Konzept des Sozialverbands Deutschland

Primärversorgung: So könnte das neue Hausarztmodell aussehen

, Uhr
Berlin -

Patientinnen und Patienten sollen voraussichtlich künftig weit stärker als bisher zuerst zu ihrer Hausarztpraxis gehen müssen. Das ist das erklärte Kernziel der für den Herbst angekündigten Gesundheitsreform. Für die Versicherten könnte das bedeuten, dass sie in der Hausarztpraxis vermehrt von Teams betreut werden, in denen ihre Ärztin oder ihr Arzt nur eine von mehreren Funktionen übernimmt. Ein Konzept des Sozialverbands Deutschland (SoVD), das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, zeigt, wie dies aussehen könnte.

Gesundheitsministerin Nina Warken hatte kurz vor ihrer Amtsübergabe an ihren Nachfolger Carsten Linnemann (beide CDU) in einem Interview die sogenannte Primärversorgung als ein zentrales Reformvorhaben für den Herbst angekündigt. „Die Versorgung der Zukunft ist digitaler und stärker auf Teamarbeit ausgerichtet“, sagte Warken der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Länder für „nichtärztliche Gesundheitsberufe“

Schon im Juni hatten die Gesundheitsminister der Länder beschlossen, dass so ein System mit Vorrang für die Hausarztpraxis rasch eingeführt werden müsse. Eine zentrale Forderung ihres einstimmigen Beschlusses ist dabei die Stärkung „der interprofessionellen Ausrichtung“. Nötig seien – so die Länder – unter anderem bessere rechtliche Voraussetzungen für „den Einsatz qualifizierter nichtärztlicher Gesundheitsberufe“ und für eine Delegation der Aufgaben, also dafür, dass die Ärzte nicht alles selbst machen müssen.

Auch das Konzept der Gesundheitsexperten beim SoVD sieht vor, dass es Patientinnen und Patienten künftig viel stärker mit nichtärztlichen Mitarbeitern zu tun haben. Den Kern ausmachen sollen „leicht zugängliche Anlaufstellen, in denen verschiedene Gesundheitsberufe zusammenarbeiten“. SoVD-Chefin Michaela Engelmeier sagte: „Das Versorgungssystem muss einfacher, gerechter und verlässlicher werden.“ Die sogenannte Primärversorgung solle „Orientierung statt Hürden“ bringen sowie interprofessionelle Teams und niedrigschwellige Beratungsangebote.

Wie MVZ mit neuen Berufsbildern

Konkret sollen die Arztpraxen verstärkt zu kleineren Zentren ausgebaut werden. Beispielhaft nennt der Verband bestehende Medizinische Versorgungszentren (MVZ), Praxisverbünde oder Gesundheitszentren. „Wo dies sinnvoll und vor Ort möglich ist, sollten solche Strukturen zu Primärversorgungszentren mit interprofessioneller Zusammenarbeit weiterentwickelt werden“, so der SoVD. „Sie können Patientinnen und Patienten eine wohnortnahe erste Anlaufstelle für medizinische Fragen, akute Beschwerden und die Begleitung chronischer Erkrankungen bieten.“

Der Verband schlägt vor, auch in Deutschland vergleichsweise neue Berufe stärker einzusetzen, etwa „Physician Assistants“, also ärztliche Assistenten, oder Pflegefachpersonen mit Masterabschluss („Advanced Practice Nurses“).

Die Bundesländer hatten sich im Juni für eine schnelle und konsequente Umsetzung der Reform ausgesprochen. Erwartet wird, dass Warkens Nachfolger Linnemann das Projekt wie angekündigt vorantreibt.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Mehr zum Thema
„Erstattung wäre nicht sachgerecht“
AOK: Ärzte sollen Cannabis-Patienten umstellen
Mehr aus Ressort
ApoRetrO – Der satirische Wochenrückblick
Warkens Notfallkoffer für Linnemann

APOTHEKE ADHOC Debatte