Anteil der Wirtschaftsproduktion abzubekommen.“

Einen Anteil abbekommen und verhindern, dass die Wertschöpfung komplett in Drittländer abwandert – genau das müsste das Ziel sein. In der Vergangenheit hat Deutschland hier allerdings nicht geglänzt. Bei Schlüsseltechnologien wie Photovoltaik oder Batteriezellen ist der Standort längst abgehängt. Auch der Slogan „Deutschland Autoland“ zieht schon lange nicht mehr: Beim Wandel vom Verbrenner zur Elektromobilität hinkt die deutsche Automobilindustrie der globalen Konkurrenz hinterher. Und über die Entwicklung im Generikabereich muss man gleich gar nicht erst reden.

Nun droht sich im Biosimilar-Markt dasselbe Spiel zu wiederholen. Es ist völlig richtig, die Sozialausgaben zu begrenzen. Das darf aber doch nicht bedeuten, Deutschland im Wettbewerb um Zukunftsmärkte ohne Mittel dastehen zu lassen. Diese Mittel für Investitionsanreize dürfen aber natürlich nicht gleichzeitig über steigende GKV-Beiträge die Lohnnebenkosten in die Höhe treiben.

Wirtschaftsförderung und die Ansiedlung von Zukunftstechnologien sind eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe – sie gehören aus dem Bundeshaushalt finanziert. Das Wirtschafts- und Finanzministerium müssen aufhören, Aufgaben der Industriepolitik an das BMG zu übertragen – und die Zeche in die GKV zu verlagern.

Der ganze Konflikt „Lohnnebenkosten vs. Standortinvestitionen“ ist ein vorgeschobener. Wenn es um das Geld geht, müsste die Frage lauten: Wie viele Fördermittel hat der Finanzminister locker zu machen, damit Deutschland nicht auch im nächsten Zukunftsmarkt keine Rolle spielt, und wie kann gesetzlich Verlässlichkeit und Planungssicherheit für diese gewährleistet werden? Gefragt sind hier vor allem Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Denn auf lange Sicht, könnten die Mindereinnahmen deutlich schwerer wiegen als die Ersparnisse heute.

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