In der Wissenschaft gibt es beim Thema Sonnenschutz eine Kehrtwende vom starren Dogma der „No Sun Policy“ hin zu einer ganzheitlichen Betrachtung. Die schädlichen Effekte der UV-Strahlung – wie das erhöhte Hautkrebsrisiko oder zelluläre Hautschäden – stehen nach wie vor außer Frage, doch eine wohldosierte Sonnenexposition scheint auch langfristig Vorteile zu haben. Studien stellten sich vermehrt der Frage: „Lebe ich länger oder lebe ich kürzer, wenn ich mehr in der Sonne bin?“. Mehr dazu im APOTHEKE ADHOC Webinar „HV-Deep-Dive: Das Sonnendilemma.
Im APOTHEKE ADHOC Webinar „HV-Deep-Dive: Das Sonnendilemma“ powered by Apotheken Umschau sprach Moderatorin Lena Ungvári mit Dr. Stefan Pilz, Leiter der endokrinologischen Ambulanz an der Medizinischen Universität Graz, und dem Dermatologen Professor Dr. Jörg Reichrath. Zusammen mit ihnen ging sie dem Sonnenschutz-Dilemma auf die Spur und klärte auch, wie sich dieses auf die Beratung im HV auswirkt.
Die Wissenschaftliche Lage: Große Beobachtungsstudien unter anderem aus Skandinavien und Großbritannien zeigen laut Pilz, dass Menschen mit höherer UV-Exposition im Schnitt länger leben. Auch seien Todesfälle aufgrund von Herz-Kreislauf- oder Krebserkrankungen seltener.
„An dem Wissen, dass Sonne Schäden an der Haut verursachen kann, dass das Hautkrebsrisiko steigen kann – da hat sich nichts geändert“, so Pilz im Webinar. „Aber dieser enge Blickwinkel auf die negativen Effekte der Sonne hat sich in den letzten Jahren deutlich geändert und erweitert. Denn der Fokus der Forschung ist sehr in die Richtung gegangen: Was gibt es für positive Auswirkungen der Sonne?“
Bisher sei beim Thema Sonne vor allem die Haut betrachtet worden, dann kam die Vitamin-D-Synthese als wichtiger Faktor hinzu. Nun gehe es mehr um die allgemeine Gesundheit, „weil das ist es, worauf es im Endeffekt ankommt“. Es gehe um die Frage: „Was überwiegt hier? Überwiegt bei der Sonne das Negative oder überwiegt das Positive bei der Sonneneinstrahlung?“
Die von Pilz angesprochenen Beobachtungsstudien stellten die Frage: „Lebe ich länger oder lebe ich kürzer, wenn ich mehr in der Sonne bin?“ Die Ergebnisse seien eindeutig gewesen, auch Parameter wie Bewegung oder Körpergewicht seien berücksichtigt worden.
„Der Großteil der Studien deutet in die Richtung, dass wir durch mehr Sonnenlichtexposition ein längeres Leben haben. Das sind zwar nur Beobachtungsstudien und da könnte man wieder sagen, man weiß nicht, wo die Henne und wo das Ei ist. Das ist aber das gleiche Evidenzlevel, das wir bisher herangezogen haben, um zu sagen, wir müssen uns vor der Sonne schützen, damit wir keinen Hautkrebs bekommen. Anhand der gleichen Studiendesigns können wir jetzt sagen, wenn man mehr in der Sonne ist, dann hat man in der Beobachtung ein längeres Leben“, so Pilz.
Insgesamt sehe man in der Wissenschaft derzeit mehr positive Effekte durch Sonnenstrahlung. „Wo sehr viel Sonne ist, habe ich für jeden Krebs-Todesfall durch Hautkrebs wahrscheinlich 20, 30 andere Krebs-Todesfälle verhindert.“
Doch diese eigentlich sehr positive Nachricht sei schwer zu verkaufen: „Das wesentliche Dilemma in der Beratung hierbei: Schäden sind sehr offensichtlich und wenn wir allgemeine Empfehlungen herausgeben würden, es sollen alle möglichst viel in die Sonne gehen, dann induzieren wir sicher gewisse Hautschäden und einen Hautkrebs. Prävention, die Verhinderung von Erkrankungen, dafür bekommt man selten einen Dank in der Medizin und das bildet sich dadurch sehr schwer ab. Und in diesem Spannungsfeld bewegen wir uns momentan.“
Daher müsse man sehr vorsichtig sein, wie man das formuliert. Aber diese „No Sun Policy“ sei momentan nicht mehr haltbar. „Und wie immer in der Medizin geht es hier um die richtige Dosis.“
Am Ende reichen schon wenige Minuten in der Mittagssonne aus, um genügend Vitamin D zu bilden – ganz ohne einen Sonnenbrand zu riskieren. Welche weiteren Wirkmechanismen jenseits von Vitamin D Sonnenstrahlen im Menschen auslösen und warum sich der differenzierte Blick auf die Unterschiede zwischen weißem und schwarzem Hautkrebs lohnt, erklärt Professor Reichrath im APOTHEKE ADHOC Webinar – jetzt streamen!
Groß angelegte Studien zeigen faszinierende Paradoxien: Dass das radikale Meiden der Sonne ein ähnliches Sterblichkeitsrisiko bergen kann wie das Rauchen, und dass Patienten mit hellem Hautkrebs im Schnitt sogar eine höhere Lebenserwartung haben. Wie am HV dieser Spagat zwischen zellulärem Hautschutz und den lebenswichtigen, systemischen Lichteffekten gelingen kann, zeigt dieses APOTHEKE ADHOC Webinar powered by Apotheken Umschau. Jetzt streamen!
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