Länger leben mit Sonne?

Mehr als „nur“ Vitamin D: Die Sonne als Therapeutikum

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Berlin -

Wenn Patienten im HV nach Sonnenschutz fragen, geht es meist um LSF, Falten und Hautkrebsrisiken. Doch die moderne Wissenschaft erlebt gerade einen Paradigmenwechsel: Radikales Sonnenmeiden kann der Gesundheit massiv schaden. Neben der bekannten Vitamin-D-Synthese besitzt UV-Licht direkte, systemische Wirkungen. In der Medizin wird das Licht längst als Therapeutikum geschätzt und eingesetzt – insbesondere bei Psoriasis, Multipler Sklerose und Depressionen.

Die Dermatologie stand jahrelang unter einem strikten Dogma: Raus aus der Sonne, rein in den Schatten – LSF 50+ als Standard. Dass diese pauschale Empfehlung zu kurz greift, zeigen epidemiologische Studien wie die schwedische MISS-Kohorte – die Daten von knapp 30.000 Frauen offenbarten, dass extremes Meiden der Sonne ein Risikofaktor für die Gesamtmortalität ist, der in seiner Größenordnung dem Rauchen ähnelt. Die Erkenntnis daraus: UV-Strahlung triggert neben der Vitamin-D-Produktion offensichtlich weitere biologische Prozesse, die weit über das Entstehen von Hautschäden hinausgehend auch therapeutisch genutzt werden können.

Psoriasis: Lokale Bändigung durch Schmalband-UVB

Bei Psoriasis vulgaris ist der therapeutische Nutzen des Lichts seit Jahrtausenden bekannt. Heute ist die kontrollierte Fototherapie mit Schmalband-UVB fester Bestandteil der medizinischen Leitlinien.

Multiple Sklerose: Die systemische Immunbremse

Die schützende Kraft der Sonne reicht tief in das Nervensystem hinein. In der Epidemiologie ist das Nord-Süd-Gefälle bei Multipler Sklerose seit Langem auffällig: Je weniger UV-Exposition eine Region im Jahresverlauf erhält, desto höher ist die MS-Prävalenz.

Depressionen: Licht als Taktgeber der Psyche

Dass Sonne die Stimmung hebt, ist kein Placebo-Effekt, sondern harte Neurobiologie. Besonders gut erforscht ist dies bei der saisonal abhängigen Depression, dem klassischen „Winterblues“ – eine gezielte Lichttherapie zeigt in Studien eine ähnlich hohe Wirksamkeit wie klassische Antidepressiva.

Das Beratungsdilemma im HV

Für das Apothekenteam bedeutet diese Evidenz: Beratung auf Augenhöhe statt Pauschalverbote. Es gilt, das „Sonnendilemma“ individuell aufzulösen.

Während eine Kundin mit dem Fokus auf Faltenvermeidung maximalen, täglichen UV-Schutz benötigt, profitiert ein gesundheitsorientierter Kunde von einer maßvollen, kontrollierten UV-Exposition ohne Sonnenbrand.

Wenn dann eingecremt wird, entscheidet in der Praxis ohnehin weniger die reine Zahl auf der Tube als vielmehr die Applikationsqualität: Verbraucher cremen meist zu dünn (< 2mg/cm2), wodurch ein LSF 50 schnell auf einen realen Schutz von unter LSF 10 absinkt. Lückenloses Auftragen schlägt in der Realität die Höhe des Faktors.

 

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Dieses und weitere Themen finden Sie in der aktuellen Ausgabe der Apotheken Umschau. Für weitere Beiträge besuchen Sie gern die APOTHEKE ADHOC-Rubrik „Apotheken Umschau“.

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HV-Deep-Dive: Das Sonnendilemma. Zwischen zellulärem Hautschutz und systemischem Nutzen

Groß angelegte Studien zeigen faszinierende Paradoxien: Dass das radikale Meiden der Sonne ein ähnliches Sterblichkeitsrisiko bergen kann wie das Rauchen, und dass Patienten mit hellem Hautkrebs im Schnitt sogar eine höhere Lebenserwartung haben. Wie am HV dieser Spagat zwischen zellulärem Hautschutz und den lebenswichtigen, systemischen Lichteffekten gelingen kann, zeigt dieses APOTHEKE ADHOC Webinar powered by Apotheken Umschau. Jetzt anmelden!