Qualifikation unterschätzt

Weißen Kittel gewohnt: Bäckerin bewirbt sich in Apotheke

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Berlin -

Auf Stellenausschreibungen der Frickhingerschen Apotheke zum Einhorn in Nördlingen melden sich nicht nur qualifizierte Arbeitnehmer:innen. „Wir hatten eine Bewerbung einer Dame, die als Qualifikation angab, sie sei es als Bäckereiverkäuferin gewohnt, im weißen Kittel zu bedienen“, erklärt PTA Michaela Schenker.

Nachwuchs und Fachpersonal ist für die Apothekenberufe immer schwerer zu finden. Aufgrund der politischen Situation fällt es Inhaber:innen nicht leicht, qualifizierte Kräfte für ihre Betriebe zu begeistern. Dass es im Zuge der Stellenausschreibungen für PTA, Apotheker:innen und PKA häufiger auch zu Missverständnissen kommen kann, habe Schenker schon selbst erlebt. „Wir hatten tatsächlich vor einigen Jahren eine komische Reaktion auf eine Stellenausschreibung für Apotheker:innen“, berichtet sie.

Weißer Kittel ausreichend

Eine Dame habe im Rahmen einer Bewerbung angegeben, dass sie qualifiziert für die Stelle sei. Immerhin sei sie es als Bäckereiverkäuferin gewohnt , im weißen Kittel zu bedienen. Doch damit nicht genug: „Was wir auch gar nicht selten erleben sind Nachfragen, ob wir Hilfskräfte für die Kasse oder den den Verkauf einstellen würden.“

Üblicherweise kämen die Anfragen meist von Frauen ohne Berufsausbildun, „oder sie haben eine Ausbildung – aber in einer ganz anderen Branche.“

PTA wissen mehr als gedacht

Die Aussage, dass es von der Tätigkeit her keinen Unterschied mache, ob man Kassiererin bei Aldi oder Kassiererin in der Apotheke sei, habe die PTA auch schon gehört.

„Im Bekanntenkreis rief es vor einiger Zeit Überraschung hervor, dass ich als PTA darüber Bescheid weiß, welcher Inhaltsstoff in welchem Arzneimittel ist“, berichtet sie. „Die Person war bis dahin der Ansicht gewesen, pharmazeutische Kenntnisse hätte nur der Apotheker und nicht das Verkaufspersonal.“

Klischee ist kein Wunder

Aber im Grunde sei es kein Wunder, wenn in der Bevölkerung solche seltsamen Vorstellungen von der Qualifikation des Apothekenpersonals herrschen. „In einer Boulevardzeitschrift habe ich tatsächlich in einem Artikel zu einem Gesundheitsthema mal die Aussage gelesen, man solle in der Apotheke auf die Beratung durch einen Apotheker bestehen.“

Kund:innen sollten sich laut des Beitrags nicht mit den Aussagen einer Verkäuferin abspeisen lassen. „Tja, uns Apothekenverkäuferinnen wird halt nicht viel zugetraut“, kommentiert die PTA.

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