In Ulm ging in dieser Woche eine 458 Jahre währende Tradition zu Ende: Die Mohren-Apotheke am Münsterplatz schloss für immer ihre Tür. Grund für das Aus mitten in der Innenstadt sei fehlendes Personal gewesen, heißt es. Auch einen Nachfolger habe die Inhaberin nicht finden können.
Mit der Schließung in der Innenstadt geht nicht nur ein Stück Stadtgeschichte verloren, sondern auch die Apothekengeschichte der Eigentümerfamilie. Ein Vorfahre der bisherigen Inhaberin Barbara Itschert-Warth hatte die Apotheke 1873 übernommen und seither immer weitervererben können. 2005 hatte sie selbst die Apotheke von den Eltern übergeben bekommen, nachdem sie sie bereits etwa 20 Jahre zuvor begann, diese mitzuführen.
Laut der „Augsburger Allgemeinen“ bedankten sich die Kund:innen am letzten Tag noch einmal bei Itschert-Warth, unter anderem mit Blumen. Auch fassungslos seien manche gewesen wegen der unerwarteten Schließung. David Regulus Villinger hatte die Apotheke im Jahr 1568 gegründet. Damals sei das Ulmer Münster vor der Tür sogar noch im Bau gewesen. Die Apotheke hat ihren heutigen Standort erst seit etwa 70 Jahren gehabt.
Für die Inhaberin war der Mittwoch laut Bericht ein sentimentaler Tag mit vielen Abschiedsworten. „Ich bin in Apotheken aufgewachsen“, erzählt Itschert-Warth der Regionalzeitung. Demnach seien die Räume mit vielen Kindheitserinnerungen verbunden. „Wie der ganze Laden damals geduftet hat, wenn dort Pfefferminzplätzchen hergestellt und in Tütchen abgepackt wurden.“
Der Abschied fiel der Inhaberin nicht leicht: „Ich kann die Welt nicht ändern, also muss ich mich verändern“, sagt sie der Zeitung. „Ich wollte noch genug Mitarbeiter finden für die Zukunft. Es ist mir nicht gelungen.“ Neuneinhalb Stunden jeden Tag geöffnet, Notdienste, niemand in der Familie, der den Betrieb übernehmen wollte. Sie sei damals von ihrer Oma „auserwählt“ worden, die Apotheke weiterzuführen.
Während dieser Zeit wurde die Inhaberin auch auf harte Proben gestellt, wie durch die Corona-Pandemie und einer Rassismusdebatte um den Apothekennamen, die sich ebenfalls 2020 entfaltete. Das „M“ im Apothekenschriftzug an der Fassade wurde dafür in Ketten gelegt. „Wir hatten immer eine positive Einstellung zu unserem Mohr. Das war immer Wertschätzung“, so Itschert-Warth. Der Name blieb aus Überzeugung – so wie es auch in anderen Mohren-Apotheken gehandhabt wurde.
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