Betrieb läuft in Eigenverwaltung

Sanicare ist insolvent

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Berlin -

Nächste große Pleite im Apothekenmarkt: Die Versandapotheke Sanicare mit Sitz in Bad Laer ist zahlungsunfähig. Die Betreibergesellschaft BS-Apotheken OHG von Christoph Bertram und Heinrich Meyer meldete Insolvenz an. In einem Schreiben an Geschäftspartner wurde auf die Eigenverwaltung verwiesen: Oberstes Ziel sei die Fortführung des Unternehmens, heißt es darin. 

Sanicare ist nach 2012 erneut in die Insolvenz gerutscht. In dem Schreiben an Lieferanten geben sich die geschäftsführenden Gesellschafter selbstbewusst: „Wir möchten betonen, dass es sich nicht um eine Insolvenz im klassischen Sinn handelt, sondern um ein Eigenverwaltungsverfahren, also einem Sanierungsverfahren mit dem obersten Ziel der Unternehmensfortführung. Deshalb wurde auch kein Insolvenzverwalter bestellt.“ Die bisherige Geschäftsführung bleibe vollumfänglich im Amt und sei auch uneingeschränkt handlungsfähig. „Ziel der Fortführung ist es, das Unternehmen im Rahmen eines Eigenverwaltungsverfahrens auf Basis eines abgestimmten Sanierungs- und Zukunftskonzepts noch besser aufzustellen und weiterhin dauerhaft als starken Partner am Markt zu etablieren.“

Arbeit an Insolvenzplan

Eine ausführliche Liquiditätsplanung und ein Cash Management für die nächsten Monate seien erstellt, heißt es weiter. Die Versandapotheke bittet um Zusammenhalt: „Die avisierte Sanierung kann allerdings nur mit Ihrer Unterstützung gelingen; denn die Umsetzung des beabsichtigten Insolvenzplans – und damit die bestmögliche, über die obligatorische Quote hinausgehende Befriedigung der Gläubiger – kann nur gelingen, wenn unsere Partner jetzt weiterhin zu uns halten. So wie wir schon das Vertrauen des Insolvenzgerichtes besitzen, bitten wir auch um Ihr Vertrauen in unsere Leistungsfähigkeit. Die Ihnen vertrauten Mitarbeiter bleiben auch weiterhin Ihre bewährten Ansprechpartner.“

Gründe für die Insolvenz

Seit der Einführung des E-Rezepts haben ausländische Versender mit großangelegten Kampagnen um Aufmerksamkeit geworben. Das dürfte auch an Sanicare nicht spurlos vorbeigegangen sein. Als Grund für die finanzielle Schieflage nennt das Unternehmen auf Nachfrage sinkende Erträge: „Insbesondere rückläufige Umsätze bei gleichzeitig hohen Investitionskosten in die Infrastruktur haben die BS-Apotheken OHG in finanzielle Schwierigkeiten gebracht. Ziel des vorläufigen Eigenverwaltungsverfahrens ist eine Straffung der laufenden Kosten und eine nachhaltige positive Ertragsentwicklung.“

Verfahrenseröffnung im Herbst

Zudem werden die Geschäftspartner darüber informiert, dass Leistungen aus der Zeit vor der Anordnung des vorläufigen Eigenverwaltungsverfahrens nicht bedient werden können. Das eigentliche Verfahren soll vorläufig im Oktober eröffnet werden. Dann könnten die Ansprüche beim Sachverwalter gestellt werden.

Auf Nachfrage heißt es, der Geschäftsbetrieb laufe „uneingeschränkt weiter“. Bertram und Meyer erklären: „Mit den eingeleiteten Restrukturierungsmaßnahmen stellen wir unser Unternehmen zukunftsfähig auf und schaffen die Grundlage für eine nachhaltig erfolgreiche Entwicklung. Wir sind überzeugt, die anstehenden Herausforderungen erfolgreich zu bewältigen und blicken zuversichtlich nach vorn.“ Die zur OHG gehörenden Apotheken stünden seit vielen Jahren für eine „verlässliche pharmazeutische Versorgung, hohe Qualitätsstandards und kompetente Beratung aus Deutschland“. Gemeinsam mit Partnern sei ein leistungsfähiges Netzwerk aufgebaut worden, das sich durch Fachkompetenz, Serviceorientierung und eine enge Zusammenarbeit auszeichnet. „Gerade in der aktuellen Restrukturierungsphase ist das Vertrauen unserer Kundinnen und Kunden, unserer Apothekenpartner, unserer Lieferanten und unserer Hersteller für uns von besonderer Bedeutung.“

Mönter gründete Sanicare

Sanicare hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Die Marke geht auf den Apotheker Johannes Mönter zurück, der in Bad Laer in den 1970er Jahren seinen ersten Betrieb gründete. 1998 eröffnete er die erste Sanicare-Apotheke. Zuletzt gehörten zum Millionen-Imperium nicht nur die Versandapotheke, sondern auch die Geschäftsbereiche „Krankenhausversorgung und Großkunden“, „Home-Care und Ärztebedarf“ und mehrere Vor-Ort-Apotheken. Mönter war außerdem Betreiber eines medizinischen Versorgungszentrums in Bad Laer.

Bertram kam im Februar 2001 zu Sanicare. An der Gründung der Versandapotheke im Jahr 2004 war er laut eigenen Angaben auch beteiligt. Seit Juli 2016 ist er Geschäftsführender Gesellschafter. Meyer ist genauso lange an Bord. Er übernahm nach dem Tod des Gründers im Jahr 2012 die Verwaltung und stieg danach als leitender Apotheker ein.

Im selben Jahr rutschte Sanicare erstmals in die Insolvenz. 2013 wurde sie von Dr. Volkmar Schein mit Unterstützung der Kooperation Pharm-Net übernommen. 2016 zog sich dieser komplett aus dem operativen Geschäft zurück und verstarb im August desselben Jahres.

Führende deutsche Versandapotheke

Sanicare zählt mit einem Umsatz von rund 80 Millionen Euro zu den führenden Versandapotheken. Zum Unternehmen gehören 74 Mitarbeitende. Rund 1,6 Millionen Kundinnen und Kunden werden betreut. 2025 kam Marcus Dieckmann zum Versender, um als Chief Strategy, Digital & eCommerce Officer dem Versender zum Comeback zu verhelfen – und strategische Investoren zu finden. Zeitgleich wurde angepeilt, beim Umsatz erstmals die 100-Millionen-Euro-Marke zu erreichen.

Wie bei anderen Versendern hierzulande ist der eigentliche Apothekenbetrieb eingebettet in ein Netzwerk verschiedener Kapitalgesellschaften, über die beispielsweise der Einkauf abgewickelt wird oder die etwa die Markenrechte oder die Domain gehalten werden. Zuletzt wurde eine Expansion angekündigt. Mit Investorengeldern wollte sich die Gruppe in den Niederlanden ein zweites Standbein aufbauen.

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