Vektornachweis

Zolgensma: Novartis bestätigt Tumorfälle

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Berlin -

Novartis hat weltweit neun Tumorfälle bei Kindern gemeldet, die zuvor mit der Gentherapie Zolgensma gegen eine seltene erbliche Muskelerkrankung behandelt worden waren. In zwei Fällen gibt es Hinweise auf einen Zusammenhang mit der Behandlung. Die 2019 als medizinischer Durchbruch gefeierte Therapie gerät damit wegen möglicher Sicherheitsrisiken in den Fokus.

Bei Zolgensma soll es zwei neu aufgetretene Sekundärtumore geben, bei denen der Nachweis von Vektorgen-Sequenzen direkt im Tumorgewebe (Insertionsonkogenese / Vektornachweis) erfolgt ist. Damit ist das in der Fachinformation beschriebene hypothetische Risiko zur Realität geworden.

Auf Nachfrage von APOTHEKE ADHOC hatte Novartis entsprechende Insider-Information vor zwei Wochen zunächst nicht bestätigen wollen. „Adeno-assoziierte Virus-Vektoren (AAV-Vektoren), wie sie bei Zolgensma und Itvisma eingesetzt werden, sind so konzipiert, dass sie eine funktionsfähige Kopie eines Gens in die Zellen einbringen, die überwiegend außerhalb der chromosomalen DNA der Patientinnen und Patienten verbleibt“, so eine Sprecherin. „AAV-Vektoren können sich in die menschliche DNA integrieren, was zur Entstehung von Tumoren führen kann. Dieses Risiko ist in den Fachinformationen von Zolgensma und Itvisma aufgeführt. Gemeldete Ereignisse werden entsprechend den regulatorischen Anforderungen geprüft.“

Jetzt hat der Konzern in einer Stellungnahme mitgeteilt, dass seit der Erstzulassung von Zolgensma im Jahr 2019 neun Meldungen über Tumore bei behandelten Kindern eingegangen sind. In zwei Fällen sei genetisches Material des für die Therapie verwendeten Transportmittels, des sogenannten Vektors, in der DNA der Patienten nachgewiesen worden. Beide betroffenen Kinder seien behandelt worden und würden weiterhin medizinisch überwacht.

Bislang wurden die Tumore von drei der neun betroffenen Kinder genauer untersucht, wie die britische Patientenorganisation SMA UK auf ihrer Internetseite schreibt. Während bei zwei davon eine Integration von Vektor-DNA nachgewiesen wurde, scheint bei einem dritten Tumor kein Zusammenhang mit der Behandlung zu bestehen. Die Informationen zu den betroffenen Kindern seien bislang begrenzt. Weitere Angaben der Zulassungsbehörden werden erwartet.

Zolgensma wird zur Behandlung der spinalen Muskelatrophie (SMA) eingesetzt. Bei dieser seltenen Erbkrankheit sterben Nervenzellen ab, wodurch die Muskeln zunehmend schwächer werden. Zolgensma wird Kindern unter zwei Jahren einmalig als Infusion verabreicht und schleust eine funktionsfähige Kopie des defekten Gens in die Zellen ein. Damit setzt das Mittel direkt an der Ursache der Krankheit an.

Laut Novartis haben seit der Zulassung weltweit mehr als 6000 Patienten im Rahmen klinischer Studien, spezieller Zugangsprogramme und regulärer Behandlungen Zolgensma erhalten.

Für Schlagzeilen sorgte die Therapie bei ihrer Markteinführung 2019 auch wegen ihres Preises: Mit rund 2,1 Millionen Dollar pro Behandlung je nach Land und Region galt es damals als teuerstes Medikament der Welt.

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