Dr. Juliane Iltgen-Breburda hat in ihrem zurückliegenden Notdienst eine besondere Anfrage erhalten. Ein Mann kam in ihre Kur-Apotheke in Kirchzarten, um ein OTC-Präparat gegen Schmerzen zu holen – denn seine Bestellung bei einer Versandapotheke hatte sich verspätet.
Iltgen-Breburda ist seit zehn Jahren selbstständig, seit anderthalb Jahren führt sie mit ihrer OHG-Partnerin Dr. Sybille Koch-Göpfrich drei Apotheken. Sie ist notdiensterfahren. Vor einer Woche war sie wieder zum Dienst eingeteilt. Mehr als 70 Beratungsgespräche habe es von Sonntag auf Montag gegeben, sagt sie.
Eines davon fiel etwas anders aus. Ein Patient sei hilfesuchend vor der Tür gestanden und habe geklingelt, sagt die Inhaberin. Er benötigte dringend ein Schmerzmittel gegen eine Entzündung im Mundraum. Sein bei einer Versandapotheke bestelltes Arzneimittel sei noch nicht angekommen und die Schmerzen mittlerweile zu stark. Deshalb suchte er die Vor-Ort-Apotheke auf.
Diese Aussage sei „nicht spurlos an mir“ vorbeigegangen, so die Apothekerin. „Ich habe ihn gefragt, ob er gerade hört, was er sagt.“ Denn man fühle sich in so einem Moment „sehr ausgenutzt“. Immerhin stehe sie hier an einem Wochenende und leiste Notdienst. „Ich habe ihm gesagt, dass sich das wie eine Ohrfeige anfühlt.“ Der Mann sei daraufhin nachdenklich geworden.
„Für ihn war meine Erklärung in Ordnung. Er fand es gut, dass ich es gesagt habe und wollte es bei sich zuhause besprechen.“ Natürlich sei der Mann ordentlich versorgt worden, betont Iltgen-Breburda. Dennoch habe sie sich über die Aussage geärgert. „Es war gut, darüber zu sprechen.“ Auch in einem Facebook-Video schilderte sie die Begegnung und appellierte, die wohnortnahen Strukturen wie Apotheke, Einzelhandel, Schuh- oder Lebensmittelgeschäfte zu unterstützen. Die Resonanz auf den Beitrag sei überraschend gewesen, so die Apothekerin. „Es ist wichtig, zu sensibilisieren.“
Auch die Verfügbarkeit im Notdienst sei kein Problem. Von Sonntag auf Montag sei es nur einmal vorgekommen, dass ein verschreibungspflichtiges Augenpräparat nicht beliefert werden konnte, sagt sie. Dass die Kundschaft versorgt wird, ist für die Inhaberin wichtig. Deshalb telefonierte sie mehrfach mit behandelnden Ärztinnen und Ärzten, um die Therapie nach Rücksprache anzupassen und Medikamente auszutauschen.
„Ich wurde auch von einer Ärztin angerufen, die gefragt hat, welches Präparat bei uns vorrätig ist, um gleich das richtige aufzuschreiben.“ Das sei eine gute Hand-in-Hand-Arbeit gewesen. „Wir fahren für den Notdienst die Bestände in unseren drei Apotheken hoch und stellen sicher, dass wir genug Antibiotika, Augen- oder Fiebermittel sowie saisonale Arzneimittel vorrätig haben.“