„Nicht die Flinte ins Korn werfen“

Sanicare: 14 Millionen Euro im Minus

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Berlin -

Sanicare steckt mitten in der Insolvenz. Den Inhabern Christoph Bertram und Heinrich Meyer sind unter anderem Expansionspläne auf die Füße gefallen. Doch sie wollen sich aus der finanziellen Krise stemmen. „Unser oberstes Ziel ist es, das Unternehmen zu retten“, sagt Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht Hans Fritsche von der Kanzlei Buchalik Brömmekamp Rechtsanwälte (BBR). 

Seit Mitte Juli befindet sich die BS-Apotheken OHG im vorläufigen Insolvenzverfahren. „Unser Ziel ist es, dass es auch weiterhin Sanicare als Versandapotheke gibt. Wir wollen der europäischen Konkurrenz eine deutsche Versandapotheke entgegensetzen“, sagt Fritsche. Geplant sei aktuell, sowohl die verschiedenen Vertriebskanäle – etwa über Amazon – als auch die verschiedenen Marken (Aliva, Medicaria) und die beiden Vor-Ort-Betriebe beizubehalten.

Hohe Kosten und Fehlinvestitionen

Die finanzielle Schieflage habe sich bereits länger abgezeichnet. „Allgemeine Kostensteigerungen auf Personal und Produkt- und Warenseite haben dazu geführt. Außerdem waren größere Umsätze im Versand geplant. Wenn man die Strukturen im Bereich Technik und Personal dafür aufbaut und diese dann ausbleiben, kann man die aufkommenden Kosten nicht mehr mit Sparmaßnahmen decken“, sagt Fritsche. Insgesamt beliefen sich die Verbindlichkeiten auf rund 14 Millionen Euro.

Zudem seien historisch Strukturen aufgebaut worden, die nicht kosteneffizient sind. „Es gibt viele Gesellschaften, die man an sich in einer Gesellschaft abwickeln könnte.“ Dieses Firmengeflecht soll aufgelöst werden: Die Unternehmen wurden etwa für die Versandabwicklung und den Einkauf, für den Betrieb des Online-Shops oder für die Buchhaltung betrieben. „Das haben Beteiligte von früher so aufgebaut. Hier sehen wir deutlich, dass es Sinn ergibt, zu restrukturieren und zu bündeln.“ Weitere Ineffizienzen gebe es etwa IT-seitig beim Webshop, der in Teilen veraltet ist.

Sanicare sucht Investor

Mit einem Investor soll finanzielle Sicherheit in den Betrieb geholt werden. Aktuell sei man auf der Suche und Gespräche liefen bereits, sagt Fritsche. „Wir wollen damit Stabilität gewinnen und suchen einen Investor im gesetzlich zulässigen Rahmen, dass die Apothekenzulassung nicht gefährdet wird.“ Der Geldgeber könnte als neuer Partner über einen Dienstleister auftreten, der mit Sanicare kooperiert. Nach diesem Modell hat sich etwa die Berliner Versandapotheke Aponeo finanzielle Unterstützung geholt.

Höchste Priorität habe aktuell die Sanierung. „Das Verfahren in Eigenverwaltung ist kein Scheitern, sondern eine Chance, tiefgreifend zu restrukturieren. Wir sind optimistisch, was die Zukunftschancen angeht“, so Fritsche. „Es gibt keinen Grund, die Flinte ins Korn zu werfen. Aus meiner Erfahrung heraus habe ich den Eindruck, dass es in der gesamten Branche den Wunsch gibt, dass eine deutsche Versandapotheke am Markt bestehen bleibt.“

Druck aus Holland

Natürlich spürt Sanicare auch den Druck ausländischer Versender. Dort gebe es Wettbewerbsvorteile, die es in Deutschland nicht gibt. „Das ist unfair“, so Fritsche. Er geht jedoch davon aus, dass etwa der versprochene Zuzahlungserlass nicht dauerhaft angeboten werden könne. „Man muss sich fragen, wie lange dies aufrechterhalten werden kann. Das kann angesichts der dünnen Margen im Rx-Bereich kein dauerhaftes Geschäftsmodell sein, sondern es geht um kurzfristige Kundengewinnung. Natürlich bleibt es eine Herausforderung.“

Die Neuausrichtung etwa vertriebsseitig sei aktuell noch kein Thema. „Aktuell stecken wir mitten in der Analyse, auch was das Personal angeht. Wir wollen Entlassungen vermeiden, das ist ein sensibles Thema. Denn es ist nicht leicht, qualifiziertes Personal zu finden.“ Insgesamt gehören zur Gruppe 225 Beschäftigte, davon 70 pharmazeutische Fachkräfte. Die Kundenzahl liegt bei rund 1,6 Millionen Menschen.

Gerüchte um Insolvenz

Fritsche weiß um die Brisanz des Falls. „Bei jeder Sanierung gibt es Gerüchte im Markt, um Zweifel am Geschäftsmodell zu streuen.“ Der Jurist wehrt diese jedoch ab. „Es gab keine Vermögensverschleppungen, wir haben einen Sachwalter, der dies genau prüft.“ Wenn ein Investor gefunden werde, könne das Verfahren innerhalb des nächsten halben Jahres beendet sein, sagt er.

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