Auf dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ war im März das Hantavirus ausgebrochen. An den Infektionen sind bereits mehrere Menschen gestorben. Dabei gilt der für die Ansteckungen verantwortliche sogenannte Andes-Typ als besonders gefährlich. Denn anders als die meisten anderen Hantaviren, kann der Erreger vermutlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden.
Nach Angaben des Kreuzfahrtunternehmens gibt es derzeit keine erkrankten Personen mehr an Bord der Hondius. Drei Personen haben das Schiff aus medizinischen Gründen verlassen. Sie befinden sich weiterhin in der Obhut von medizinischem Fachpersonal. Drei Menschen sind zuvor gestorben. Unter den Toten ist auch eine Frau aus Deutschland.
Inzwischen wurde eine Stewardess in eine niederländische Klinik eingeliefert. Sie hatte zuvor Kontakt zu einer infizierten Niederländerin und weist entsprechende Symptome auf. Das niederländische Gesundheitsministerium bestätigte den Verdacht auf eine Hantavirus-Infektion. Am Sonntag soll die Hondius voraussichtlich in Teneriffa anlegen.
Als Ursache der Infektionen wird das Andes-Virus vermutet. Dieser spezielle Stamm gehört zur Familie der Hantaviren und ist vorrangig in Südamerika verbreitet.
Das Virus weist eine Besonderheit auf: Laut Gesundheitsbehörden ist eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung möglich. Üblicherweise erfolgt eine Infektion mit Hantaviren durch engen Kontakt mit Nagetieren wie der Rötelmaus. Auch kontaminierter Kot, Urin, Speichel oder verunreinigter Staub können die Krankheit auslösen. Als Hauptreservoir des Andes-Virus gilt die Langschwanz-Zwergreisratte, die in Chile und Argentinien heimisch ist.
Die Übertragung von Andes geschieht meist bei sehr engem Kontakt, innerhalb der Familie oder bei medizinischer Pflege, durch Speichel oder Tröpfchen.
Infektionen mit Hantaviren können symptomlos oder mit leichten, grippeähnlichen Anzeichen verlaufen. Es sind jedoch auch schwere Erkrankungen möglich. Eine Folge der Ansteckung kann das Hantavirus-Cardiopulmonary-Syndrom (HCPS) sein. Dabei handelt es sich um eine schwere Erkrankung der Lunge und des Herz-Kreislauf-Systems.
Zu den Symptomen zählen häufig Fieber sowie Kopf- und Muskelschmerzen. In ernsten Fällen kann es zu Atemnot und lebensbedrohlichem Lungenversagen kommen. Da die Sterblichkeitsrate des Andes-Virus höher ist als bei anderen europäischen Virentypen, gilt es als gefährlicher. So liegt die Letalität zwischen 25 und 50 Prozent.
Die Inkubationszeit des Virus kann mehrere Wochen betragen, in Einzelfällen bis zu 42 Tage. Bisher existieren weder eine zugelassene Impfung noch eine gezielte antivirale Therapie gegen das Andes-Virus. Patienten müssen oft frühzeitig beatmet und intensivmedizinisch betreut werden.
Auch in Süddeutschland treten Jahr für Jahr Infektionen mit dem Hantavirus auf, teilte das Landesgesundheitsamt (LGA) in Stuttgart mit. „Andes“ sei jedoch nicht mit dem in Baden-Württemberg regelmäßig auftretenden Typ „Puumala“ vergleichbar. Im Südwesten infizieren sich jedes Jahr mehrere Dutzend Menschen mit dem „Puumala“-Typ des Hantavirus. Auffällig sind dabei die teils starken Schwankungen bei den Fallzahlen.
Laut LGA wurden 2021 fast 1200 „Puumala“-Fälle gemeldet; ein Mensch erlag damals den Folgen der Infektion. In den beiden Folgejahren wurden 38 beziehungsweise 66 Fälle registriert. 2024 stieg die Zahl wieder auf 245, im vergangenen Jahr sank sie auf 69.
Bis Anfang Mai wurden im laufenden Jahr 16 Infektionen gemeldet. „Bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass es im Jahr 2026 zu einem erhöhten Infektionsgeschehen kommt“, erklärte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums.
Baden-Württemberg gehört bundesweit zu den am stärksten betroffenen Regionen – insbesondere die Schwäbische Alb mit ihrem hohen Buchenwaldanteil sowie der Odenwald und Oberschwaben. „Die meisten Erkrankungsfälle treten in den Stadt- und Landkreisen mit hohem Flächenanteil an Buchenwald auf“, teilte ein Sprecher mit.
Die Viren des „Puumala“-Typs werden über den Speichel, Kot oder Urin von Rötelmäusen verbreitet, den typischen Bewohnern des Buchenwaldes. Vermehren sich diese Tiere in bestimmten Jahren besonders stark etwa wegen eines Überangebots an Bucheckern, steigt auch das Infektionsrisiko für Menschen. Diese stecken sich über den Kontakt mit den Ausscheidungen, wenn kontaminierter Staub aufgewirbelt und die Erreger eingeatmet werden oder in Hautwunden gelangen.
Die meisten Erkrankungen gab es in den vergangenen fünf Jahren im Landkreis Heidenheim (103,07 Fälle/100.000 Einwohner), im Landkreis Reutlingen (76,29) und im Zollernalbkreis (48,73).
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