Apotheker Ahmad Obeid hat gepokert: Der Inhaber von zwei Apotheken in Stuttgart wollte seinen dritten Betrieb ohne Labor ausstatten. Während die Bauarbeiten für die Eröffnung im April liefen, wartete er auf die Betriebserlaubnis. „Ich war mir immer 100 Prozent sicher, dass die Apotheke ohne Labor kommen wird“, sagt der 35-Jährige. Als er nach Inkrafttreten der Apothekenreform die Zusage des Pharmazierats erhielt, waren Freude und Erleichterung groß.
In Stuttgart wird die erste Apotheke ohne eigenes Labor am Bahnhof in Feuerbach gebaut. Obeid erhielt vom Pharmazierat die Erlaubnis, dass er nach Inkrafttreten der Apothekenreform keinen gesonderten Raum mehr für die Prüfung von Arzneimitteln ausweisen muss. „Ich hatte schon immer vor, im April am Bahnhof in Feuerbach eine Apotheke neu zu gründen.“
Als die Möglichkeit diskutiert wurde, einen Betrieb ohne Labor gesetzlich festzuschreiben, stellte Obeid bereits einen Antrag. Zu früh, wie sich herausstellte. Der Pharmazierat habe dies nicht genehmigt. „Ich sollte mindestens 15 Quadratmeter für das Labor einplanen.“ Doch der Apotheker wollte warten, obwohl ihm die Fristen für die Baustelle im Nacken saßen. „Meine Mitarbeiter haben mich schon gewarnt und gesagt, ich soll nicht so viel riskieren, aber ich war mir sicher, dass das kommt.“
Tatsächlich wurde mit dem Inkrafttreten der Apothekenreform auch die Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) Ende September angepasst. Neu ist, dass eine Apotheke unter bestimmten Voraussetzungen kein eigenes Labor mehr braucht. Die Inhaberin oder der Inhaber muss dafür gewährleisten, dass die Feststellung der Identität von Arzneimitteln und Ausgangsstoffen in einer anderen Apotheke des Filialverbunds durchgeführt wird.
Gleich nach der Gesetzesnovelle schrieb Obeid den Pharmazierat erneut an und erhielt kurz darauf die Bestätigung und Erlaubnis, seine dritte Apotheke ohne Labor zu bauen. „Das war total schön, es hat sich gelohnt, zu warten“, sagt er. „Im April 2027 eröffnen wir die Apotheke am Bahnhof in Feuerbach. Nach unserem Kenntnisstand wird sie die erste Filialapotheke in Deutschland, die ohne eigenes Labor startet.“
Die Prüfungen übernehmen künftig die Labore in den beiden bestehenden Apotheken, der Apotheke im E-Center Feuerbach und der Apotheke Feuerbach Mitte. Beide liegen nur wenige Hundert Meter von der neuen Filiale entfernt. „So bleibt die gewohnte Qualität voll gesichert“, sagt er. „Es ist aus Kostensicht ein großer Vorteil, kein weiteres Labor aufbauen und betreiben zu müssen.“
Das Personal für die neue Filiale arbeitet bereits in den beiden bestehenden Apotheken mit. Mit Eröffnung der neuen Apotheke könne es gezielt für die Beratung und Versorgung der Patientinnen und Patienten eingesetzt werden. „Unser Projekt zeigt, wie Apotheken die neuen Spielräume ganz praktisch nutzen können, um Standorte im Verbund effizienter aufzustellen.“
Der freigewordene Bereich werde als großes Beratungszimmer geplant. Dort sollen Hautanalysen, Telemedizin und Bluttests durchgeführt werden. Obeid ist voller Tatendrang: „2026 eröffnete so viele neue Möglichkeiten für Apotheken, die ich alle in Anspruch nehmen will.“ Der Inhaber ist zuversichtlich, dass sein neuer Betrieb wirtschaftlich gut laufen wird. Der Bahnhof mit viel Laufkundschaft liege gegenüber und es werde ein großes Ärztehaus gebaut.
Obeid ist seit 2023 selbstständig. Ein Jahr später übernahm er seine erste Filiale. Erst vor zehn Jahren kam er als Asylbewerber aus dem Irak nach Deutschland, lernte die Sprache, kümmerte sich um eine deutsche Approbation und war als angestellter Approbierter tätig. „Die Sprache ist so wichtig, um seinen Weg in Deutschland zu finden“, betont er. In Bagdad arbeitete er zuvor bereits als Apotheker.