PTA sind zwar noch immer die größte Berufsgruppe in Apotheken, doch die Zahlen sind rückläufig. Viele wechseln in andere Branchen und der Nachwuchs fehlt. Eine aktuelle Befragung des Bundesverbandes PTA (BVpta) zeigt die Herausforderungen: Die Abbruchrate an den PTA-Schulen ist hoch.
Der BVpta hat insgesamt 57 PTA-Schulen zur aktuellen Lage und Zukunft der PTA-Ausbildung befragt. Davon sind 30 private Schulen, 23 staatlich anerkannt und vier Privatschulen mit staatlicher Anerkennung. Das Fazit: Viele Schülerinnen und Schüler sind den Anforderungen psychisch nicht gewachsen. Die Ausbildung muss aus Sicht des Verbands praxisnäher, attraktiver und zukunftsfähiger werden.
„Die Ergebnisse senden ein deutliches Signal an die Politik: Die PTA-Schulen sind bereit, Veränderungen mitzutragen. Sie erwarten aber Reformen, die die Ausbildungsqualität verbessern und den Beruf nachhaltig stärken. Eine längere Ausbildung allein macht den Beruf weder attraktiver, noch löst sie den Fachkräftemangel“, erklärt die BVpta-Bundesvorsitzende Anja Zierath.
In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der Bewerbungen laut Umfrage beim Großteil der Schulen (31) gesunken oder stark gesunken. Nur zehn Schulen geben an, dass die Bewerberzahl gestiegen ist. Zudem verstärken höhere Abbruchquoten den Nachwuchsmangel – bei 16 Schulen liegt die durchschnittliche Quote zwischen 16 und 20 Prozent, bei 18 Ausbildungsstätten sogar bei mehr als 20 Prozent. Und längst nicht alle angehenden PTA, die es bis zum Examen schaffen, schließen die schulische Ausbildung auch erfolgreich ab: Beim Großteil der Schulen (20) liegt die durchschnittliche Durchfallquote im Examen zwischen 5 und 10 Prozent.
Das sind die Gründe:
Laut den Schulen gehören zu den Abbruch- und Durchfallgründen außerdem:
Aber auch fehlendes Durchhaltevermögen, zu lange Anfahrtswege wegen schlechter Wohnsituationen, familiäre Belastungen und frühere oder aktuelle psychische Erkrankungen werden als Gründe genannt.
Die Ausbildung selbst kann ebenfalls eine Ursache sein, beispielsweise weil der Umfang des vermittelten Lehrstoffs zeitlich herausfordernd ist, Lehrpläne veraltet sind, Fachlehrer:innen im naturwissenschaftlichen Bereich fehlen und damit bereits an allgemeinbildenden Schulen Unterricht ausfällt. Aber auch, weil die PTA-Ausbildung im Vergleich zu dualen Ausbildungen deutlich schlechter gestellt ist. Zudem fehle vielen angehenden PTA der Praxisbezug.
Der BVpta wollte wissen, ob die Ausbildungsdauer angemessen ist oder es eine Veränderung braucht. 30 der 57 befragten PTA-Schulen geben an, dass die aktuelle Ausbildungsdauer nicht ausreichend ist. Die Begründung: „Die Menge an theoretischem Wissen ist den aktuellen Auszubildenden kaum zuzumuten, da sie großteils nicht ausreichend auf entsprechendes Lernen vorbereitet mit der Ausbildung starten.“ Zudem seien es zu viele Inhalte, die in zu kurzer Zeit vermittelt werden müssten. Wenn PTA Inhaber:innen vertreten sollen, könne an die Ausbildung eine aufbauende Qualifizierung (ähnlich eines Meisterkurses) für gute PTA angeboten werden.
Zwar stimmt die Mehrheit der Schulen für eine Verlängerung der Ausbildung (51), teils aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. Beispielsweise wird eine Vergütung einer dreijährigen Ausbildung gefordert oder eine Aufteilung in zwei Jahre Schule und ein Jahr Apotheke.
Außerdem gibt es auch Stimmen gegen eine Verlängerung: „Eine längere Ausbildung würde zwar die Themendichte entlasten, jedoch die Berufsausbildung weniger attraktiv machen.“
Die Schulen sprechen sich für eine engere Verzahnung von Unterricht und praktischer Ausbildung in der Apotheke aus. 36 der befragten PTA-Schulen halten ein duales Ausbildungsmodell für sinnvoll – neun stimmen dagegen und zwölf enthalten sich. Gegen einen Blockunterricht sprechen sich 20 der befragten Schulen aus, 31 dafür. Gegen einen Blockunterricht spricht aus Sicht der Schulen unter anderem, dass ein Wechsel von zwei Gruppen Herausforderungen bei Krankheitstagen bringen kann, denn die verpassten Inhalte müssen nachgeholt werden. Aber auch ein stark verdichtetes Lernen wird als Nachteil gesehen. Schließlich müssen 2600 Unterrichtsstunden auf die Schultage verteilt werden.
Kritisch wird aber auch das Finden einer Kooperationsapotheke gesehen – diese müssen alle angehenden PTA finden. „Für kleine Schulen ist es schwieriger, Blockunterricht zu organisieren. Es müssen bereits frühzeitig Apotheken gefunden werden, die bereit sind, PTA-Azubis auszubilden. Die Ausbildungsbereitschaft in Apotheken ist nicht sehr hoch“, heißt es in den Kommentaren zur Umfrage.
Dabei liegen die Vorteile auf der Hand: Schulische Inhalte und berufliche Realität werden eng verknüpft, die Motivation werde gesteigert und auch die Vergütung sei ein Anreiz. Zudem würden Theorieinhalte im Bildungsplan zugunsten einer praktischen Vermittlung von Inhalten in der Apotheke entlastet, was mit einem höheren Kompetenzgewinn einhergehe.
Die große Mehrheit der Schulen (38) hält die Ausbildungsvergütung für einen entscheidenden Baustein, um die PTA-Ausbildung wieder attraktiver zu machen. Eine Vergütung würde aus Sicht der Schulen mehr junge Menschen für den Beruf begeistern, finanzielle Hürden abbauen, Ausbildungsabbrüche reduzieren und die gesellschaftliche Wertschätzung des Berufs erhöhen. Aber wer soll die Kosten tragen? Die Schulen sehen den Staat in der Verantwortung. Aber auch Modelle mit einer Beteiligung von Apotheken und Apothekerkammern wären vorstellbar.
Frisch gebackenen PTA fehle es im Berufsalltag aktuell an Selbstständigkeit, Durchhaltevermögen und Belastbarkeit, aber auch an lösungsorientiertem Arbeiten, der Verknüpfung von theoretischem und praktischem Wissen sowie an Sprach- und mathematischen Kompetenzen.