Apotheken sind in puncto Zuzahlung die Inkassostellen der Krankenkassen. Denn sie müssen das Geld einziehen und an die Kostenträger weiterleiten, und zwar ohne für die Leistung vergütet zu werden. Damit soll künftig Schluss sein. Der Landesapothekerverband Niedersachsen (LAV) fordert: „Krankenkassen müssen Zuzahlungen selbst einbeziehen.“
Der LAV fordert die Bundesregierung auf, die Apotheke als Inkassostelle für Krankenkassen zu entlasten. Sollte die im GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz geplante Erhöhung der Zuzahlung um 50 Prozent und deren Dynamisierung umgesetzt werden, müssen die Krankenkassen diese Beträge künftig selbst bei ihren Versicherten einziehen, so der LAV.
„Bereits heute belastet das Einziehen der Zuzahlungen die wirtschaftlich stark unter Druck stehenden Apotheken. Diese tragen zum Beispiel die Kosten für Kartenzahlungen selbst und bleiben bei Zahlungsausfällen auf dem Schaden sitzen“, erklärt LAV-Vize Dr. Mathias Grau. Die Erhöhung der Zuzahlung gehe automatisch mit mehr Kartenzahlungen und damit verbundenen höheren Transaktionskosten für Apotheken einher – bei einem seit Jahren stagnierenden Apothekenhonorar. „Es ist deshalb nicht länger hinnehmbar, dass Apotheken Aufgaben der Krankenkassen übernehmen, dafür keinen Cent erhalten und zugleich das volle Risiko tragen müssen!“
„Vielen Patientinnen und Patienten ist zudem nicht bewusst, dass die Zuzahlungen keine Einnahmen der Apotheken sind. Wir leiten diese Gelder vollständig an die Krankenkassen weiter. Kommt es zu Problemen bei der Zahlung, entsteht allein bei der Apotheke ein finanzieller Schaden. Dies ist aus unserer Sicht schon längst nicht mehr tragbar und muss beendet werden“, betont Grau.
Der Generalbevollmächtigte der Treuhand Hannover, Dr. Sebastian Schwintek, rechnete heute im APOTHEKE LIVE vor, wie hoch die zusätzlichen finanziellen Belastungen infolge der Zuzahlungserhöhung sein werden. Die Kosten für Gebühren für Kartenzahlung beziffert Schwintek auf rund 600 Euro.
Der LAV-Vize warnt zudem davor, dass Apotheken vermehrt den Frust und den Unmut der Patientinnen und Patienten abbekommen. „Nicht die Krankenkassen stehen im direkten Kontakt mit den Versicherten, sondern wir in den Apotheken. Wenn die Politik höhere Zuzahlungen beschließt, darf sie die Umsetzung nicht länger auf die Apotheken abwälzen. Die Krankenkassen müssen ihre Beiträge selbst von ihren Versicherten einziehen.“
„Höhere Zuzahlungen führen außerdem dazu, dass sich manche Patientinnen und Patienten notwendige Medikamente nicht mehr leisten können. Therapieabbrüche und verschleppte Erkrankungen wären die Folge – mit am Ende noch höheren Kosten für das Gesundheitssystem. Eine gute Gesundheitsversorgung muss für jede und jeden erreichbar sein – unabhängig vom Einkommen“, warnt Grau.
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