APOTHEKE LIVE

Preis: „Wir haben jetzt einen Zwei-Fronten-Krieg“

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Thomas Preis, Lilith Teusch und Sebastian Schwintek beim APOTHEKE LIVE
Abschlag statt Fixum: Wie viel Sparzwang können die Apotheken noch tragen? Foto: APOTHEKE ADHOC
Berlin -

Statt der lang ersehnten Fixumserhöhung kommt erst einmal ein neues Sparpaket: Erneut sollen die Apotheken dazu beitragen, die finanzielle Schieflage der GKV durch einen höheren Abschlag abzumildern – diesmal mit 2,07 Euro pro Packung und ohne zeitliche Befristung. Welche Auswirkungen das auf die betriebswirtschaftliche Lage der Apotheken hat, erklärten Abda-Präsident Thomas Preis und Dr. Sebastian Schwintek, Generalbevollmächtigter der Treuhand Hannover, beim APOTHEKE LIVE.

Die Apotheken stehen unter Schock: Statt der erhofften Fixumserhöhung hat das Bundeskabinett einen unbefristeten Kassenabschlag von 2,07 Euro pro Packung auf den Weg gebracht. Während die Politik die finanzielle Schieflage der GKV adressiert, wächst in den Betrieben die Existenzangst. Was bedeutet dieser Sparkurs konkret für die wirtschaftliche Stabilität der Apotheken? Kommt die Anhebung des Fixums noch rechtzeitig oder gibt es einen anderen Ausweg aus der Abwärtsspirale? Darüber diskutierten wir im APOTHEKE LIVE.

13 Uhr: Start der Diskussionsrunde

Thomas Preis: Kabinettsbeschluss ist kein gutes Ergebnis und kein Erfolgserlebnis für die Apotheken – überhaupt nicht. Denn für die Apotheken gebe es immer noch keinen Zeitplan zur Erhöhung des Honorars beziehungsweise zu einer generellen Stärkung. Daran ändere auch nicht, dass beispielsweise der Kassenabschlag nun erst zum 1. Januar 2027 erhöht werden soll. Denn dieser soll in einer noch nie gekannten Höhe steigen. „Wir haben jetzt einen Zwei-Fronten-Krieg.“ Demnach müsse man nun an mehreren Stellen kämpfen, um sich für die Apothekenstärkung einzusetzen. Die zentralen Forderungen blieben gleich: Die 9,50 Euro müssen kommen, der erhöhte Abschlag gestrichen werden.

Dr. Sebastian Schwintek: „Anhand der Betriebsergebnisse sehen wir, dass sich die Art der Betriebe deutlich verändert hat. Es braucht dringend eine Stärkung.“

  • Die Abschlagserhöhung würde die durchschnittliche Apotheke empfindlich treffen, und zwar um mehr als 10.000 Euro.
  • Hinzukommen rund 800 Euro für Minijobs, die unter anderem durch die Mindestlohnerhöhung zustandekommen.
  • Auch eine Kürzung der Vertragspreise für Hilfsmittel würde zu Belastungen in Höhe von rund 2000 Euro führen.
  • Kosten für Gebühren für Kartenzahlung & Co. seien mit rund 600 Euro ein weiterer Posten.
  • Die Erhöhung der Beitragsbemessung dürfte ebenfalls mit knapp 300 Euro zum Tragen kommen.

Insgesamt sei demnach von einer zusätzlichen Belastung von durchschnittlich fast 14.000 Euro auszugehen.

Bald 37 Prozent ertragsschwache Betriebe?

Die ohnehin schon prekäre wirtschaftliche Lage vieler Apotheken dürfte sich durch die nun beschlossenen Maßnahmen deutlich verschärfen, sodass der Anteil der ertragsschwachen Betriebe auf rund 37 Prozent steigen könnte. Dies könnte man leicht verhindern, aber mit den aktuell vorgesehenen Maßnahmen wird sich dies eher verschlimmern.

Preis: Das parlamentarische Verfahren startet jetzt erst. Angedacht ist ja, dass es am 10. Juli beschlossen wird. Das GKV-Spargesetz ist zudem eine Art Zereißprobe für die Koalition, um von Regierungsseite zu zeigen: „Wir können Reformen.“ Dennoch bleibe das Ziel: „Wir müssen alle Punkte im Gesetz bekämpfen, die die wirtschaftliche Situation der Apotheken zusätzlich bedrohen. Dazu gehören neben dem Kassenabschlag auch Aspekte wie der Plan, Cannabisblüten nicht mehr zu zahlen.“

Die Politik selbst hat sich unter Schmerzen zu diesem Gesetz durchgerungen, um diese Nagelprobe zu bestehen. Das Gesetz ist unausgegoren – das zeigt sich vor allem im Hinblick auf die Finanzierung. Im Prinzip müssen Versicherte, Apotheken, Arbeitgebende & Co. zahlen, um den Bundeshaushalt stabil zu halten. „Das ist ein Taschenspieler-Trick.“ Nun bestehe die Chance, dagegen anzukämpfen. Angesichts der Pläne werde jedoch auch deutlich, dass das Geld da sein müsste, um das Fixum für die Apotheken endlich anzupassen. Aktuell sei aber nicht klar, wann genau die Honorarerhöhung kommt, vielleicht sogar schon vor Juli.

Optionen für Apotheken

Preis: Wir haben bereits mit entsprechenden Stellungnahmen und Pressemitteilungen reagiert. Als nächstes stehen auch weitere politische Diskussionsrunden mit gesundheitspolitischen Vertreter:innen an. Außerdem bleibt es weiter wichtig, mit den Abgeordneten im Gespräch zu bleiben. Man müsse jetzt gemeinsam den Weg weitergehen, denn Apotheken leisteten seit Jahren ununterbrochen einen Sparbeitrag und müssten jetzt endlich etwas zurückbekommen. „Wir müssen einen politischen Wortbruch verhindern.“

Schwintek: Apotheken werden ständig animiert, alle möglichen Schritte zu gehen, um ihre Effizienz zu steigern, beispielsweise im Hinblick auf Prozesse beim Kundenmanagement, bei der Kommissionierung und weiteren Prozessen. Viele Apotheken haben auch schon alle Effizienzreserven gehoben. Doch man muss sich auch vor Augen führen, dass auch digitale Tools nicht umsonst sind.

Man dürfe sich auch nicht nur auf vermeintlich kleine, ärmere Landapotheken fokussieren, sondern müsse auch andere Betriebe im Blick behalten. „Es gibt die Perspektive, noch zu investieren, doch die Unsicherheit ist da.“ Dies sei ein großes Hemmnis für viele Apotheken. Doch das Vertrauen ist da, dass die Ministerin dies umsetzt.

Light-Apotheken, PTA-Vertretung, Verhandlungslösung

13:30 Uhr

Preis: Ein Herunterregulieren von Apotheken hin zu „Apotheken light“ ist nicht die Lösung. Denn dann wird niemand mehr eine vollversorgende Apotheke übernehmen wollen. „Wir warnen daher eindringlich davor.“ Hierzu habe man bereits Signal erhalten, dass dies auf fruchtbaren Boden in der Politik stoße. Allein Vorhaben wie die PTA-Vertretung sind unter anderem ein Verstoß gegen das Prinzip der Freiberuflichkeit. „Dennoch ist unser Ziel, uns für eine Weiterentwicklung einzusetzen.“ Doch attrativere Arbeitsplätze in der Apotheke brauchen als Basis eine Honorarerhöhung, um dies auch finanzieren zu können.

Preis: „Die Erhöhung der Zuzahlung ist ein Konjunkturprogramm für die Versandhändler!“ Daher sei das klare Ziel, auch diesen Punkt wieder abzuschaffen – sobald die weiteren Punkte wie der Kassenabschlag, die Honorarerhöhung und so weiter erfolgreich angegangen wurden. Denkbar ist es auch, ein Versandhandelsverbot noch einmal zu thematisieren, aber erst, nachdem die anderen zentralen Forderungen umgesetzt wurden. Die Einführung der 9,50 Euro ist erst einmal wichtiger.

Schwintek: Die Verhandlungslösung kann generell sinnvoll sein. Doch bereits jetzt sind gewisse Obergrenzen in Sicht und damit auch ein Manko. Denn wenn die Kosten für Apotheken stärker steigen als die Grundlohnsumme, bleibt am Ende ein Minus.

Preis: Nach den Maßstäben der Finanzkommission müsste das Honorar inzwischen bei 12,40 Euro liegen. Es ist schon ein Erfolg, dass wir jetzt überhaupt über das Honorar wieder verhandeln dürfen. Wir sind auf die Verhandlungslösung entsprechend vorbereitet. Denn durch Verhandlungen könne man einiges bewirken.

„Wir sind weiterhin in einem sehr guten, konzentrierten Austausch mit der Politik.“ Doch mitunter seien selbst die Abgeordneten von den Abstimmungsergebnissen überrascht. Doch klar ist auch: Jetzt muss gehandelt werden.

Derzeit beschäftige man sich nur mit der Erreichung des Ziels, die 9,50 Euro durchzusetzen, und mit nichts anderem beziehungsweise keinen alternativen Lösungen.

Preis: „Ich glaube, dass die Ministerin im Inneren eine ganz andere Überzeugung hat als jetzt in den Plänen deutlich wird.“ Doch jetzt gehe es darum, dass die Koalition hält. Vielleicht gehe es Warken aber auch darum, jetzt den Forderungen des Finanzministers nachzukommen, um dann die benötigten Mittel für die Erhöhung des Fixums zu erhalten.

Eine Fixumserhöhung müsse sofort kommen und nicht erst zum neuen Jahr. Denn selbst wenn diese im Sommer komme, könne man erst in einem Jahr weiter verhandeln. Wenn alles früher auf den Weg gebracht worden wäre, würde man bereits jetzt erneut verhandeln.

Schwintek: Trotz der zeitlichen Verzögerungen dürften aber nicht die Kostensteigerungen, die inzwischen dazukamen, außer Acht gelassen, sondern müssten auch entsprechend berücksichtigt werden.

Preis: Wichtig ist, dass jetzt schnell Entscheidungen getroffen werden, damit auch die Kassen eine mögliche Gegenfinanzierung von weiteren Erhöhungen berücksichtigen können.

Dispensierrecht

13:56 Uhr

Preis: Das vorgesehene Dispensierrecht für Ärzt:innen widerspricht allen bisher gültigen Regelungen. Daher habe man auch entsprechend darauf reagiert. „Es besteht überhaupt kein Bedarf, dass Ärzte Medikamente abgeben dürfen.“ Auch hierzu sei die Abda im klaren polistischen Gespräch und werde sich entsprechend dagegenstellen. „Wir sind die Interessensvertretung der Apotheker:innen und machen dies auch klar.“

Frage aus dem Publikum zur Kommunikationsstrategie

14:00 Uhr

Preis: Wir konzentrieren uns zwar auf die 9,50 Euro, doch daran hängen auch noch zahlreiche weitere Dinge, beispielsweise viele unzureichende Dienstleistungen. „Wir haben einen riesen Korb an Dingen, die behandelt werden müssen.“ Diese habe man im Blick und wolle sie ebenfalls angehen. Doch es funktioniere nicht alles auf einmal.

Größte Enttäuschung

Preis: Die zusätzliche finanzielle Belastung für Apotheken, ohne dass die Honorarerhöhung durchgesetzt wurde, ist die größte Enttäuschung. Das ist, vorsichtig gesagt, kein feiner Umgang. Seit einem Jahr bestehe Einigkeit, dass die 9,50 Euro kommen müssen, dennoch wurde dies nicht umgesetzt. Dafür wurde innerhalb von zwölf Tagen umgesetzt, Apotheken den zusätzlichen Sparbeitrag aufzudrücken.

14:04 Uhr Ende der Diskussion

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