Mit der kalten Jahreszeit nehmen Infektionskrankheiten wie Grippe und Corona wieder an Fahrt auf. Auch Apotheken bieten Schutzimpfungen an. „Das Interesse ist sehr groß“, berichtet Andrea Eertmoed, Filialleiterin der Fresena-Apotheke in Hinte. „Das Telefon steht kaum still, wir sind gut zwei Wochen im Voraus ausgebucht.“ Auch das Interesse von Apothekerinnen und Apothekern an Impfschulungen ist so groß, dass es aktuell keine verfügbaren Plätze gibt.
Schon weit über 200 Grippeimpfungen wurden in der Fresena-Apotheke seit Anfang Oktober vorgenommen, dazu kommen noch einmal knapp 50 Coronaimpfungen. „Die Termine laufen gerade erst an“, erklärt die Filialleiterin. Allein diese Woche sind weitere 60 Impfungen eingeplant.
In der Gemeinde gebe es aktuell nur eine einzige Hausarztpraxis. Das macht die Apotheke als ergänzendes Angebot attraktiv. Allerdings bekomme die Apotheke auch Kundschaft von außerhalb. „Wir können auch Termine in Randzeiten anbieten, in denen die Praxen nicht mehr geöffnet haben“, sagt sie. Zudem habe nicht jede Kundin oder jeder Kunde einen Hausarzt.
Mit ihrem Impfangebot steht die Apotheke allein auf weiter Flur. „Wir hatten noch eine weitere Apotheke in der Gegend, die geimpft hat, allerdings musste sie Anfang des Jahres leider schließen.“
Die Gründe für Apotheken, sich gegen das Anbieten von Impfungen zu entscheiden, seien vielfältig: „Viele haben die Räumlichkeiten nicht oder schlicht nicht genug Personal.“
Das Impfangebot sei natürlich auch aufwendig und viel verdiene man daran nicht. „Es lohnt sich nicht, wenn man nur ein paar Impfungen im Jahr macht“, erklärt sie. Schließlich müssten Schulungen, Buchungsplattformen und Meldeportale auch bezahlt werden. „Wir haben das Glück, dass wir hier drei Approbierte sind, die die Schulung haben.“
Auch einen Schulungsplatz zu ergattern, sei kein leichtes Unterfangen. Eine ihrer Kolleginnen habe die Schulung erst kürzlich abgeschlossen. Sie sollte eigentlich bereits im vergangenen Jahr an einer teilnehmen, sei dann aber wegen Krankheit kurzfristig ausgefallen. Auf den nächsten freien Termin habe sie nun gut ein Dreivierteljahr warten müssen.
Ein Einzelfall sei das nicht. Auch in der Hauptapotheke habe eine Kollegin schlicht keinen Platz bei der Apothekerkammer Niedersachsen (AKNS) organisiert bekommen und habe glücklicherweise in Hamburg teilnehmen dürfen.
Seit 2020 sind nach AKNS-Angaben in rund 70 Seminaren mehr als 1700 Apothekerinnen und Apotheker geschult worden. „Aktuell sind alle Fortbildungsveranstaltungen zur Durchführung von Schutzimpfungen ausgebucht. Das Interesse der Apothekerinnen und Apotheker ist sehr groß“, erklärt eine Sprecherin auf Anfrage. „Wir führen derzeit mehrere Interessentenlisten mit Apothekerinnen und Apothekern, die sich nach dem bereits bestehenden Curriculum schulen lassen möchten.“ Die nächsten Schulungen sollen demnach Anfang Januar stattfinden.
„Darüber hinaus plant die Apothekerkammer Niedersachsen zurzeit auf Grundlage des neuen Curriculums weitere Schulungen. Konkrete Angaben zu den Terminen und zur Anzahl der Schulungen können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht machen“, so die Sprecherin weiter.
Eine weitere Sorge, die Apotheker mit Blick auf das Impfen haben, ist es, sich mit den Ärztinnen und Ärzten zu verscherzen. „Man sollte offen in die Kommunikation gehen“, rät Eertmoed. Viele Medizinerinnen und Mediziner hätten Angst, dass ihnen etwas weggenommen werde. Deshalb habe die Apotheke ihr Impfangebot in den vergangenen Jahren auch nicht groß beworben. „Wir wollen den Ärzten nichts wegnehmen, wir wollen das Angebot ergänzen“, betont sie. „Wir wollen die Impfquote doch insgesamt erhöhen – da ist es nur zum Vorteil aller, wenn Leute mithelfen wollen.“
Wenn die Hausärzt:innen ihre Patienten selbst impfen, dann gebe es immer noch genug Menschen ohne Hausarztpraxis, für die die Apotheken einen einfachen und niederschwelligen Zugang schaffen können.
Mit der Apothekenreform sollen die Apotheken künftig gegen weitere Erkrankungen impfen dürfen. „Wir werden das Angebot erweitern und haben uns auch schon auf die Wartelisten für die Schulung setzen lassen“, freut sich Eertmoed. Auch die Kunden würden bereits angeregt danach fragen.
Das Impfen könnte durch die Erweiterung auch für die Apotheken attraktiver werden. Jetzt sei das Impfgeschäft auf drei Monate komprimiert, so könnten die Apotheken das ganze Jahr über Angebote machen.