Facebook-Werbung führte in die Irre

Medikationsfehler nach Deep-Fake-Video

, Uhr
Berlin -

Als Direktor des dänischen Gesundheitsamtes wurde Søren Brostrøm während der Corona-Pandemie vielen Menschen bekannt. Heute arbeitet er mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zusammen. Betrüger machten sich das zunutze, setzten ihn per Video in die Morgen-Sendung „Go‘ Morgen Danmark“ und ließen ihn für ein Medikament werben. Die Werbung verfing und sorgte für Probleme.

Unter anderem sahen wohl zwei über 80-Jährige die Werbung und bestellten das fragwürdige Mittel, wie die Zeitung „Politiken“ aus einem Interview mit Brostrøm berichtet. Von einem der anschließend behandelnden Ärzte hieß es, es sei „unmöglich“ gewesen, dem älteren Herrn zu erklären, was ein „Deep-Fake“ sei und dass ein Video in den sozialen Medien auch gut gefälscht sein könne.

„Deshalb ist es auch so unheimlich und muss reguliert werden. In Dänemark ist irreführende Werbung dieser Art verboten. Die Plattformen sollten das ernst nehmen“, so Brostrøm. In konkreten Fall ging es um ein Präparat gegen Prostatitis – vor allem beworben via Facebook.

Auch von Bente Klarlund Pedersen, Professorin für Integrative Medizin an der Universität Kopenhagen, kursieren demnach Deep-Fake-Werbungen – für Heilmittel gegen Tinnitus, Erektionsstörungen, Fettleber und Übergewicht. Auch sie kommt in der Zeitung zu Wort.

Wer steckt dahinter?

Bereits vor einem Jahr wurde vor solchen gefälschten Anzeigen gewarnt, das Magazin „TjekDet“ ging dem Ganzen nach und deckte nach eigener Aussage einen groß angelegten, internationalen Betrug auf. Die Identitäten von mindestens 15 Prominenten würden dafür missbraucht, mehr als 20 verschiedene Präparate sollten diese angeblich beworben haben.

Aggressives Marketing, gefälschte Produkte und unbewiesene Versprechen, diverse Krankheiten heilen zu können, gehörten zur Masche. „TjekDet“ meinte zuletzt, alles auf ein und dasselbe Unternehmen zurückführen zu können – eine Firma aus den Niederlanden. Die Spur habe zu einem Anbieter geführt, der mehrere Webseiten für diverse Präparate im gleichen Schema betrieb.

Die Recherchen von „TjekDet“ zeigten, dass alle Webseiten zu den Unternehmen SendFreaks und 2HealthFreaks führen, die beide der Beugelsdijk Holding in den Niederlanden gehören. „Diese Holdinggesellschaft wiederum ist im Besitz des Niederländers Michel Beugelsdijk, der letztendlich für die über 20 verschiedenen Webseiten verantwortlich ist, die die Pillen verkaufen“, so das Online-Magazin.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

APOTHEKE ADHOC Debatte

HV-Deep-Dive: Das Sonnendilemma. Zwischen zellulärem Hautschutz und systemischem Nutzen

Groß angelegte Studien zeigen faszinierende Paradoxien: Dass das radikale Meiden der Sonne ein ähnliches Sterblichkeitsrisiko bergen kann wie das Rauchen, und dass Patienten mit hellem Hautkrebs im Schnitt sogar eine höhere Lebenserwartung haben. Wie am HV dieser Spagat zwischen zellulärem Hautschutz und den lebenswichtigen, systemischen Lichteffekten gelingen kann, zeigt dieses APOTHEKE ADHOC Webinar powered by Apotheken Umschau. Jetzt streamen!