Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff

Hantavirus: RKI-Chef sieht keine Pandemiegefahr

, Uhr aktualisiert am 11.05.2026 14:07 Uhr
Berlin -

Trotz des Hantavirus-Ausbruchs auf einem Kreuzfahrtschiff sieht der Chef des Robert Koch-Instituts (RKI) keine Gefahr für die Bevölkerung. Das Virus könne Menschen sehr krank machen, sagte Professor Dr. Lars Schaade im ZDF-„heute journal“. „Aber die gute Nachricht ist eigentlich, das ist kein Virus, das sich verbreitet. Und insofern kann ich, glaube ich, sagen: Ich sehe eigentlich keine Gefährdung für die Bevölkerung in Deutschland und auch keine Pandemiegefahr.“

Mit Blick auf den Vergleich mit dem Coronavirus sagte Schaade: „Das ist ein ganz anderes Virus, und die Gefahr ist überhaupt nicht vergleichbar.“ Man kenne das Virus schon sehr lange und könne es deshalb sehr gut einschätzen. Das Coronavirus sei damals ein neues Virus mit spezifischen Eigenschaften gewesen. „Hier haben wir ein Virus, das wir seit 31 Jahren kennen.“

Schaade sprach von sicherlich einigen Tausend Fällen seit der Entdeckung 1995. „Und immer ist es gelungen, die Ausbruchssituation entsprechend unter Kontrolle zu bringen“, fügte er hinzu.

Betroffener kommt in die Charité

Die geplante Behandlung eines der deutschen Passagiere des vom Hantavirus-Ausbruch betroffenen Kreuzfahrtschiffs „Hondius“ an der Berliner Charité geht auf ein Angebot der Klinik an die Bundesregierung zurück. „Die Charité hat schon letzten Mittwoch der Bundesregierung angeboten, Patienten aufzunehmen, weil sie über die Isolationsmöglichkeiten verfügen und weil sie natürlich absolute Spezialisten sind in der Virologie“, sagte Gesundheitssenatorin Ina Czyborra (SPD) im RBB-„Inforadio“.

Unter den Passagieren, die bislang ohne Symptome sind, befindet sich eine Person aus der Region Berlin-Brandenburg, wie ein Sprecher der Berliner Gesundheitsverwaltung am Wochenende mitteilte. Am Sonntag wurde den Angaben nach noch über die Ausgestaltung des Transports beraten. „Für diesen Fall ist die Aufnahme auf die Infektiologie der Charité sowie die Anordnung einer Quarantäne durch das zuständige Gesundheitsamt vorgesehen.“

Insgesamt vier Passagiere in Deutschland in Quarantäne

Nach aktuellem Stand werde darüber hinaus keine weitere Person nach Berlin gebracht. Zuvor hatte es vom Brandenburger Gesundheitsministerium geheißen, dass sich unter den Betroffenen keine Personen aus Brandenburg befänden.

Insgesamt sind vier deutsche Passagiere betroffen. Am späten Sonntagabend wurden sie vom niederländischen Eindhoven nach Deutschland Frankfurt gebracht. Nach Angaben der Universitätsmedizin Frankfurt gibt es bei den Patienten bisher keine Hinweise auf eine Erkrankung. „Den untersuchten Personen geht es gut“, sagte Dr. Timo Wolf, Leiter der Sonderisolierstation für hochpathogene Infektionserreger. Die Personen werden dort in der spezialisierten Sonderisolierstation betreut und medizinisch untersucht. „Außerdem werden zur Sicherheit Proben in den virologischen Laboren sowohl in Frankfurt als auch Marburg auf das Virus getestet.“

Von Frankfurt aus sollen die Passagiere zunächst weiter untersucht und beobachtet und anschließend „zeitnah“ zur Quarantäne in die jeweiligen Bundesländer gebracht werden.

Britischer Patient auf Tristan da Cunha in Behandlung

Wegen eines Hantavirus-Verdachtsfalls hat die britische Regierung Helfer, die per Fallschirm von einem Flugzeug absprangen, auf eine Insel im Südatlantik gebracht. Zudem wurde medizinisches Material abgeworfen. Die Insel Tristan da Cunha ist das entlegenste britische Überseegebiet und kann gewöhnlich nur per Schiff erreicht werden. Sie hat nur 221 Einwohner.

Die britische Gesundheitsbehörde UKHSA hatte zuvor einen Verdachtsfall auf Tristan da Cunha gemeldet. Nach Angaben des Ministeriums handelt es sich um einen Passagier der „Hondius“, der auf der Insel lebt und dort von Bord gegangen sein soll.

Die Gruppe bestehe aus sechs Fallschirmjägern und zwei Militärmedizinern, teilte das Verteidigungsministerium in London mit. Beinahe zeitgleich sei medizinisches Material abgeworfen worden. Es handle sich um den ersten Einsatz dieser Art, so die Mitteilung.

Sauerstoffvorräte gingen zur Neige

Das eingesetzte Transportflugzeug vom Typ A400 habe dafür zunächst 6788 Kilometer vom Militärflughafen RAF Brize Norton nahe Oxford bis zur Insel Ascension zurückgelegt, die mitten im Atlantik liegt und gemeinsam mit Tristan da Cunha und St. Helena ein britisches Überseegebiet bildet. Danach sei es mehr als 3000 Kilometer weiter gegangen nach Tristan da Cunha, das noch weiter südlich liegt. Ein Flugzeug vom Typ Voyager habe die Maschine für einen Tankvorgang in der Luft begleitet.

Die Wetterbedingungen auf Tristan da Cunha könnten außergewöhnlich herausfordernd sein mit durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten von mehr als 40 Kilometern pro Stunde, sagte Außenministerin Yvette Cooper der Mitteilung zufolge.

Bei zwei weiteren britischen Passagieren der „Hondius“ wurde eine Infektion mit dem Hantavirus bereits bestätigt, sie werden in Krankenhäusern in Südafrika und den Niederlanden behandelt. Die weiteren Briten an Bord seien bislang symptomfrei und würden mit Charterflügen nach Großbritannien gebracht, so die Mitteilung. Sie werden demnach nach ihrer Ankunft 45 Tage lang isoliert. Die „Hondius“ hatte am Sonntagmorgen auf Teneriffa angelegt.

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