Für Apotheken hat sich in diesem Jahr viel geändert. Einiges bringt neuen Schwung in die Branche – wie die Möglichkeit, eine Filialapotheke ohne Labor zu führen. Dieser Schritt war längst überfällig. Die Modernisierung der Apotheke muss jetzt weitergehen, um mehr junge Inhaberinnen und Inhaber zur Selbstständigkeit zu motivieren. Ein Kommentar von Carolin Ciulli.
Was brauchen Apotheken, um bestehen zu können? Natürlich geht es dabei ums Geld, das Fixum muss auf eine angemessene Höhe steigen. Doch das Packungshonorar ist längst nicht mehr alles. Allein die Abgabe von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln kann nicht mehr reichen, um einen Betrieb in die Zukunft zu führen. Dazu haben sich die Gesellschaft und die Nachfrage der jüngeren Generation zu sehr verändert.
Dieser Wandel ist eine der großen Chancen für Apotheken. Denn mit mehr Impfungen, Blut- sowie Gentests und assistierter Telemedizin stellen sich Apotheken breiter auf. Angesichts der Konkurrenz aus der Drogeriebranche sollten Inhaberinnen und Inhaber dies dringend wagen und sich nicht wichtige Themen wie Immunschutz oder Frauengesundheit wegnehmen lassen.
Die Apothekenreform mit Neuerungen wie der Filialapotheke ohne Labor ist ein guter Schritt, der lange ersehnt und überfällig war. Wenn eine dazugehörige Apotheke mit Labor in der näheren Umgebung ist, muss nicht ein weiterer Betrieb mit der kompletten Inventarliste ausgestattet sein. Die Chefinnen und Chefs sparen sich nicht nur Geld für die Einrichtung und Instandhaltung. Der entstandene Platz und das Personal können für neue Dienstleistungen verwendet werden – für mehr Beratung, mehr Service, mehr echte, menschliche Nähe. Genau das ist es, was wir Menschen in Zukunft dringend vor Ort brauchen.
Bereits jetzt machen Inhaber vielerorts vor, wie Apotheke der Zukunft gelingen kann. Sie sind eine Motivation für junge Approbierte, die mit der Selbstständigkeit hadern und sollten zum Rollenvorbild werden. Der Ansporn, sich auf das Abenteuer Apotheke einzulassen, muss auch von der Standesvertretung stärker fokussiert werden. Noch immer zeigt ein Blick in die Zahlen, dass es viel zu tun gibt. Die Zahl der Neugründungen von Apotheken liegt im mittleren zweistelligen Bereich, zuletzt bei 62. Die Schließungen überwiegen dagegen mit 502 Standorten deutlich.
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