Hersteller ignoriert Zeitdruck

Dringendes Medikament: „Patient soll woanders hingehen“

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Berlin -

Ein Inhaber wollte ein verschreibungspflichtiges Medikament zur Behandlung von Hyperkaliämie beim Großhandel bestellen. Da das Präparat dort nicht lieferbar war, versuchte er es über Pharma Mall. Das Problem: Der Vorgang sollte 14 Tage dauern, da zunächst eine Kundennummer angelegt werden müsse, erklärte der Hersteller.

Kürzlich wurde in der Elefanten-Apotheke in Oelde ein Rezept über Lokelma vorgelegt. Das Arzneimittel mit dem Wirkstoff Natriumzirconiumcyclosilicat wird zur Behandlung von Hyperkaliämie benötigt. „Wir haben versucht, Lokelma über unseren Großhandel zu bestellen“, berichtet Inhaber Thomas Haddenhorst. „Beim Großhandel war das Arzneimittel aber zu diesem Zeitpunkt nicht verfügbar“, erklärt er.

Erst Kundennummer anlegen

Allerdings habe er im Warenwirtschaftssystem den Hinweis erhalten, dass eine Bestellung über Pharma Mall möglich sei. „Also gut, dann bestellen wir eben über Pharma Mall, dachte ich“, so Haddenhorst. „Am Mittag kam aber dann eine Mail von AstraZeneca, dem Hersteller von Lokelma. In dieser wurden wir zum Ausfüllen eines Kundenstammblattes aufgefordert.“ Auch das habe er dann umgehend gemacht und selbiges sofort zurückgemailt.

14 Tage Wartezeit

„Kurz darauf erhielt ich einen Anruf von einer Mitarbeiterin von AstraZeneca, sie bestätigte, dass wir heute Lokelma bestellt hätten“, so Haddenhorst. „Die Auslieferung würde sich aber leider um mindestens 14 Tage verzögern, hieß es.“ Der Grund: „Derzeit finde eine Überprüfung der Kundenstammdaten statt, teilte man mir mit.“ Damit erfolge eine Neuanlage einer Kundennummer, so der Inhaber. „Dieser Vorgang nehme mindestens zwei Wochen Zeit in Anspruch. Vorher könnte auch keine Auslieferung erfolgen“, ärgert er sich.

Dringendes Arzneimittel

„Mein Einwand, dass es sich schließlich nicht um Smarties, sondern um dringend benötigte Arzneimittel handele, wurde lapidar damit abgetan, dass ich die Bestellung auch stornieren könnte“, so Haddenhorst. „Da wäre man dann kulant. Oder wir müssten halt warten. Eine Beschleunigung dieses formalen Vorganges wäre nicht möglich“, erklärt er.

Haddenhorst insistierte: Immerhin spreche man hier von einem Arzneimittel zur Behandlung von Hyperkaliämie. Die Mitarbeiterin sagte laut Apotheker wortwörtlich: „Dann muss der Patient eben woanders hingehen!“

Er kann diese Art und Weise gar nicht nachvollziehen: „Das Medikament wäre schon dringend, wenn es nicht zu Herzproblemen führen soll“, macht er klar. Ein plötzliches Absetzen von Lokelma kann dazu führen, dass der Kaliumspiegel im Blut wieder gefährlich ansteigt. Die Folgen wären Herzrhythmusstörungen und lebensbedrohliche Herzkomplikationen. „Ich finde diese Antwort mehr als überheblich“, betont er.

„Spottet jeder Beschreibung“

„Wo sind wir eigentlich? Wieso dauert die Neuanlage einer Kundennummer 14 Tage? Was machen die in der Zeit?“ Und weiter: „Erstens schafft es der Hersteller nicht, eine ordnungsgemäße Versorgung über den Großhandel herzustellen, und zweitens wird Zeit verbummelt, indem man sich für Formalien eine Bearbeitungszeit herausnimmt, die jeder Beschreibung spottet.“

Mittlerweile habe er das Arzneimittel doch noch über den Großhandel bekommen und den Patienten versorgen können. „Wir hatten in dem Fall Glück, dass es kurzfristig doch wieder lieferbar war“, so Haddenhorst. „Normalerweise laufen die Bestellungen über Pharma Mall reibungslos“, erklärt er. „Dass sich ein Hersteller aber so querstellt, das habe ich noch nicht erlebt.“

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