Keine Ware für Apotheke

Kontingentierung: „Ich wüsste gerne, wer hier lügt“

, Uhr
Berlin -

Tagelang auf ein bestelltes Medikament zu warten, ist für Constanze Kaim keine Seltenheit. Aktuell ärgert sich die Inhaberin der Apotheke im HausarztZentrum in Grafenrheinfeld bei Schweinfurt über Astellas: Der Konzern liefert das Inkontinenzpräparat Betmiga (Mirabegron) nicht mehr direkt, doch auch über den Großhandel war keine Ware zu bekommen. „Ich wüsste wirklich gerne, wer hier lügt.“

Betmiga kommt in Kaims Apotheke vergleichsweise selten vor, doch zuletzt legte eine Patientin wieder einmal ein Rezept über das Präparat vor. Auf Nachfrage teilte ihr der Hersteller mit, dass er nicht mehr direkt liefere. Die Apothekerin wurde an den Großhandel verwiesen, der nach Angaben des Konzerns zweimal pro Woche mit ausreichend Ware beliefert werde.

Doch keiner ihrer beiden Lieferanten konnte aushelfen. Drei Tage lang wartete die Apothekerin darauf, dass das Präparat wieder verfügbar sein würde. Fehlanzeige: Man bekomme selbst viel zu wenig Ware geliefert und das auch nur einmal pro Woche, teilten ihr die Großhändler mit.

„Schwarzer Peter hin, schwarzer Peter her. Seit Jahren geht das so, wann hört das endlich auf?“, fragt Kaim. „Ich sitze dazwischen und kann meine Patientin nicht versorgen, es ist ein Skandal!“

Ihr sei klar, dass im Hintergrund Spielchen über Rabatte gespielt würden. „Ich wüsste wirklich gerne, wer hier lügt.“ Tagelang auf Ware warten zu müssen, habe für sie nichts mit dem vollversorgenden pharmazeutischen Großhandel zu tun.

„Den Zirkus gibt es ja leider bei ganz vielen Medikamenten“, so Kaim. Andere Hersteller lieferten wenigstens über Pharma Mall, das sei zwar aufwendig und ökonomisch fragwürdig, aber immerhin komme man so an Ware. In anderen Fällen müssten Apotheken und Kund:innen darum bangen, überhaupt rechtzeitig an das benötigte Medikament zu kommen. „Das letzte Mal mussten wir 14 Tage warten!“

Diesmal habe sie beim Großhandel ziemlichen Rabatz gemacht, womöglich sei deswegen dann doch noch das Arzneimittel gekommen. „Vielleicht hat man mich deswegen vorgezogen.“

Jetzt kostenlos weiterlesen!
Einfach anmelden bei APOTHEKE ADHOC plus – komplett kostenfrei.
Weil guter Journalismus unbezahlbar ist.
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Neuere Artikel zum Thema