In München will der ehemalige Bienen-Apotheker Dr. Michael Grintz wieder eine vierte Apotheke neu eröffnen. Der Standort ist bereits gesichert – die Betriebserlaubnis ist beantragt. Das Besondere: Direkt nach dem Inkrafttreten der Apothekenreform schickte er seinen Antrag für eine Apotheke ohne eigenes Labor an die zuständige Behörde. Der wesentliche Punkt an dem Standort im Zentrum Münchens sei das Angebot von Gentests, sagt er.
Mit dem Inkrafttreten der Apothekenreform wurde auch die Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) angepasst. Neu ist, dass eine Apotheke unter bestimmten Voraussetzungen kein eigenes Labor mehr braucht. Die Inhaberin oder der Inhaber muss dafür gewährleisten, dass die Feststellung der Identität von Arzneimitteln und Ausgangsstoffen in einer anderen Apotheke derselben Betreiberin oder desselben Betreibers durchgeführt wird.
Grintz betreibt in München in Schwabing, Laim und Haidhausen bereits drei Apotheken unter der Dachmarke Apothekerei. Der langjährige Inhaber ist in der Branche dafür bekannt, bei gesetzlichen Neuerungen gerne vorn dabei zu sein. Er ist ein Versender der ersten Stunde, kooperiert mit Amazon für Same-Day-Delivery und beliefert auch Bestellungen über Wolt, Lieferando, Knuspr oder Uber Eats. „Ich will die ganze Stadt mit Fast-Delivery versorgen.“
In seiner geplanten dritten Filiale will er eine bereits seit Jahren angebotene Dienstleistung nach vorne bringen. „Ein wesentlicher Punkt dort ist die Umsetzung der Pharmakogenetik als pharmazeutische Dienstleistung (pDL)“, sagt er. Damit solle der „Medikamenten-Blindflug bei der Arzneimitteltherapie“ beendet werden, wirbt er. „Das Interesse der Patienten ist gewaltig.“
Mit der Anbindung an ein effektives Warenlager und ohne Sicht- oder Freiwahl wird die Apotheke einen Fokus auf das genetische Profil der Kundschaft legen. Grintz arbeitet dafür mit einem Dienstleister und einem Labor zusammen. Durch einen Mundschleimhautabstrich kann das Erbgut analysiert werden, das für den Medikamentenabbau im Körper zuständig ist.
In Österreich gehören pharmakogenetische Analysen bereits zu den Dienstleistungen in Apotheken. Jeder Mensch sei verschieden, wirbt dort die Apothekerkammer. Das gelte auch für die individuelle Reaktion auf Arzneimittel und deren Verstoffwechselung. In Deutschland sei noch eine Ärztin oder ein Arzt nötig, der die Patientin oder den Patienten darüber informiert. Doch diese Hürde hat Grintz im Griff. „Wir haben zwei junge Ärztinnen, die das in einem Telefontermin übernehmen.“
Aktuell gebe es 50 Vorbestellungen und die Lieferung der Testkits werde erwartet, sagt der Apotheker. Groß beworben werde die Genanalyse nicht, die Nachfrage sei durch Mundpropaganda entstanden. Seinen Kundinnen und Kunden will er im ersten Schritt eine „Notfallkarte“ anbieten. Darauf seien Informationen über die Verstoffwechslung verschiedener Wirkstoffe für die notärztliche Betreuung enthalten. Die Kosten dafür liegen bei knapp 160 Euro. Für weitere 100 Euro werden die aktuell eingenommenen Arzneimittel unter Berücksichtigung des Testergebnisses bewertet.
Grintz betont, dass gerade bei Rx- und OTC-Arzneimitteln bei manchen Menschen langsamere Verstoffwechslungen stattfinden. „Es gibt immer eine Abwandlung“, sagt er. Bei einer Patientin habe sich nach einer Zahn-OP etwa herausgestellt, dass bei ihr Ibuprofen nicht wirke. „In der Apotheke hören wir oft, dass Kunden Ibuprofen nicht vertragen, das steckt alles in den Genen.“