Kein Grenzwert für Trinkwasser

Rhein und Ruhr: Candesartan ist Dauerproblem

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Berlin -

Candesartan wird in Rhein und Ruhr bereits seit Jahren als Dauerbelastung nachgewiesen. Aktuell sorgt Niedrigwasser für deutlich höhere Werte. Mit 0,67 µg/l in Mülheim an der Ruhr lag der Wert deutlich über der Meldeschwelle von 0,3 µg/l. Eine Gefahr für die Bevölkerung besteht laut Landesamt für Natur, Umwelt und Klima (LANUK) jedoch nicht.

Die Gewässer in Nordrhein-Westfalen werden kontinuierlich und systematisch auf ihre chemische Belastung untersucht. Auf Rhein und Ruhr wird ein besonderes Augenmerk gelegt und es erfolgt eine engmaschigere Überwachung. Grundsätzlich gilt: Bei Niedrigwasser steht weniger Flusswasser zur Verdünnung kontinuierlicher Einträge zur Verfügung. Vor allem bei Stoffen, die kontinuierlich über Kläranlagen in die Gewässer gelangen, können die Konzentrationen steigen. Dazu gehören Mikroschadstoffe wie Arzneimittelwirkstoffe, die in konventionellen Kläranlagen teilweise nur unvollständig zurückgehalten werden, heißt es vom LANUK.

Candesartan ist Dauerbelastung

Ein Effekt, der für Candesartan schon seit Längerem beobachtet wird. „Candesartan wird in Rhein und Ruhr bereits seit Jahren als Dauerbelastung nachgewiesen“, so ein Sprecher. Seit Anfang Juli lagen die Messwerte zunächst oberhalb von 0,1 µg/l, aber noch unterhalb der Meldeschwellen von 0,3 µg/l. Anhaltendes Niedrigwasser ließ die Konzentrationen weiter ansteigen und die Meldeschwelle überschreiten. „Die höchsten Werte wurden im Rhein bei Lobith mit bis zu 0,38 µg/l gemessen. In der Ruhr lag der höchste Wert bei Mülheim an der Ruhr bei 0,67 µg/l.“

Die Meldeschwelle des Warn- und Alarmplans sei kein Gefahrenzeichen für die Bevölkerung. „Der Meldewert wurde gemeinsam mit den Wasserversorgern an Rhein und Ruhr festgelegt, um die zuständigen Behörden und Trinkwasserversorger frühzeitig zu informieren, damit diese bei Bedarf prüfen können, ob Maßnahmen erforderlich sind.“

Für den Rhein betreibt das LANUK mit INGO, der „Intensivierten Gewässerüberwachungs-Organisation“, ein dichtes Netz von Messstationen am Rhein und seinen Zuflüssen, unter anderem an den Mündungen der großen Nebenflüsse. Ziel sei es vor allem, plötzlich auftretende Verunreinigungen innerhalb weniger Stunden zu erkennen und Behörden und Wasserwerke zu informieren. Außerdem untersucht das LANUK mit Target-, Suspect- und Non-Target-Analytik mehrere Hundert bekannte sowie eine große Zahl weiterer potenziell relevanter Stoffe. Allein mit der Target-Analytik würden derzeit rund 500 organische Spurenstoffe untersucht; die Suspect-Datenbank umfasst rund 3500 Stoffe.

„Das bestehende Messsystem ist auch für Niedrigwasserlagen ausgelegt. Sollten relevante Belastungen auftreten, werden diese über die bestehenden Monitoringprogramme erfasst und über die etablierten Meldewege kommuniziert“, so der Sprecher.

Vierte Reinigungsstufe

Zur Verringerung von Mikroschadstoffen spielt die vierte Reinigungsstufe eine wichtige Rolle. In NRW sind entsprechende Anlagen bereits in Betrieb, weitere sind in Planung. Die neue EU-Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) sieht für große Kläranlagen ab 150.000 Einwohnerwerten schrittweise eine verpflichtende weitergehende Behandlung zur Entfernung von Mikroschadstoffen vor. Auch für kleinere Anlagen ab 10.000 Einwohnerwerten können entsprechende Anforderungen gelten, wenn sie in besonders belasteten Gebieten liegen.

Zudem bereiten die Trinkwasserwerke das Rohwasser auf, um sicherzugehen, dass keine Trinkwassergrenzwerte überschritten werden, so der Sprecher. Mit dem Meldewert soll sichergestellt werden, dass bereits im Rohwasser keine Werte oberhalb der Trinkwassergrenzwerte zu finden sind. Der toxikologisch wirksame Wert für Fische oder weitere aquatische Lebensformen liegt mehr als 300-mal so hoch, bei 100 µg/l.

Candesartan: Kein Grenzwert für Trinkwasser

Candesartan wird zur Behandlung von Bluthochdruck und Herzinsuffizienz eingesetzt. Der Wirkstoff ist ein selektiver Antagonist am AT1-Rezeptor und greift in das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) ein. Dadurch wird die Wirkung von Angiotensin II an diesem Rezeptor gehemmt. Außerdem werden die Natrium-Ausscheidung sowie die Reabsorption von Kalium gefördert. Damit wirken Sartane blutdrucksenkend, gefäßerweiternd und leicht diuretisch. Sie werden bei Hypertonie, chronischer Herzinsuffizienz und Nierenerkrankungen eingesetzt.

Candesartancilexetil ist ein Prodrug und wird während der Resorption aus dem Gastrointestinaltrakt durch Esterhydrolyse rasch in die aktive Wirkform Candesartan umgewandelt. Der Wirkstoff hemmt nicht das Angiotensinkonversionsenzym (ACE), das Angiotensin I in Angiotensin II umwandelt und Bradykinin abbaut.

Für Candesartan selbst gibt es im deutschen Trinkwasser keinen gesetzlich bindenden Grenzwert, aber es gelten strenge Vorsorgewerte für die Abbauprodukte. Das Umweltbundesamt (UBA) hat für Valsartansäure im Trinkwasser einen Gesundheitlichen Orientierungswert (GOW) von 0,3 μg/l festgelegt. Dieser Wert basiert auf dem Vorsorgeprinzip für nicht oder nur teilbewertbare Stoffe, um eine langfristige Anreicherung im Trink- und Grundwasser zu verhindern. Aufgrund der schweren Filterbarkeit wird Candesartan als offizielle Leitchemikalie genutzt, um die Reinigungsleistung der vierten Reinigungsstufe in Klärwerken zu überprüfen.

Candesartan wird als wassergefährdend (WGK 3) eingestuft. Ecotox-Daten zeigen eine hohe Toxizität für Wasserorganismen, insbesondere eine starke chronische Giftigkeit für Fische und wirbellose Wassertiere.

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